Aufnahme: 1979
Bienenzuchtverein im Schulzentrum Oberpleis
"Der Bienenzuchtverein Oberpleis veranstaltet am 19. und 20. Mai 1979, - geöffnet von 11 bis 18 Uhr, - eine Ausstellung in der Aula des Schulzentrums Oberpleis, um der Bevölkerung des Siebengebirgsraumes zu zeigen, was hier seit 1896 — meist von naturverbundenen Menschen — zum Wohle der Allgemeinheit geleistet wurde und was die moderne Imkerei für den heutigen Menschen bedeutet.
Nach einem vorliegenden handgeschriebenen Protokoll des 2. Vorsitzenden Heinrich Schoroth aus dem Jahre 1956, wurde der Verein am 30. September 1896 in Oberpleis auf Betreiben des damaligen Direktors der Landwirtschaftlichen Schule in der Burg Niederbach, Herrn Tille, gegründet. Erstmitglieder waren: Michael Moll aus Heisterbacherrott, Träger der goldenen Ehrennadel und Ehrenmitglied, der dem Verein und seinen Bienen über Jahre die Treue hielt; Lehrer Matthias Schonauer aus Thomasberg, der 1. Vorsitzende des Vereins; Lehrer Josef de Bück aus Eudenbach, der seine Bienen seinem Sohn, dem Obstbauer Damian de Bück vererbte; Lehrer Flink aus Rott; Wilhelm Reuter aus Ruttscheid, der seine Bienen an seinen Sohn Karl weitergab; Michael Pütz aus Stieldorf, dessen Sohn die Bienen weiter betreute; Wilhelm Weber aus Eisbach, dessen Söhne Heinrich und Wilhelm ebenfalls Imker wurden; Wilhelm Schmitz aus Broichhausen, der seine Bienen dem Sohn Jakob übergab.
Abschließend wird Herr Nietzer aus Heisterbacherrott als Mitgründer des Vereins genannt.
Am Anfang hatte der Bienenzuchtverein Oberpleis ca. 30 Mitglieder, eine Zahl, die der heutigen Mitgliederzahl entspricht. Mit Beginn des 1. Weltkrieges stieg die Mitgliederzahl plötzlich auf über 40 an: 10 sogenannte ‚Zuckerimker‘ (Zucker war rationiert) fielen sofort nach dem Kriege wieder vom Verein ab. Die Futterzuckervergällung wurde auch damals schon durchgeführt, so dass sich die Hausfrau höchstens einmal am Bienenzucker vergriff.
Mit dem Ausscheiden des 1. Vorsitzenden drohte der Verein Anfang der 20er Jahre zu verfallen. Es ist das Verdienst Heinrich Schoroths, dass der Verein wieder aufblühte und in steter Arbeit gedieh. In den ersten 60 Jahren wurden nur zwei Vorsitzende 'gebraucht', immerhin ein Qualitätszeichen. Nach Wilhelm Hoehn, Bernd Pickel und Willi Vogt ist z. Z. Hermann-Josef Zander, der sechste Vereinsvorsitzende, im Begriff, ein reges Vereinsleben zu entwickeln.
Im Originalprotokoll stehen folgende Sätze: „Zu dieser Zeit (gemeint sind die Jahre zwischen den zwei Weltkriegen) aber hatte unsere Bienenzucht noch eine natürlichere Grundlage, weil die Unkrautbekämpfung sowie die Insektenbekämpfung, also das Spritzen von Obstbäumen, noch in der Form und mit den Mitteln erfolgte, die den Bienen kaum schadeten. Indem man aber zu immer schärferen Mitteln greift, wird man das Ungeziefer doch nicht los, aber die Bienenzucht leidet immer mehr Schaden. Hinzuzufügen ist, dass man die Zerstörung des biologischen Gleichgewichtes zudem noch sehr teuer bezahlt (Chemikalien und Geräte, Arbeitseinsatz) und bezahlen wird (Gesundheitsschäden kommender Generationen).
Es werden ca. 300 Bienenvölker (1956 waren es 637) bewirtschaftet. Fast alle Imker gehen ihrer Aufgabe als Freizeitbeschäftigung nach. Die Naturverbundenheit bewirkt, einen Teil des edelsten Naturprodukts, den Honig, zu erzeugen und durch die Blütenbestäubung einen volkswirtschaftlichen Nutzen zu stiften, der ökologisch betrachtet, einen Millionenertrag übersteigt.
Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich. Neben lebenden Bienen in Glasbeute und Schaukasten sind viele interessante Dinge zu sehen, die sonst nie in dieser Fülle und Übersicht geboten werden. R.
Bienen-Ausstellung im Schulzentrum
300 Bienenvölker bringen jährlich für ca. 50.000 DM Honig!
‚Ich verstehe nicht viel von Bienen, wenigstens nicht von denen, die hier zu sehen sind‘. So kommentierte Bürgermeister Günter Hank die Bienenausstellung in der Aula des Schulzentrums Oberpleis. Dort hatte der Bienenzuchtverein Oberpleis eine zweitägige Ausstellung inszeniert, um der Bevölkerung das Leben dieser Tiere zu demonstrieren.
Hank bedauerte in seiner Ansprache als Schirmherr der Ausstellung, dass er erst vor einigen Monaten erfahren habe, dass es in Königswinter auch einen Bienenzuchtverein gibt: ‚Ich weiß von der Existenz vieler Gruppen und Vereinigungen, aber vom Bienenzuchtverein habe ich bisher keine Kenntnis gehabt‘.
Der Bürgermeister erzählte aus seiner Jugendzeit, als er vor Bienen immer flüchtete. Sein Vater habe ihm immer wieder gesagt, dass die Bienen gute und nützliche Tiere seien. Die Biene sei das kleinste Haustier, betonte Hank, wenn man von der Laus absehe. Nach seiner Ansicht müsse es schon zu biblichen Zeiten diese niedlichen Tierchen gegeben haben, denn schon in der Bibel werde von einem Land von Milch und Honig gesprochen. Humorvoll meinte der Bürgermeister, dass es, genau wie bei den Menschen, faule und fleißige Bienen gebe. Doch habe sich wohl die Emanzipation bei den Bienen noch nicht herumgesprochen, da doch ganze Völker einer weiblichen Biene, der Königin, gehorchen: „In Königswinter haben es die Bienen besonders gut", meinte Günter Hank weiter in seiner bekannten humorvollen Art. ‚Zuerst sorgen sie im Rheintal für die Befruchtung der Bäume und für den Honig, erst einige Wochen später, wenn die Blüte im Pleiser Hügelland sich entwickelt, fängt die Arbeit hier oben für diese Tierchen an‘.
Der Bürgermeister erwähnte in diesem Zusammenhang allerdings auch die Liebe der Menschen zum Tier und lobte die Imker im Besonderen.
Hans Nettekoven vom Landesvorstand der Imker überbrachte die Grüße des Verbandes und überreichte nach einer kurzen Ansprache Hermann-Josef Zander als Vorsitzendem des Bienenzuchtvereins die silberne Preismedaille für fruchtbare und nützliche Arbeit in der Bienenzucht. Wilhelm Jansen, Vorstandsmitglied des Bienenzuchtvereins, erklärte in seiner Ansprache, dass es seit der Vereinsgründung vor 83 Jahren eine solche Ausstellung noch nicht gegeben habe. Er betonte, dass der Verein schon Mitglieder aus der dritten Familiengeneration in seinen Reihen hat. ‚Der echte Bienenvater‘, so sagte Jansen, ‚berechnet weder die Zeit, noch wiegt er die Mühen auf, die er für seine Tiere einsetzt‘.
Ein Bienenvolk bringt im Jahr eine Durchschnittsernte von 14 Kilo Honig. Bei den heutigen Imkerhonigpreisen bedeutet das einen Erlös von etwa 170, — DM. Mit seinen 300 Bienenvölkern produziert der Verein also Honig im Wert von 50 000,— DM pro Jahr. Die Imker fordern aber auch eine gesunde Umwelt, um den Fortbestand der Imkerei und der Bienenzucht zu gewährleisten. Jansen betonte, dass die ‚Goldenen Jahre‘ zwar vorbei sind, dass aber ein echter Naturfreund seinen Optimismus in die Zukunft setzt, so wie die Imker regelmäßig nach Rückschlägen auf bessere Jahre hoffen: ‚Der Imker ist und war in seiner Naturverbundenheit immer fortschrittlich‘.
Alle Mitglieder des Vereins sind Hobby-Imker — ein ideales Hobby, denn gerade bei der Imkerei verbinden sich Tierhaltung auf kleinstem Raum mit der Pflanzenwelt der Heimat, aber auch mit Wetterkunde und wissenschaftlichen Aspekten aus Zoologie und Botanik.
Die anwesenden Kommunalpolitiker bat Hermann-Josef Zander, doch beim Ausbau des Lauterbachtales einen Lehr-Bienenstand einzurichten. Zur offiziellen Eröffnung war auch schon eine Klasse der Grundschule mit Lehrerin Gerlinde Hecken erschienen. Nach einer Filmvorführung wurden die Gäste mit einem Honiggetränk, das schon den alten Germanen gut mundete, erfrischt. Danach unternahmen die Gäste einen Rundgang durch die wirklich sehenswerte Ausstellung.
So konnte man einen Brutapparat für die Königinnenzucht sehen. Auch eine Dampfwachsschmelze und eine Sonnenwachsschmelze waren ausgestellt. Zum Arbeitsgerät des Imkers gehört auch eine Wabenzange und ein Rauchbläser, die ebenfalls zu sehen waren, genauso wie stichfeste Kleidungsstücke. Anhand von Zeichnungen konnte der Besucher das Leben der Bienen durch das ganze Jahr, von Januar bis Dezember, verfolgen. Zahlreiche lebende Bienen waren hinter einer Glaswand bei ihrer Arbeit zu betrachten. Zu einer solchen Ausstellung gehören natürlich auch fertige Produkte. Und so sahen die zahlreichen Besucher nicht nur den fertigen Honig im Glas, sondern auch Bienenwachskerzen.
Meinte Bürgermeister Günter Hank beim Rundgang: ‚Jetzt müssten auch die Pastöre hier sein und sich bei den Bienen für die Kerzen bedanken‘. Wer Interesse an der Bienenzucht hat, kann sich beim Vorsitzenden des Oberpleiser Bienenzuchtvereins, Hermann-Josef Zander, Torstraße 18, 5330 Königswinter 41, Heisterbacherrott, Telefon (02223) 27487, melden. Gst."
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.