Aufnahme: 1979
Bienenausstellung im Schulzentrum
300 Bienenvölker bringen jährlich für ca. 50.000,-- DM Honig.
"Ich verstehe nicht viel von Bienen, wenigstens nicht von denen, die hier zu sehen sind." So kommentierte Bürgermeister Günter Hank die Bienenausstellung in der Aula des Schulzentrums Oberpleis. Dort hatte der Bienenzuchtverein Oberpleis eine zweitägige Ausstellung inszeniert, um der Bevölkerung das Leben dieser Tiere zu demonstrieren. Hank bedauerte in seiner Ansprache als Schirmherr der Ausstellung, daß er erst vor einigen Monaten erfahren habe, daß es in Königswinter auch einen Bienenzuchtverein gibt: "Ich weiß von der Existenz vieler Gruppen und Vereinigungen, aber vom Bienenzuchtverein habe ich bisher keine Kenntnis gehabt."
Der Bürgermeister erzählte aus seiner Jugendzeit, als er vor Bienen immer flüchtete. Sein Vater habe ihm immer wieder gesagt, daß die Bienen gute und nützliche Tiere seien. Die Biene sei das kleinste Haustier, betonte Hank, wenn man von der Laus absehe. Nach seiner Ansicht müsse es schon zu biblischen Zeiten diese niedlichen Tierchen gegeben haben, denn schon in der Bibel werde von einem Land von Milch und Honig gesprochen. Humorvoll meinte der Bürgermeister, daß es, genau wie bei den Menschen, faule und fleißige Bienen gebe. Doch habe sich wohl die Emanzipation bei den Bienen noch nicht rumgesprochen, da doch ganze Völker einer weiblichen Biene, der Königin, gehorchen. „In Königswinter haben es die Bienen besonders gut", meinte Günter Hank weiter in seiner bekannten humorvollen Art.
„Zuerst sorgen sie im Rheintal für die Befruchtung der Bäume und für den Honig, erst einige Wochen später, wenn die Blüte im Pleiser Land sich entwickelt, fängt die Arbeit hier oben für diese Tierchen an." Der Bürgermeister erwähnte in diesem Zusammenhang allerdings auch die Liebe der Menschen zum Tier und lobte die Imker im Besonderen. Hans Nettekoven vom Landesvorstand der Imker überbrachte die Grüße des Verbandes und überreichte nach einer kurzen Ansprache Hermann-Josef Zander als Vorsitzendem des Bienenzuchtvereins die silberne Preismedaille für fruchtbare und nützliche Arbeit in der Bienenzucht. Wilhelm Jansen, Vorstandsmitglied des Bienenzuchtvereins, erklärte in seiner Ansprache, daß es seit der Vereinsgründung vor 83 Jahren eine solche Ausstellung noch nicht gegeben habe. Er betonte, daß der Verein schon Mitglieder aus der dritten Familiengeneration in seinen Reihen hat.
„Der echte Bienenvater", so sagte Jansen, „ berechnet weder die Zeit, noch wiegt er die Mühen auf, die er für seine Tiere einsetzt." Ein Bienenvolk bringt im Jahr eine Durchschnittsernte von 14 Kilo Honig. Bei den heutigen Imkerhonigpreisen bedeutet das einen Erlös von etwa 170,- DM. Mit seinen 300 Bienenvölkern produziert der Verein also Honig im Wert von 50 000,- DM pro Jahr. Die Imker fordern aber auch eine gesunde Umwelt, um den Fortbestand der Imkerei und der Bienenzucht zu gewährleisten. Jansen betonte, daß die „Goldenen Jahre" zwar vorbei sind, daß aber ein echter Naturfreund seinen Optimismus in die Zukunft setzt, so wie die Imker regelmäßig nach Rückschlägen auf bessere Jahre hoffen. „Der Imker ist und war in seiner Naturverbundenheit immer fortschrittlich." Alle Mitglieder des Vereins sind Hobby-Imker - ein ideales Hobby, denn gerade bei der Imkerei verbinden sich Tierhaltung auf kleinstem Raum mit der Pflanzenwelt der Heimat, aber auch mit Wetterkunde und wissenschaftlichen Aspekten aus Zoologie und Botanik.
Die anwesenden Kommunalpolitiker bat Hermann-Josef Zander, doch beim Ausbau des Lauterbachtales einen Lehr-Bienenstand einzurichten. Zur offiziellen Eröffnung war auch schon eine Klasse der Grundschule mit Lehrerin Gerlinde Hecken erschienen. Nach einer Filmvorführung wurden die Gäste mit einem Honiggetränk, das schon den alten Germanen gut mundete, erfrischt. Danach unternahmen die Gäste einen Rundgang durch die wirklich sehenswerte Ausstellung. So konnte man einen Brutapparat für die Königinnenzucht sehen. Auch eine Dampfwachsschmelze und eine Sonnenwachsschmelze waren ausgestellt. Zum Arbeitsgerät des Imkers gehört auch eine Wabenzange und ein Rauchbläser, die ebenfalls zu sehen waren, genauso wie stichfeste Kleidungsstücke.
Anhand von Zeichnungen konnte der Besucher das Leben der Bienen durch das ganze Jahr, von Januar bis Dezember, verfolgen. Zahlreiche lebende Bienen waren hinter einer Glaswand bei ihrer Arbeit zu betrachten. Zu einer solchen Ausstellung gehören natürlich auch fertige Produkte. Und so sahen die zahlreichen Besucher nicht nur den fertigen Honig im Glas, sondern auch Bienenwachskerzen. Meinte Bürgermeister Günter Hank beim Rundgang: „Jetzt müßten auch die Pastöre hier sein und sich bei den Bienen für die Kerzen bedanken." Wer Interesse an der Bienenzucht hat, kann sich beim Vorsitzenden des Oberpleiser Bienenzuchtvereins Hermann-Josef Zander, Torstraße 18, 5330 Königswinter 41, Heisterbacherrott, Telefon (02223) 27487, melden. gst.
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