„Haus der Jugend" wurde seiner Bestimmung übergeben

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1978

„Haus der Jugend" wurde seiner Bestimmung übergeben

"Nach wechselhaftem Schicksal  in Kriegs- und Nachkriegszeit öffnet nunmehr zur Freude aller Bürger das ehemalige Jugendheim in Oberpleis erneut seine Pforten als Haus  der Jugend." Diese Worte schrieb Erich Lichtenberg, stellvertretender Stadtdirektor, in einem Grußwort zur Eröffnung des Hauses am vergangenen Samstag. Mit der festlichen Eröffnung sei ein neuer Anfang in der Jugendarbeit mit einem Trägerverein, dessen Mitglieder sich aus einer Vielzahl von Vereinen verschiedenster Ausrichtung zusammensetzt, gemacht. Zur Eröffnungsfeier hatten sich zahlreiche Gäste aus der Kreisveraltung, der Stadtverwaltung und der Stadtvertretung sowie Vereinigungen und die Geistlichkeit eingefunden. Oberstudienrat Wilhelm Weiler sprach die Segensgebete. Von der evangelischen Gemeinde war Pfarrer Finke erschienen. Die Glückwünsche des Kreises überbrachte. Landrat Dr. Möller, der als Geschenk gleich eine ganze Kiste voller Bücher mitgebracht halte, die er der Leiterin des Heimes, Monika Becker, überreichte. Dr. Möller gab seiner Freude darüber besonderen Ausdruck, daß die Initiative zu diesem Haus der Jugend aus der Bürgerschaft gekommen sei. Er wünschte, daß dieses Haus zwar der Jugend gehören soll, daß aber in  diesem Hause auch Kontakte zu den erwachsenen Mitbürgern geschlossen werden sollen.

Bürgermeister Hank gratulierte im Namen des Rates der Stadt und überreichte neben einem Blumenstrauß auch ein Geldgeschenk. Hank schilderte in seiner  Ansprache die wechselvolle Geschichte dieses Hauses. lm Dritten Reich diente das Haus als Unterkunft für Jungvolk und HJ. Im letzten Krieg wohnten dort Fliegergeschädigte, und nach dem Kriege war dort zunächst für einige Jahre das Rathaus der Amtsverwaltung Oberpleis untergebracht. Danach war das Haus an verschiedene gewerbliche Unternehmen verpachtet. Seit Jahren hat sich dann der zuständige Ausschuß damit befaßt, das Gebäude seinem ursprünglichen zweck wieder zuzuführen. Am 13. Mai1974  beschloß der Hauptausschuß, Verhandlungen mit freien Trägern wegen der Übernahme der Trägerschaft zu führen. Und am 23. Februar 1976 beschloß  der Stadtrat:  „Der Ausbau wird gefördert, sobald die Trägerschaft geklärt ist." Der Trägerverein  „Haus der Jugend in Königswinter Oberpleis" konstituierte sich am 24. Juni 1976. Aufgrund des Ratsbeschlusses vom 12. Mai 1977 wurde  der Vertrag mit dem Trägerverein abgeschlossen. Die Stadt stellte das Haus  kostenlos zur Verfügung. Die Baukosten betrugen DM 200 000,-. Die Stadt übernahm DM 150000,- und der Kreis die restlichen DM 50 000,-. Die Ersteinrichtung  erforderte Kosten in Höhe von DM 70 000,-. Daran beteiligte sich  der  Kreis mit DM  17500,­ und die Stadt mit DM 45 000,-. Der Verein mußte eine Eigenbeteiligung von DM 7 500,- aufbringen.

Das Jugendheim wird als „Teil-Offene-Tür" geführt. Dies erforderte die Anstellung einer hauptamtlichen Fachkraft. Zu den jährlichen Betriebskosten gewährt der Rhein-Sieg-Kreis einen Zuschuß von DM 30 000,- und das Land einen solchen von DM 6000,-. Die Stadt wird sich mit DM 25 000,-  beteiligen. In seiner weiteren Rede informierte Bürgermeister Hank die Anwesenden mit der Mitteilung, daß neben dieser neuen Jugendfreizeitstätte sich in der Altstadt ein Pfarrzentrum mit Jugendheim im Bau befindet. An den Baukosten beteilige sich die Stadt mit DM 65 000,-. Geplant sei dann noch der Neubau eines Jugendheimes durch den Ausbau des sich im Eigentum der Stadt Königswinter befindenden Sportjugendheimes in Niederdollendorf.  Die voraussichtlichen Baukosten bezifferte Hank mit DM 300 000,-. Mit dem Ausbau soll noch im Laufe dieses Jahres begonnen werden. Vorhandene Jugendheime gäbe es noch in Ittenbach, Heisterbacherrott.  Thomasberg,  Stieldorf, Oberdollendorf  (katholisch) sowie Stieldorf und Niederdollendorf  (evangelisch). Viele weiteren Gäste schlossen sich mit Glückwunschadressen und Geschenken der Gratulationscour an.

Die Gäste besichtigten dann das Gebäude, in dem im Keller, im ersten und im Dachgeschoß rund zehn Räume für die Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Es gibt im Kellergeschoß einen Werkraum, ein Fotolabor, einen Tischtennisraum und einen Raum für Tischfußball. Im großen Saal im Erdgeschoß werden drei Discjockeys die jungen Gäste unterhalten: Markus Wald, Hein-Georg Tirpitz und Peter  Haebler. Träger des Hauses ist im Rechtssinne ein eingetragener Verein mit dem Namen "Haus der Jugend in Königswinter e. V." - Diesem Träger gehören an: evangelische Kirchengemeinde Oberpleis, Kolpingsfamilie Oberpleis, Jugendzentrum Oberpleis, TuS 05 Oberpleis, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Oberpleis, der Gemischte Chor Oberpleis und der Stadtjugendring Königswinter.

Dem Vorstand des Vereins gehören an: Dr. Bruno Cremer von der  LRC als  Vorsitzender. Stellvertreter ist Karl Schmitz vom Stadtjugendring, Schriftführerin  Christine Renner vom TuS 05, und als Kassierer fungiert Hans-Werner Selzer von der Kolpingsfamilie. Das Jugendheim steht je zur Hälfte der unabhängigen Jugendarbeit und der verbandseigenen Jugendarbeit zur  Verfügung. An den Tagen der "Offenen Tür" dienstags donnerstags und samstags ist das Haus für alle Kinder und Jugendlichen, also auch für solche, die keinem der Mitgliedsverbände des Trägers angehören, von 15 bis 22 Uhr offen. An den übrigen Tagen haben nur die Mitgliedsverbände die Möglichkeit, das Haus für ihre eigene Jugendarbeit zu nutzen. gst.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10 vom 10.03.1978; Fotos und Bericht: Günter Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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