Peter Schurff ist Erster Vorsitzender des neu gegründeten Bürgervereins Oberpleis

Aufnahme: 1971

Peter Schurff ist Erster Vorsitzender des neu gegründeten Bürgervereins Oberpleis

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

In Oberpleis wurde endlich ein Bürgerverein gegründet

„Es ist eine Unzumutbarkeit größten Ausmaßes"

Was die einzelnen Ortsteile der neuen Stadt Königswinter längst vollzogen haben, ist nun auch in Oberpleis wahr geworden: Es wurde ein Bürgerverein gegründet. Damit haben die Oberpleiser endlich begriffen, dass die Gründung einer solchen Vereinigung keine Modeerscheinung, sondern dringendes Gebot der Stunde ist. Zu der Gründungsversammlung am vergangenen Sonntag hatte eine Gruppe Oberpleiser Bürger die Bevölkerung von Oberpleis, Eisbach, Herresbach, Frohnhardt, Boseroth, Hasenboseroth, Auel und Weiler eingeladen, und trotz Urlaubszeit und herrlichem Sommersonntagswetter waren etwa 300 bis 350 Bürger im Saale Bellinghausen erschienen. Nach der Eröffnung und Begrüßung der Versammlung durch Peter Schurff erläuterte Stadtverordneter Anton Uelpenich (FDP) kurz den Sinn und Zweck eines Bürgervereins.

Durch die kommunale Neuordnung, meinte Anton Uelpenich, seien sieben frühere selbstständige Gemeinden zusammen in einen Topf geworfen worden. Durch die unterschiedliche Struktur und die Mentalität der Menschen zwischen Berg und Tal tauchten Probleme auf, die so schnell nicht zu lösen seien. Zwar wolle der Stadtrat für die Gesamtheit der Stadt nur das Beste, doch ließen sich die Wünsche und Vorstellungen der einzelnen Stadtteile nicht immer unter einen Hut bringen. Um die Interessen von Oberpleis vor den Behörden nachdrücklich durchzusetzen, sei es unbedingt notwendig, einen Bürgerverein zu gründen. Der einzelne Bürger sei machtlos, nur die Gemeinschaft als Ganzes könne etwas erreichen. Kreistagsabgeordneter Josef Neuhöfer (CDU) erklärte in seinen anschließenden Worten, dass der Bürgerverein nicht die Aufgabe habe, sich gegen den Rat und die Verwaltung zur Wehr zu setzen, sondern ein Bürgerverein habe doch ausschließlich den Sinn, eine Stütze für die gewählten Vertreter im Stadtrat zu sein. Für einen Stadtverordneten sei es beruhigend und ermutigend, wenn er einen Bürgerverein mit 1000 und mehr Mitgliedern hinter sich wisse, deren Willen und Wünsche er kenne. Er brauche dann nicht mehr „einsame Beschlüsse" zu fällen.

Zum Schluss betonte Neuhöfer, er freue sich, dass in Oberpleis endlich von seiten der Bürger etwas mehr Initiative gezeigt werde, denn bisher hätten sich die Oberpleiser recht lahm und unaktiv gezeigt. Alsdann erfolgte die Wahl des Vorstandes. 1. Vorsitzender wurde der 61jährige allseits beliebte Oberpleiser Bürger Peter Schurff, 2. Vorsitzender: Werner Schulz, Kassierer: Klaus Schol, Schriftführer: Frl. Brigitte Hoffmann. Beisitzer wurden Christian Winterscheid, Frohnhardt; Karl Buhr, Boseroth; Gustav Susdorf, Weiler; Heinz Badeberg, Eisbach; Peter Pennig, Herresbach; Helmut Reuter, Oberpleiser Unterdorf; Matthias Müllenholz Hasenboseroth. Damit wurde ein politisch völlig neutraler Vorstand gewählt. Im Anschluss an die Wahl des Vorstandes entspann sich eine lebhafte Diskussion, als Vorsitzender Peter Schurff auf den Hauptgrund der einberufenen Versammlung, die Kanalsatzung und die Kanalanschlussgebühren der Stadt, hinwies. „Es ist eine Unzumutbarkeit größten Ausmaßes", erklärte Schurff, „dass man von Seiten der Stadtverwaltung so vorgeht, wie das jetzt geschehen ist.

Was ich gegen die Gebührenbescheide, die uns in den letzten Wochen zugesandt wurden oder noch werden, vorzubringen habe, ist die Art und Weise, wie man mit den Bürgern umgeht, die solche horrende Summen zahlen sollen. Ich kenne z. B. einen Fall: Ein Rentner mit DM 543,90 monatlicher Rente bekommt einen Bescheid von 6 002,- DM, zu zahlen innerhalb von vier Wochen. Ich frage Sie, wenn dieser Rentner diese Summe aufbringen müsste, wie er das machen soll? Welches Bankinstitut wird einem solchen Mann einen Kredit gewähren, wo sie weiß, dass er niemals in der Lage sein wird, überhaupt nur die Zinsen zurückzahlen zu können." Peter Schurff rief die Versammlungsteilnehmer auf, nach Eingang des Gebührenabgabenbescheides sofort Widerspruch bei der Stadt einzureichen und zwar in schriftlicher Form und per Einschreiben. Der Vorstand des neugegründeten Bürgervereins werde in Kürze bei der Stadtverwaltung vorstellig werden und dort versuchen, eine Einigung hinsichtlich der unbilligen Härtefälle, die die Kanalsatzung heraufbeschworen hat, zu erreichen. Gelänge dies nicht, so müsse man eben Verwaltungsjuristen zu Rate ziehen.

Zum Schluss der Versammlung brachte Peter Schurff noch einmal seine Freude über die große Zahl der Versammlungsteilnehmer zum Ausdruck. "Aber", so erklärte er, "es darf diesem Bürgerverein, der aus der Not heraus geboren wurde, nicht so ergehen, wie das meistens in Oberpleis der Fall ist, zuerst wird etwas groß aufgezogen, versickert aber spätestens in zwei Jahren im Sande." Er kündigte eine weitere Versammlung an, die in Kürze stattfinden soll, auf der dann der Vorstand ein festes Programm und einen Satzungsentwurf vorlegen wird. Fazit der Bürgerversammlung: Erfreulich das neu erwachte Interesse der Bürger von Oberpleis, sich zu einer Gemeinschaft zusammenzufinden (oder war hier nur die Sorge um den eigenen Geldbeutel maßgebend?); enttäuschend für den Vorstand: von ca. 350 Versammlungsteilnehmern gaben nur 110 ihre Beitrittserklärung ab. Was nützt da der gute Wille, wenn dem Wort nicht die Tat folgt. Nun, wir wollen hoffen, dass die Bevölkerung erkennt, dass nur Einigkeit und Geschlossenheit stark machen und noch möglichst viele dem neuen Bürgerverein beitreten werden. Wi.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr.30 vom 23. 07.1971
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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