Aufnahme: 1980 (ca.)
Schulzentrum Oberpleis (Realschul-/Gymnasialtrakt)
"'Einweihung des Schulzentrums als 'Stätte der Begegnung'
‚Dies ist der schönste Schlüssel, den ich in meiner fast neunjährigen Amtszeit bekommen habe.‘ So Bürgermeister Günter Hank anlässlich der offiziellen Indienststellung des neuen Oberpleiser Schulzentrums, die in festlichem Rahmen erfolgte. Beethovens 'Lied an die Freude' erklang, eine beachtliche Darbietung, gesungen und gespielt von Schülern der Grund-, Haupt-, Realschule und des Gymnasiums. Die Freude über das gelungene Werk klang aus den Ansprachen der Offiziellen. Gleichzeitig wurde zum Ausdruck gebracht, dass in dieser Stätte der Begegnung" die Kinder zu fröhlichen Menschen erzogen werden. Hank dazu: 'Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenze in der Freiheit des Anderen.' Der Bürgermeister erinnerte an das Jahr 1969, als die neue Stadt Königswinter auf schulischem und sportlichem Sektor im Bergbereich einen desolaten Zustand vorfand. Rat und Verwaltung gingen mit Eifer daran, Abhilfe zu schaffen. In der ersten Ratsperiode gelang die Fertigstellung des Schulzentrums im Tal, dessen Funktionsfähigkeit sich in vollem Umfange bestätigte.
Mit dem Oberpleiser Schulzentrum entstand ein Gemeinschaftsprojekt des Landes und der Stadt: ein dreizügiges Gymnasium, eine Großsporthalle, ein pädagogisches Zentrum mit 800 Plätzen sowie eine Sportanlage. Im kommunalen Bereich entstanden die Realschule, eine weitere Sporthalle mit Zuschauertribüne, Schwimmhalle und Lehrschwimmbecken. Damit wurde das größte und teuerste Bauvorhaben der Stadt Königswinter abgeschlossen. Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz forderte dazu auf, die Schulen endlich zur Ruhe kommen zu lassen. Seit den 50er Jahren werde ständig kritisiert und reformiert. Sicher sei, dass die Schule unter diesen Auseinandersetzungen leide. Lehrpläne und Schulaufsicht müssten sein, doch der personelle Einsatz des Lehrers, sein Bekenntnis zu unserem Staat sowie sein Vorbild als Mensch im persönlich-privaten Bereich könnten durch keinen Lehrplan und keine Schulaufsicht ersetzt werden.
Regierungsdirektor Werner Hoffmann vom Staatshochbauamt Bonn überbrachte die Grüße der Landesregierung, skizzierte die bauliche Entwicklung des Zentrums und übergab an Bürgermeister Hank den symbolischen Schlüssel gemeinsam mit den bauausführenden. Architekten und Bauleitern. Oberstudiendirektorin Adelheid Bauer dankte namens der Schüler und der Lehrerschaft allen, die dieses Werk geschaffen haben. Realschuldirektor Kaiser plädierte für Zusammenarbeit und freundschaftliches Nebeneinander der Säulen des Schulzentrums nach dem Motto: 'Sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen', damit die Vorteile dieser Einrichtung allen Kindern ungeschmälert zugutekommen.
Landrat Dr. Franz Moeller übermittelte die Grüße und Anerkennung des Rhein-Sieg-Kreises für eine großartige Leistung. Zugleich gab er der Hoffnung Ausdruck, dass auch in dieser Schule Demokratie nicht nur ausgesprochen, sondern auch praktiziert und vorgelebt werde. Die einzelnen Säulen demonstrierten bei der Programmgestaltung für den Festakt eine große Vielfalt. Mit dem Lied 'Am Fuße des Oelbergs wachsen wir heran' hatten Schüler der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums das Festprogramm eingeleitet. Danach sangen Schüler der Grundschule, von Edgar Zens geleitet und von Chordirektor Kurt Wirtz am Klavier begleitet, das 'WejeIeed för et Chresskindche' in kölscher Mundart.
Lehrer 'schwänzten' bei Schuleinweihung - Skandal in Oberpleis - Das hat es noch nicht gegeben!
Als in Oberpleis das fast 40-Millionen-Schulprojekt seiner Bestimmung übergeben werden sollte, kam es zu einem Skandal, der ebenso beispiellos ist wie das Gebäude: Das gesamte Kollegium des Gymnasiums am Oelberg in Oberpleis glänzte durch Nichterscheinen bei der feierlichen Zeremonie. Nur die Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Adelheid Bauer kam. Sie hatte ja eine Rede zu halten. Die hielt sie. Und dann verschlug es den Gästen die Sprache, als auch Adelheid Bauer sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen solidarisch erklärte und den Saal verließ.
Bürgermeister Hank war wie vor den Kopf gestoßen, denn wenige Minuten vorher hatte er ihr noch lächelnd den Schlüssel des Hauses überreicht. Hank: 'Das ist mehr als ein ungewöhnlicher Vorfall'. Der Grund dieses ungewöhnlichen Verhaltens: Das Lehrerkollegium sieht in den Personalentscheidungen des Königswinterer Schulausschusses und des Rates eine Fehlpolitik, und das wegen der CDU-Mehrheit. Man ist der Meinung, dass Adelheid Bauer wegen ihrer SPD-Zugehörigkeit abgelehnt werde. Außerdem rechnet man es der CDU übel an, dass die Wünsche der Eltern und der Lehrerschaft nicht erfüllt werden, nämlich Uwe Strack als stellvertretenden Schulleiter zu bestellen. Flugblätter wurden verteilt.
Darin hieß es: 'Hervorragende Pädagogen, die sich um den Aufbau der Schule verdient gemacht haben, werden nicht befördert. Loyale Zusammenarbeit mit der Schulleitung wird bestraft'. Konterte Bürgermeister Hank: 'Unter Demokratieverständnis verstehe ich, dass Entscheidungen parlamentarischer Gremien akzeptiert werden, auch wenn man nicht mit ihnen einverstanden ist'. (Beifall der im Saal Verbliebenen). Oberstudiendirektor Walter Neft, Leiter des Gymnasiums in Königswinter-Altstadt, distanzierte sich spontan im Namen aller Schulleiter von dem Vorgehen der Kollegen. Er bat die Schüler, denen die Feierstunde ja eigentlich galt, um Entschuldigung für diese Entgleisung, obwohl auch etwa ein Dutzend Schüler unter Protestrufen den Saal verließen."
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