Aufnahme: 1987
Lehrerschaft und Schüler demonstrierten gegen zwangsweise Versetzungen
„‘Neue Lehrer einstellen, statt unsere Lehrer zwangsversetzen‘, ‚Wir brauchen unsere Lehrer, macht's uns nicht noch schwerer‘, ‚Unsere Lehrer bleiben hier, dafür demonstrieren wir‘, ‚Wir sind empört, wir sind entsetzt, die Lehrer werden zwangsversetzt‘. ‚Die Lehrer werden uns genommen" und ‚erst unterbesetzt, dann überbesetzt und jetzt zwangsversetzt‘. Das waren nur einige der vielen Transparente, die von Schülern angefertigt und auf einem Demonstrationsmarsch durch Oberpleis gezeigt wurden.
Der Grund: Das Oberpleiser Gymnasium soll zwei Lehrer abgeben, die anderswo ab 1. September Dienst tun sollen. Laut einer Anordnung des Kultusministers sollen Lehrer von Schulen mit Stellenüberhang abgezogen werden, um Löcher an anderen Schulen zu stopfen. Grundsätzlich könne man nichts gegen Lehrerversetzungen einwenden, doch mit diesem Hau-Ruck-Verfahren sind die Lehrerschaft des Gymnasiums, die Eltern und auch die Schüler und Schülerinnen nicht einverstanden. Sie alle sind der Ansicht, dass eine solch schnelle Durchführung einer Anordnung rechtswidrig sei.
Jeder Arbeiter und Angestellte habe eine gewisse Frist bei Kündigungen und Versetzungen. Das solle man auch den Lehrern gewähren. Vier Lehrer des Gymnasiums wurden von der Dezernentin des Kultusministeriums, Dr. Wirths, in die engere Wahl gezogen. Am Mittwoch soll dann die Entscheidung fallen, zwei der vier ausgesuchten Pädagogen müssen dann Oberpleis verlassen. Doch ist Oberstudiendirektorin Adelheid Bauer der Ansicht, dass alle Betroffenen gegen den Versetzungsbescheid gerichtlich angehen werden, denn nach ihrer Ansicht und der übrigen Sprecher bei einer der Demonstration folgenden Pressekonferenz sei das übereilte Versetzungsverfahren in keiner Weise rechtlich durchziehbar.
Alle erklärten, dass beim Abzug der Lehrer die Leistungskurse nicht mehr gewährleistet seien und auch das Abitur könne gefährdet werden. Bereits laufende Kurse sind vom. Lehrerwechsel bedroht. Dem Personalrat in Düsseldorf sollen die Listen der insgesamt 210 zu versetzenden Lehrer bis zum 23. Juni vorliegen. Einige Wochen später entscheidet dann der Hauptpersonalrat. Dr. Bauer beanstandete auch, dass die Kommunen nichts von dieser Anordnung von oben gewusst haben, obwohl sie bei der Lehrerstellenbesetzung mitwirken.“
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