Polnischer Kinderchor kam mit Verspätung - Vor Konzert Buspanne in der DDR

Aufnahme: 1985

Polnischer Kinderchor kam mit Verspätung - Vor Konzert Buspanne in der DDR

gst. Große Aufregung bei der Sängerjugend Siebengebirge. Die Leiterin Ingrid Goethe hatte den be­ freundeten Kinderchor „Stieglitz­chen" aus dem polnischen Poniatowa eingeladen. Seit Jahren besteht zwi­schen den beiden Chören eine innige Freundschaft. Nu n machte der Chor auf dem Weg zu einer Konzerttour­ nee durch die Schweiz Zwischenstation im Siebengebirge . Der Aufenthalt sollte vier Tage ·dauern. Doch nun wurden nur drei Tage daraus.

Dienstagabend um 21 Uhr wurde der. Chor erwartet. Doch der Bus kam nicht. Auch Stunden danach herrschte Ungewißheit. Mittwochmorgen führte Ingrid Goethe zahlrei­che Telefonate, um das Fernbleiben des Busses mit der Kinderschar zu erkunden. Doch alle Nachforschungen blieben ergebnislos. Selbst eine Nachfrage bei der Botschaft Polens in Köln blieb ohne Erfolg. Dort wußte man auch nichts. Ein Fernschrei­ben nach Lublin bestätigte nur, daß der Bus mit dem Chor planmäßig die polnische Heimat verlassen hatte.

Nun machten sich auch die polni­schen Eltern Sorge um ihre Kinder. Erst am Mittwochnachmittag um 14 Uhr konnte Ingrid Goethe durch einen Telefonanruf beim Grenzübergang Herleshausen erfahren, daß ein Bus mit 37 polnischen Kindern und einigen begleitenden Erwachsenen soeben die. Grenze passiert habe. Was war geschehen: In der DDR er­ litt der Bus eine Panne. Der Tank wurde leck und die Reparatur dauerte längere Zeit. So mußten die Jungen und Mädchen in der Jugendherberge zu Gotha übernachten und mit rund 20-stündiger Verspätung trafen die Kinder im Siebengebirge erst kurz vor dem geplanten Konzert in Oberpleis ein. Dadurch mußte der vorgesehene Empfang im Oberpleiser Rathaus ausfallen.

Kurz vor Konzertende richtete dann Bürgermeister Günter Hank in der Aula Oberpleis herzliche Worte an die Kinderschar, die mit ihren bezaubernden hellen Kinderstimmen die etwa 200 Zuhörer vollends begeisterten. Hank schenkte jedem Kind nicht nur Informationsmappen über Königswinter, sondern auch je eine Tüte mit Süßigkeiten, und dem Be­gleitpersonal Dollendorfer Weinprä­sente. Der Bürgermeister äußerte sich froh darüber, daß die Kinderschar trotz der Panne heil in Königswinter angekommen sei. Musik und Gesang kennen eben keine Grenzen, betonte das Stadtoberhaupt und so­mit trügen bereits die Kinder zur Völ­kerverständigung wesentlichen bei.

Zunächst in ihrer Chorkleidung - rote Röcke bei den Mädchen, weiße · Strümpfe, graue Hosen bei den Jungen und blaue Jacken - und dann in Trachten ihrer Heimat erfreuten die Kinder mit Liedern in englischer und französischer Sprache, in ihrer Heimatsprache und in deutsch die mit Beifall nicht sparenden Besucher. Die Lieder wurden in der Zeit vom 14. bis 18. Jahrhundert komponiert. Begei­sterung löste das deutsche Lied „Frühmorgens, wenn die Hähne krä­hen" aus. Bürgermeister Hank äu­ßerte einen Liedwunsch, den die Kleinen auch bereitwilligst erfüllten „Es stehen zwei Sterne am Himmel". Während ihres Aufenthaltes be­suchten die Kinder auch den Drachenfels, unternahmen eine Schiff­ fahrt, die Bürgermeister Hank stiftete, besuchten den Bundestag und das Beethovenhaus in Bonn und gaben auch ein Konzert in Bad Honnef.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 16 vom 16.04.1985; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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