Aufnahme: 1988

TuS 05 Oberpleis gegen Abriss der Turnhalle

Jahreshauptversammlung der Sportler

gst. "Wir wollten eigentlich heute Abend unserem Unmut über den geplanten Abriss der alten Turnhalle in Höhe des Busbahnhofes hier in Oberpleis freien Lauf lassen. Doch nun hat uns die CDU mit Ihrer Bürgerversammlung vor wenigen Tagen den Wind aus den Segeln genommen." Dies erklärte der Vorsitzende des TuS 05 Oberpleis, Sebastian Schuster, bei der Jahreshauptversammlung des Vereins. Bei der angesprochenen CDU - Bürgerversammlung waren die Kommunalpolitiker erstaunt über den massiven Angriff gegen das Vorhaben, die alte Turnhalle abzureißen, um einem Neubau der Bundespost im Zentrum von Oberpleis Platz zu machen. Die Oberpleiser CDU-Ratsvertreter erklärten bei der Bürgerversammlung, dass sie ihren Entschluss noch einmal überdenken wollen, zumal ja noch keine Planung erstellt worden sei. Beschlüsse könne man ja immer wieder rückgängig machen.

TuS-Vorsitzender Schuster erklärte nunmehr vor seinen Sportlern, dass man froh sein könne, wenn die Aussagen der Politiker in Erfüllung gingen. Diese Meinung vertrat auch Jopa Vedders von der CDU. Herbert Krämer: "Man war davon ausgegangen, dass die alte Turnhalle nicht mehr unbedingt erforderlich sei, da die Kinder- und Schülerzahl immer mehr zurückgeht." Die Benutzer der Turnhalle könne man ohne weiteres auf die anderen Hallen verteilen, lautete die Argumentation. Das wiederum rief die Sportler auf den Plan, die genau das Gegenteil erklärten und dies zu beweisen versuchten. "Wenn die Halle abgerissen wird, dann ist unser Lebensnerv getroffen" , erklärten einige TuS-Mitglieder. "Wenn das wirklich so ist, dass die Halle tagtäglich ausgelastet ist und eine Verlegung in die anderen Hallen nicht möglich ist, werden wir selbstverständlich noch einmal unseren Beschluss überdenken", erklärten Herbert Krämer, CDU-Vorsitzender und auch Mitglied des TuS, sowie Hans Remig, Vorsitzender des Stadtsportausschusses.

Die Kommunalpolitiker aller Couleurs waren davon ausgegangen, dass ein Neubau der Post im Bereich des Busbahnhofes städtebaulich attraktiver sei als die Turnhalle. Dagegen zwei TuS-Mitglieder: "Der Busbahnhof ist der größte Schandfleck in Oberpleis", und: "Die Post soll da bleiben wo sie ist." Alfred Bellinghausen vom TuS warf Herbert Krämer und der CDU vor, sie hätten den Besuchern der Bürgerversammlung bei diesem Diskussionspunkt das Wort abgewürgt. Dem widersprach Krämer. Man habe fast zwei Stunden über den Abriss der alten Turnhalle diskutiert, da könne doch von Abwürgen keine Rede sein. Und Sebastian Schuster: "Ich hatte auch nicht den Eindruck des Abwürgens." Stadtsportbundvorsitzender Johann Weiler: "Mir kommt es so vor, als wenn wir alle zum Tode verurteilt worden seien und nun auf die Begnadigung warten. Es kommt ja nicht nur auf die Kinder und Schüler an, sondern auch auf die Erwachsenen, die können erst ab 19 Uhr trainieren und dann müssen sieben Abende auf fünf Abende verteilt werden, weil die anderen Hallen am Wochenende nicht zur Verfügung stehen." Schließlich meinte Jopa Vedders (CDU): "Nach meiner Meinung ist die Entscheidung zugunsten der Turnhalle bereits gefallen." Trotzdem lassen die TuS-Mitglieder die Sache nicht auf sich beruhen und rufen zu Aktionen auf. So ist für Ostersamstag eine Unterschriftenaktion für die Erhaltung der Turnhalle vorgesehen. Herbert Krämer dazu: "Unterschriften bekommt man überall, so dass Unterschriftenlisten nicht mehr den Wert besitzen wie früher."


Die CDU lenkt ein

gst. Den massiven Protesten der Sportler des TuS 05 Oberpleis und der Bevölkerung hat sich die CDU gebeugt. Die alte Turnhalle hinter dem Busbahnhof in Oberpleis soll nicht abgerissen und die Post soll an ihrem alten Standort an der Herresbacher Straße bleiben. Mit dieser Entscheidung gehen die Ratsmitglieder der CDU in die Sitzung des Hauptausschusses am 18. April, wo dann die endgültige Entscheidung fällt. Die CDU hofft, dass auch alle anderen Fraktionen mitziehen, auch die SPD. Der Hauptausschuss hatte allerdings am 30. November des vergangenen Jahres einstimmig begrüßt, dass die Post auf dem Grundstück der Turnhalle am Weilerweg ein neues Postgebäude errichten wolle. Doch dieser Beschluss wurde unter der Voraussetzung getroffen, dass die schulische Nutzung und der Sport des TuS 05 Oberpleis in den anderen Turnhallen gesichert ist.

Bei der Bürgerversammlung der CDU hatten sich fast alle Teilnehmer gegen den Abriss der alten Turnhalle ausgesprochen, aber auch gegen einen Standort der Post am Busbahnhof. Man fürchtet einen stark zunehmenden Verkehr, wenn die Post dort ein neues, größeres Gebäude errichtet. Auch bei der Generalversammlung des Werbekreises Oberpleis am 21. März fand sich keine Zustimmung für das Vorhaben der Post. Der Vorstand nahm dies als Auftrag, die Meinung des Werbekreises bei den zuständigen Stellen entsprechend zu vertreten. Herbert Krämer, Jopa Vedders, Franz-Richard Vogt und Peter Räcker auf einer CDU-Pressekonferenz: "Wir wollen keine Politik gegen die Bürger." Aber bei der CDU bleibt man dabei: Wenn auch die alte Turnhalle erhalten bleibt und die Post ihren Plan begraben muss, wird am Busbahnhof langfristig weitergeplant, nämlich eine Wohn-, Büro und Geschäftsbebauung, um so den Ortskern von Oberpleis weiter für die Zukunft zu stärken.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 13 vom 31. März 1988
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Friedrich Müller
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