Abgebildete Personen
Aufnahme: 1974
25 Jahre VdK Oberpleis
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
„In allerschwerster Zeit, nach dem verlorenen Kriege, in der Zeit größter Not, wo klares Denken scheinbar abhanden gekommen war, haben die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen von Oberpleis sich am 1. November 1949 zusammengefunden und den Ortsverband des VdK mit 26 Mitgliedern gegründet. Die Not der Kriegsbeschädigten war immer größer geworden. Tatkräftige Hilfe musste gegeben werden." Mit diesen Worten leitete Georg Aretz, seit 25 Jahren Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Oberpleis, im Saale Bellinghausen seine Festrede anlässlich des silbernen Jubiläums des Ortsverbandes ein. Viele Gratulanten sprachen die allerherzlichsten Glückwünsche aus. Den Reigen der Gratulanten eröffnete der Kreisvorsitzende des VdK, Karl Pflug. Er würdigte vor allem die Initiative des Vorsitzenden, der den Verband gegründet und ihn seit dieser Zeit auf dem Gebiete des VdK-Siedlungswerkes vorbildlich geleitet hat. „Mit diesen Bauwerken im Oberpleiser Raum hat sich Georg Aretz bereits zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt."
Bürgermeister Hank dankte Georg Aretz für seine Arbeit, sprach aber dem gesamten Ortsverband den Dank des Rates und der Verwaltung aus. „Mit dieser Gründung haben Sie sich vor 25 Jahren selber geholfen, wo andere nicht mehr helfen konnten." Hank überreichte Georg Aretz einen Scheck in Höhe von 200 DM und Frau Aretz ein Blumenangebinde. Alle übrigen Redner würdigten ebenfalls die Arbeit des VdK Oberpleis mit dem sehr rührigen Vorsitzenden Georg Aretz. Glückwünsche sprachen die Vertreter der Parteien sowie der neue evangelische Pfarrer von Oberpleis, Wiedner, und der Vorsitzende des Stadtverbandes des VdK, Georg Kölln, aus. Zu den weiteren Gästen des Abends gehörten auch Beigeordneter Erich Lichtenberg, stellvertretender Bürgermeister Heinrich Klümpers, Herr Holzgräbe vom Landesverband des VdK und Karl Kruse, Geschäftsführer des Kreisverbandes des VdK.
Viele Ehrungen wurden an diesem Abend ausgesprochen. Die höchste Ehrung widerfuhr dem Vorsitzenden selber. Ihm überreichte Herr Holzgräbe die Ehrenplakette des Landesverbandes, die höchste Auszeichnung, die der Landesverband zu vergeben hat. Auch von der Ortsgruppe wurde Georg Aretz geehrt. Vorstandsmitglied Wilhelm Schild überreichte ihm als Gründermitglied und seit dieser Zeit Vorsitzender die Treuenadel. Georg Aretz verlieh dann seinen Gründermitgliedern das goldene Ehrenzeichen. „Goldträger" wurden Paul Behr, Maria Flink, Johann Hillen, Clemens Schultes, Heinrich Otto, Josef Vogt, Adolf Klein und Elisabeth Düppenbecker. Umrahmt wurde die Feierstunde durch Gesangsvorträge des Gemischten Chores Thomasberg unter der Leitung von Peter Zens. Am Abend trafen sich Gäste und Mitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein mit Tanz und Unterhaltung. Hans Remig führte durch das Programm. Dabei wurde ein Imbiss serviert.
Dem Festakt vorausgegangen war am Ehrenmal eine Kranzniederlegung durch den Vorstand des VdK. Versammlungsleiter bei der Gründungsversammlung vor 25 Jahren war der heute 82 Jahre alte Matthias Walgenbach, Kreisvorsitzender des VdK. Er sprach auch beim Jubiläumskommers lobende Worte über den Vorsitzenden. Zum 2. Vorsitzenden wurde vor 25 Jahren Johann Kolter gewählt, der inzwischen aber verstorben ist. Als Kassierer wurde Heinrich Otto eingeführt, der dieses Amt bis heute ebenfalls ununterbrochen ausübt. In der der Gründungsversammlung folgenden ersten Versammlung wurde Willi Schild zum ersten Schriftführer gewählt. Nach der Gründung wurden ein wöchentlicher Sprechtag im Lokal Bramkamp abgehalten, Versorgungs- und Sozialfälle bearbeitet. Diese Arbeit gestaltete sich sehr schwierig, weil nicht alle dem VdK gegenüber freundlich gesonnen waren. Bald jedoch wurde das segensreiche Wirken des Ortsverbandes anerkannt. Der Ortsverband, der politisch und konfessionell neutral ist, fand durch sein Tätigwerden bald auch bei den Behörden Anerkennung und Unterstützung.
409 Mitglieder hat der Verband bis zum heutigen Tage zu betreuen gehabt. Die Mitgliederzahl beträgt heute 210 Kriegsopfer. Georg Aretz betrachtete vor vielen Jahren die Flüchtlinge als Kriegsopfer und sorgte auch für diesen Personenkreis, damit diese Leute bald eine würdige Unterkunft erhielten. Heute wohnen allein über 400 Familien oder Alleinstehende in Wohnungen des VdK. Die Finanzierung war vielseitig. U. a. wurden auch Gerichtsbußgelder dazu verwandt. Die ersten Häuser hatten 500 Kubikmeter umbauten Raum und waren aufgeteilt in eine Hauptwohnung und eine Einliegerwohnung mit 600 qm Landzugabe. George Aretz baute aber auch Wohnungen im gesamten Lande Nordrhein-Westfalen. Auf dem Heldenfriedhof in Ittenbach liegen auch viele Jugendliche Soldaten. Da auch heute wieder 18jährige zur Bundeswehr eingezogen werden, sprach Georg Aretz in seinem Rückblick die Hoffnung aus, dass der Herrgott diese Soldaten schützen möge und dass kein Ernstfall eintrete. Der VdK habe mitgeholfen, dass die überall begraben liegenden Gefallenen des letzten Krieges auf diesem Sammelfriedhof eine würdige letzte Ruhestätte gefunden hätten.
Bis zum Jahre 1969 hat der VdK Weihnachtsfeiern in der feierlichsten Form veranstaltet. Alle Kinder wurden mit Süßigkeiten, Kleidungsstücken und praktischen Geschenken bedacht. Alte und Kranke erhielten ebenfalls zu Weihnachten ein Paket. Selbst in die Ostzone wurde alljährlich ein großes Paket an einen unbekannten bedürftigen Schwerkriegsbeschädigten zum Versand gebracht. Von 1950 ab wurde jedes Jahr ein ganztägiger Familienausflug unternommen. Diese Fahrten erfreuen sich noch heute allergrößter Beliebtheit. Zu den Erfolgen des örtlichen VdK gehören auch die Gewährung von Kuren, Erholungsurlaub, Unterstützungen und Befreiungen von Rundfunkgebühren. Aretz schloss seinen Jubiläumsrückblick mit dem Leitwort: „Kameraden in der Not, Kameraden im Tod, Kameraden im Rücken, das sind feste Brücken."
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