Bürgerverein Königswinter-Ost bietet Gelegenheit für Selbsthilfe - Kommunale Probleme sollen auch von den Bürgern mitgelöst werden.

Aufnahme: 1975

Bürgerverein Königswinter-Ost bietet Gelegenheit für Selbsthilfe - Kommunale Probleme sollen auch von den Bürgern mitgelöst werden.

Der Bürgerverein Königswinter-Ost veröffentlichte in diesen Tagen eine 15-seitige Dokumentation des Vereins und über die Entwicklung des östlichen Stadtgebietes.

In dieser Dokumentation heißt es, daß gegenwärtig in den zum Bürgerverein Königswinter-Ost  zählenden Ortschaften 500 Bürgerinnen und Bür­ger wohnen. Seit 1971 ist der erhebliche Bevölkerungsanstieg spürbar­ zurückgegangen.

Der Bürgerverein wurde 1971 ge­gründet. Bereits nach dreijährigem Bestehen ist jeder Dritte Mitglied des Vereins. Die Verantwortlichen  können stolz auf diese Zahlen sein. In der Dokumentation  wird der Wunsch geäußert, daß  der Bürgerverein, weil  aus den Gebieten Sand, Bennerscheid, Waschpohl und Pützstück kein Stadt­verordneter entsandt werden konnte, Stimmrecht im Sinne eines sachkundigen Bürgers erhält.

Der Bürgerverein sieht es als seine Hauptaufgabe an, seinen Mitgliedern und allen Bürgern die Gelegenheit zu geben, im Rahmen der Selbsthilfe an der Lösung der kommunalen Probleme in  ihrem Bereich mitzuwirken.

Das große  Interesse der  Mitglieder an der Vereinsarbeit hat  gezeigt, daß sie ein neutrales Forum suchen, in dem sie diese Probleme ansprechen und diskutieren können. Lösungsmöglichkeiten werden dann eher gefunden. Auch die heute überall zu beobachten­de Isolierung des Einzelnen von der Gemeinschaft kann gemildert werden, sofern ihm Gelegenheit zu Kontakten geboten wird.

Im weiteren Verlauf der Dokumentation wird von der vereinsinternen Arbeit, wie Ausflugsfahrten, Altenfeste, Nikolausfeiern und Bildersuchfahrten  berichtet.

Seit Jahren wurden die Bürger durch wilde Müllkippen und einer zunehmenden Verschmutzung der Landschaft belästigt. Im Rahmen jährlicher Reini­gungsaktionen, die der Bürgerverein Königswinter-Ost in eigener Regie veranstaltet hat, ist dieses Problem gelöst worden. Die Verschmutzung der Ortsteile durch den sogenannten Wohlstandsmüll wurde praktisch be­seitigt, und die Wiesen- und Waldgebiete haben ihren ursprünglichen Charakter wieder erhalten. Die Neuver­schmutzung ist relativ gering.

In regelmäßigen Zusammenkünften mit den Bürgervereinen von Berghausen, Oberpleis,  Eudenbach und Uthweiler werden kommunale Themen besprochen und Maßnahmen eingeleitet. Aufgrund der Arbeitsgemeinschaft mit diesen Bürgervereinen konnte ein wesentlicher Beitrag zum „Tod" der Schnellbahnstrecke geleistet werden; ferner ging es um die Verbesserung von Sportstätten und um Maßnahmen gegen den Bau einer beweglichen Bitumenmischanlage in Willmeroth.

Besonders erfreulich ist die immer interessiertere  Mitarbeit der Jugendgruppe, die sich dem Bürgerverein Königswinter-Ost lose angeschlossen hat und ein äußerst reges Interesse an der Vereinsarbeit zeigt. Darüber hinaus jedoch hat sich erfreulicherweise gerade diese Jugend der Brauchtumspflege angenommen.

Vor Gründung des Bürgervereins wurde das Denkmal an der Oberpleser Straße von einigen Bürgern gepflegt. Diese Aufgabe hat seit 1972 der Bürgerverein übernommen. Durch Sammelaktionen und beträchtliche Eigenleistung wurden an der Denkmalanlage bestehende Schäden beseitigt und eine allgemeine Renovierung durchgeführt. Durch das Aufstellen von zwei Ruhebänken sowie einer ständi­gen gärtnerischen Betreuung der Anlage ist das Denkmal zu einem Blick­punkt geworden.

Gleich zu Beginn der Arbeit des Bürgervereins gelang es, die unklaren Verhältnisse hinsichtlich der Abrech­nung der Kanalerschließung in Bennerscheid ins Reine zu bringen.

Das Aufstellen von zehn Ruhebänken, die besonders von den älteren Mitbürgern und Erholung suchenden Menschen benutzt werden, wurde dem Bürgerverein durch einen Zuschuß der Stadt erleichtert. Der größere Teil der Aufwendungen wurde jedoch vom Verein selbst getragen, wobei einige Mitglieder eine nicht unbeachtlich Zahl von Arbeitsstunden für die Her-­ und Aufstellung dieser Bänke aufge­wendet  haben.

Im Rahmen dieser Maßnahme hat der Bürgerverein begonnen, zur Verschönerung der Ortsbilder durch Aufstellen von Blumenkästen beizutragen.

Die Verbesserung der Straßen- und Verkehrsverhältnisse ist Gegenstand laufender Kontakte mit der Verwaltung. Sowohl auf die für die Ableitung des Oberflächenwassers notwendige Reinigung der Straßengräben als auch auf die Anlage einer ausreichenden Beleuchtung ist die Verwaltung vom Bürgerverein teilweise mit Erfolg hingewiesen worden.

Durch konkrete Vorschläge hat der Bürgerverein dazu beigetragen, daß eine Verbesserung der Busverbindungen seit einigen Monaten eingetreten ist.

Ein bisher nicht gelöstes Problem stellen die Verkehrsverhältnisse auf dem durch Königswinter-Ost führen­den Teil der L 330 dar. Durch die Entwicklung des Ortsteiles Bennerscheid hat die Benutzung dieses gehweglosen Straßenstückes als Schulweg und als Weg zum Kindergarten Sandscheid ein Aus­maß angenommen, das eine verkehrstechnische Sicherung der Fußgänger, insbesondere der Schulkinder, schon seit geraumer Zeit dringend erforderlich macht. Erschwerend kommt hinzu, daß diese bisher schon durch den Schwerlastverkehr stark benutzte Straße seit einigen Monaten Umleitungsstrecke für die Bundesautobahn geworden ist.

Zuständig für diese Landstraße ist das Landesstraßenbauamt Bonn, das sich erst im Zuge des Ausbaues der Umgebung von Oberpleis, wahrscheinlich 1977, in der Lage sieht, dort Abhilfe zu schaffen. Trotz intensiver und schon längere Zeit andauernder Bemühungen hat der Bürgerverein noch kein besseres Ergebnis erzielen können. Die Verwaltung hat sich hinter die Forderungen des Bürgervereins gestellt und bereits zwei Schreiben an die zuständigen Stellen losgelassen. Doch das dürfte wohl nicht genügen. Nach Meinung des Bürgervereins dürfte die Stadt diesen ungesicherten Schulweg als Schulträger nicht länger hinnehmen. ST.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 9 vom 28.02.1975; Text: Günter Steeg
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