Aufnahme: 1978 (Bericht)
Modell des Schulzentrums Oberpleis
"Oberpleiser Schulzentrum wird seiner Bestimmung übergeben - Offizielle Übergabefeier erfolgt am Montag.
Am 9. Juli 1976 wurde der Grundstein für das Schulzentrum Königswinter-Oberpleis gelegt. Zwei Jahre später, zum Schuljahresbeginn 1978/79, konnten das Gymnasium ‚Am Oelberg‘ und die Realschule ihre neuen Räume beziehen. Ebenfalls sind die Grundschule sowie die Hauptschule von Oberpleis zum selben Zeitpunkt in die für sie vorgesehenen Räume auf dem Gelände des Schulzentrums umgezogen. Nachdem inzwischen auch die notwendigen Sporthallen und das pädagogische Zentrum fertiggestellt sind, kann das Schulzentrum nunmehr offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.
Die Übergabefeier findet am kommenden Montag, 18. Dezember, 10.30 Uhr, im pädagogischen Zentrum statt. Die neuen Räume bieten technisch und vor allen Dingen von pädagogischen Gesichtspunkten her alle Voraussetzungen für eine Unterrichtung nach modernsten schulischen Erfahrungen. Mit Oberpleis hat nunmehr die Stadt Königswinter ein zweites großes Schulzentrum. Rat und Verwaltung, die die Lösung der Königswinterer Schulprobleme seit Jahren mit Priorität verfolgten, sehen der Einweihung mit berechtigtem Stolz entgegen.
Der Gedanke und die Pläne für eine bessere Versorgung des Oberpleiser Raumes entstand bereits vor 1969, also vor der kommunalen Neugliederung, die Oberpleis zu Königswinter brachte. Damals war es der ‚Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums am Oelberg‘ — gewissermaßen eine Bürgerinitiative – die mit der Forderung nach einem eigenen Gymnasium an die Öffentlichkeit trat. Kinder aus dem Oberpleiser Bereich hatten verkehrstechnisch und entfernungsmäßig Schwierigkeiten, eines der entfernt liegenden Gymnasien zu besuchen.
Der Bedarf indes wurde immer größer, da Oberpleis und seine Nachbarorte immer mehr an Einwohnern zunahm. Der Wunsch nach einem eigenen Gymnasium für Oberpleis fiel in eine Zeit, da nach den bestehenden Richtlinien keine staatlichen Gymnasien mehr gebaut werden sollten. So wurde dem nachdrücklichen Wunsch der Elterninitiative entsprechend, zunächst am 1. August 1969, eine Außenstelle des Staatlichen Gymnasiums Siegburg in Oberpleis eingerichtet. Als Oberpleis Königswinter zugeschlagen wurde, gab es dort eine Realschule, die Hauptschule und den Wunsch nach einem Gymnasium. Die Stadt hatte das Grundstück Mathildenheim gekauft, auf dem die Grundschule eingerichtet wurde. Als sich das Land kurz darauf zum Bau eines Gymnasiums entschloß, wurde zwischen dem Land NRW und der Stadt Königswinter eine gemeinsame Schulkonzeption erarbeitet. Die Stadt gab den Schulentwicklungsplan in Auftrag, aus dem sich nebst dem Talbereich auch für Oberpleis ein schulischer Schwerpunkt herauskristallisierte.
Der Auftrag zur Bauausführung ging schließlich an Dr. Arne Strassberger aus Beuel. Er zeichnet als Architekt des Schulkomplexes verantwortlich. Die Bauleitung übernahm Ingenieur Karl-Heinz Görres. Es war ein internationales Arbeitsteam, das sich an der Oberpleiser Baustelle zusammenfand. Neben deutschen Handwerkern sah man Jugoslawen, Griechen, Italiener, Türken, Holländer, ja selbst Engländer am Bau, die alle zusammen 215 000 Stunden Schalarbeit leisteten, über 1 000 Tonnen Stahl verarbeiteten und rund 15 000 Kubikmeter Beton gossen.
Der Beschluß des Königswinterer Rates, das Schulzentrum zu bauen, stammt vom 12. Oktober 1970. Nach dem im Mai 1971 der Planungsauftrag des Finanzministers NRW erteilt war, wurde im November 1971 mit der Entwurfsplanung und Kostenberechnung begonnen. In den Jahren 1972 und 1973 wurden die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für den Baubeginn am 11. November 1975 geschaffen.
Knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung am 9. Juli 1976 wurde Richtfest gefeiert. Die Gesamtkosten der Neubauten belaufen sich auf etwa 39 Millionen DM. 30,5 Millionen DM bestreitet das Land NRW als Zuschuss. Das Bauvorhaben umfasst 120 000 Kubikmeter umbauten Raum. Neben zwei Sporthallen wurden eine Schwimmhalle und zwei pädagogische Zentren erstellt. Das Gymnasium wurde um einen Zug erweitert. Die städtische Realschule mit ihren rund 550 Schülern wurde wesentlich vergrößert. Während der Bauarbeiten musste sich der Schulbereich mit vielen Provisorien zufrieden geben. Doch es wurde in Anbetracht des neuen größeren Gesamtbauwerkes Verständnisses aufgebracht. Das Gymnasium beispielsweise war zuletzt in 84 Pavillonklassen untergebracht.
Nach der feierlichen Eröffnung können unterrichtet werden im Gymnasium rund 1 000 Schüler, in der Realschule 700, in der Hauptschule 600 und in der Grundschule 300. Der Einzugsbereich für das Gymnasium und für die Realschule geht weit über den Bergbereich und die Stadt Königswinter hinaus. Auf die Fertigstellung der Sportanlagen freuten nicht nur die Schulkinder, sondern auch die Vereine. Die beiden Sporthallen haben eine Größe von je 25 x 45 Metern, wobei jede der Hallen dreifach teilbar ist. Es können also sechs Klassen gleichzeitig Turnunterricht erhalten. Eine der Hallen hat eine 500 Zuschauer fassende Tribüne. Dies kommt insbesondere großen Sportvereinen zugute. Mit diesen beiden neuen Hallen wurde die Hallenkapazität der Stadt wesentlich erhöht. Das Schwimmbad umfasst eine Größe von 10 x 25 Metern und ein Lehrschwimmbecken. Auf seine Benutzung wartete mit Ungeduld die sehr aktive Oberpleiser DLRG. Die Stadt überlässt den Vereinen die Benutzung der Sportanlagen kostenlos.
Der Gedanke lag nahe, mit dem Schulzentrum auch die Voraussetzungen zu schaffen, Oberpleis als kulturellen Mittelpunkt des Königswinterer Bergbereiches zu forcieren. Räumlich bietet sich dafür - und so war es von den Planern auch vorgesehen - das pädagogische Zentrum an. Ähnlich wie in der Schulaula Königswinter sollen auch in Oberpleis Theater- und Konzertveranstaltungen über die Bühne gehen. Das pädagogische Zentrum wird für dererlei Zwecke rund 800 Personen fassen; vor Tischreihen werden es 650 sein. Bereits für den Januar ist eine Kulturwoche geplant. Kunst wird auch am Bau angeboten. Bei einem Wettbewerb siegte eine Künstlerin aus Linz. Die Kunst besteht aus einem wandhohen Reliefband aus verschiedenen Materialien und Farben."
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