Aufnahme: 1975
Heiligenhäuschen mit Bildstock in der Propsteihofmauer 1975
Arbeitskreis Heimatkunde wirkt federführend.
Als im September 1973 in der Siebengebirgs -Zeitung auf Anregung von Herrn Willi Krey aus Oberpleis die Frage nach näheren Angaben über das Heiligenhäuschen in Oberpleis an der Herresbacher Straße aufgeworfen wurde, konnte nicht geahnt werden, daß dieses Thema soviel Interesse finden würde. Innerhalb kurzer Zeit kamen durch die Leser - und hier erstaunlicherweise überwiegend von solchen, die zwar aus Oberpleis stammen, aber jetzt z. B. in Bad Godesberg, Berlin oder Unkel wohnen - sehr viele Hinweise zusammen, die von der Redaktion dankbar aufgenommen wurden.
Zur Geschichte des Heiligenhäuschens mit Bildstock in der Mauer des Propsteihofes kann nunmehr folgendes gesagt werden: Um ein Baudenkmal im üblichen Sinne handelt es sich hier wohl nicht. Es ist vielmehr anzunehmen, daß fromme Bürger aus den Resten der nach der Säkularisation (1803) abgerissenen alten Pfarrkirche das Heiligenhäuschen errichteten. Für diese Annahme sprechen die vorhandenen Proportionen: Der Breite des Bogens entsprechend sind die beiden tragenden Rundsäulen zu zierlich und zu niedrig. Betrachtet man sich also diese beiden Säulen, die übrigens sehr schön gehauene Kapitelle aufweisen, und den Rundbogen aus Haustein, so kommt man ohne Schwierigkeit zu dem Schluß -so übrigens auch die Analyse unseres Lesers und gelegentlichen Mitarbeiters Heinz-Fr. Berswordt aus Niederdollendorf - daß das Heiligenhäuschen aus schon vorhandenen romanischen Architekturteilen ohne großes Kunstempfinden zusammengeführt wurde.
Was das Bild im Innern betrifft, so konnte hier erst ab dem Jahre 1912 etwas in Erfahrung gebracht werden. Damals wurde von dem Maler Karl Schmitz (Pleis), dem Bruder des Küsters Heinrich Schmitz aus Oberpleis, das Bildnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geschaffen. Ob es sich dabei um eine Neuschöpfung oder um eine Übermalung handelte, konnte jetzt nicht mehr festgestellt werden.
Eine weitere Ausmalung des Bildstocks nach einer Vorlage des Motivs „Dreifaltigkeit" von Raffael wurde im Jahre 1930 vorgenommen, und zwar von der Künstlerin Tony Bachem-Heinen, einer gebürtigen Oberpleiserin, die diese Tatsache selbst mitteilte und sich freundlicherweise erbot dieses Bild noch einmal kostenlos zu malen, da das jetzige stark verwittert ist.
Hier nun schließt sich der Kreis der Fragen, die in dem Artikel der Siebengebirgs-Zeitung vor gut einem Jahr aufgeworfen wurden. Um es aber nicht bei diesem Ergebnis bewenden zu lassen und gegebenenfalls eine völlige Restaurierung des Heiligenhäuschens zu erreichen, wandte sich die Redaktion an einen kompetenten Helfer in Oberpleis, den Arbeitskreis Heimatkunde.
Der Arbeitskreis Heimatkunde in Oberpleis, dem die Herren Fritz Karl Birkhäuser, Günther Gies, Wilfried Klevers, Willi Niewel, Theo Nüchel, Karl-Heinz Pohle und Willi Weber angehören, ist in seiner Art ein wohl etwas unorthodoxer Zusammenschluß von Männern, die sich auf Grund ihrer Einstellung nicht so leicht in ein Vereinsschema pressen lassen, da sie ohne die sonst üblichen Regularien wie Vorstand, Satzungen und dql. auskommen. Aber die erzielten Erfolge und die geleistete Arbeit in Richtung auf die Erhaltung und Pflege der heimatlichen Kulturdenkmäler und die Inangriffnahme aller damit zusammenhängenden Fragen geben der Idee des Arbeitskreises recht. Die jährlich von diesem Kreis veranstaltete heimatkundliche Rallye um den Pokal der Siebengbirgs-Zeitung, wie auch heimatkundliche Wanderungen, Fahrten und Ausstellungen zeugen von einer regen Tätigkeit im Sinne der Heimatpflege.
Was lag also näher, als die weiteren Unternehmungen in Sachen Heiligenhäuschen in die Hände des Arbeitskreises Heimatkunde zu legen. Das geschah den auch vor etlichen Monaten, und mittlerweile kann eine Zwischenbilanz gezogen werden: Auf Betreiben der Mitglieder des Arbeitskreises wurde in zeitweiliger Zusammenarbeit mit der Kolpingsfamilie mit den Abdichtungsarbeiten begonnen, die in der nächsten Zeit vom Arbeitskreis abgeschlossen werden. Auch wurde die Restaurierung des abschließenden Eisengitters vor dem Bildstock in die Wege geleitet, ebenso Kontakt aufgenommen mit Frau Tony Bachem-Heinen bezüglich des zu malenden Bildes.
Für die Restaurierung der denkmalswerten Bauteile wie Rundsäulchen und Kapitelle muß aber der Landeskonservator zugezogen werden, und ein auf Betreiben des Arbeitskreises erstellter Kostenvoranschlag von über 2000, DM liegt ihm mittlerweile vor.
Jetzt aber, beim gegenwärtigen Stand der Dinge, beginnen sich für den Arbeitskreis Heimatkunde die Schwierigkeiten abzuzeichnen. Es ist nämlich nicht anzunehmen, daß vom Landeskonservator der volle Betrag von über 2000 ,- DM bewilligt wird. Für diesen Fall müßte der Arbeitskreis den restlichen Betrag aus Eigenmitteln finanzieren, die erst durch eine Spendenaktion zusammengebracht werden müßten.
Aus diesem Grunde und für den guten Zweck bittet der Arbeitskreis Heimatkunde um Geldspenden auf sein Konto bei der Raiffeisenbank in Oberpleis. Es wäre ein schöner Abschluß der „Aktion Heiligenhäuschen" gewährleistet, wenn es den Mitgliedern des Arbeitskreises Heimatkunde gelingen würde, mit Hilfe des Landeskonservators und der Bürgerschaft hier einen vollen Erfolg zu erzielen. Bg.
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