Aufnahme: 1988

Gelder bewilligt - Baumaßnahme lässt auf sich warten

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

gst. Auf den Wiederaufbau der Propstei und des Kreuzganges wartet die Oberpleiser Bevölkerung seit nunmehr acht Jahren. Das Geld ist vorhanden, doch auf den Beginn der Baumaßnahme wird noch gewartet. Wie lange noch? Am 19. März 1980 wurde durch einen verheerenden Brand, dessen Ursache nicht geklärt werden konnte, das im Jahre 1645 erbaute Propsteigebäude erheblich beschädigt. In diesem Hause, das seit der Enteignung des Klosters in Oberpleis dem Staat gehört, steht den Geistlichen der katholischen Pfarrgemeinde ein unentgeltliches Wohnrecht zu. Schon deshalb war man an einer möglichst umgehenden Restaurierung dieses Gebäudes interessiert. Zwar konnte durch eine Sofortmaßnahme im Jahre 1980 - das Gebäude erhielt ein neues Dach - die Propstei, ein anerkennenswertes Baudenkmal, vor dem Verfall bewahrt werden. Dann aber wurden die Baumaßnahmen eingestellt. Jahrelang hieß es zunächst, dass vom Staat die erforderlichen Gelder nicht bereitgestellt werden könnten.

Sodann vertraten noch im Jahre 1985 staatliche Stellen die unhaltbare Rechtsauffassung, dass mit dem Gebäude das der Kirche zustehenden Wohnrecht mit verbrannt sei. Darüber geriet die Kirche in Schwierigkeiten, weil sie über keinerlei Urkunden verfügt, aus denen sich das Wohnrecht für ihre Priester ergibt. Wahrscheinlich sind sie auch zum Zeitpunkt der Enteignung nicht ausgefertigt worden. Nur mühsam konnte unter Verwertung allgemein noch bekannter historischer Vorgänge in Oberpleis die Rechtsposition der Kirche nachgewiesen werden.

Nach dem Brand beauftragte der Staat mit der Raumplanung das Architekturbüro Kleefisch in Bonn. Es bereitete keine Schwierigkeiten, die Planung mit der Kirche abzustimmen, so dass die Planunterlagen im Dezember 1986 dem zuständigen Ministerium in Düsseldorf vorgelegt werden konnten. Da zwischenzeitlich die erforderlichen Mittel für diese Maßnahme im Haushalt bereitgestellt waren, stand einem unmittelbaren Baubeginn nichts mehr im Wege, musste man annehmen. Doch weit gefehlt. Der Plan wurde von den staatlichen Behörden nicht akzeptiert. Hausintern erstellten die staatlichen Behörden eine neue Planung, ohne jedoch die Kirche zu hören.

Aus einer Hälfte der Propstei sollten zwei Priesterwohnungen und aus der anderen Hälfte Mietwohnungen erstellt werden. Darin sahen die Vertreter der Kirche nicht nur Belästigungen, sondern auch eine 50prozentige Enteignung des Gebäudes. Das könne man nicht hinnehmen. Unter Einschaltung des Kölner Bistums konnte dann in einem Gespräch mit der Landesregierung in Düsseldorf im November des vergangenen Jahres erreicht werden, dass diese von der Planung Abstand nahm. Dann geschah nichts mehr, nach zahlreichen Telefongesprächen zwischen der Kirche Oberpleis und der Regierung in Düsseldorf konnte das Bonner Architekturbüro Kleefisch wieder eingeschaltet werden. Erste Gespräche mit der Kirche sind geführt worden, obwohl nicht Bauherr, damit alles getan wird, um aus dem Torso wieder ein denkmalwertes Gebäude zu gestalten. Dass das nötige Geld bereitgestellt werden konnte, ist dem Landtagsabgeordneten Franz Riscop zu verdanken.

Doch wie steht es mit der Restaurierung des staatseigenen Kreuzganges? Die Gelder dafür stehen auch bereit. Aber dafür ist ein Pfändungsauftrag noch nicht erteilt. Allerdings wurde der Oberpleiser Kirche von Düsseldorf aus mitgeteilt, dass baldigst ein Auftrag dem Staatshochbauamt in Bonn erteilt wird, damit beide Baumaßnahmen gleichzeitig abgewickelt werden können. Die Kirche konnte durchsetzen, dass es den Bürgern durch die Schaffung eines Durchganges durch den Kreuzgang ermöglicht wurde, in den Kreuzhof zu gelangen. Mit Kirchenmitteln wurde die mittelalterliche Klosterkirche restauriert. Nun hofft man, dass bald auch diese Anlagen der Propstei hergestellt werden. Nicht nur den Oberpleisern wäre das zu gönnen, die es immerhin im Gegensatz zu Heisterbach Anfang des 19. Jahrhunderts zur Säkularisation verstanden haben, dass die Kirche nicht abgerissen wurde, sondern im Dorf blieb.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr.16 vom 21. 04.1988
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
Räume & Galerien
Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
233

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.