Aufnahme: 1971
Schulzentrum Oberpleis nimmt Gestalt an
"Oberpleis wird in einigen Jahren ein Dorado der Schüler sein. So jedenfalls sehen es die Planer, und darauf hoffen die Eltern. Denn derzeit liegt noch manches im Argen. Hauptschüler gehen in Klassen, deren Decken mit Balken abgestützt werden müssen, in der neuen Real-schule drängeln sich auch die Gymnasiasten, und auch bei den Grundschülern gibt es manchen Anlass zur Klage — und das, obwohl seit Jahren immer neue Schulen entstanden. Geht man heute zur Mittagszeit bei Schulschluss durch Oberpleis, so könnte man leicht glauben, dieser Stadtteil habe nur Schüler zu Einwohnern. Stadtrat und Verwaltung sind sich längst darin einig: Unsere Kinder sollen auch in gute Schulen gehen. Deshalb will man nun Nägel mit Köpfen machen. Zwischen der Real- und der Hauptschule soll das Oberpleiser Schulzentrum entstehen, genau zwischen der Dollendorfer Straße, dem Weilerweg und der Straße Im Wiesengrund, etwa in einem Halbkreis zwischen jetziger Realschule und Mathilden-heim. Und es ist nicht wenig, was hier geplant wird. Auf diesem Gelände sollen nicht nur eine dreizügige Realschule und ein dreizügiges Gymnasium entstehen, sondern auch zwei Groß-Turnhallen, eine Schwimmhalle, Sportplätze und ein sogenanntes Pädagogisches Zentrum mit einem Festsaal für 800 Zuschauer, und zu all diesen Gebäuden gehören natürlich auch noch eine Menge Verwaltungsräume.
Vor wenigen Tagen fanden sich die Mitglieder des Hauptausschusses und des Schul- und Kulturausschusses der Stadt Königswinter im Sitzungssaal des Oberpleiser Rathauses zu einer Sondersitzung zusammen, die erstmals auch der Öffentlichkeit zugänglich war. Architekt Dr. Arne Straßberger aus Bonn erläuterte in dieser Sitzung anhand von Zeichnungen und einem Modell den Vorentwurf für die Planung des Schulzentrums Oberpleis. Die Mitglieder der beiden Ausschüsse diskutierten die Pläne, gaben zahlreiche Anregungen und stimmten schließlich dem Vorentwurf einstimmig zu. Damit sind nun die Weichen für die endgültige Planung gestellt. Im Laufe des Jahres 1976 soll das Schulzentrum fertiggestellt sein, wenn alles vorangeht wie geplant. Dann werden die Schüler des Gymnasiums eine eigene Schule haben, die Realschüler werden eine neue Schule beziehen können, und die Hauptschüler sollen in das dann frei werdende Gebäude der jetzigen Realschule einziehen und schließlich wird dann auch Platz für die Grundschüler. Wenn die Planer recht haben, wird es dann zu Ende sein mit den Schulbausorgen im Raum Oberpleis. Allerdings sind die Kosten, die die Stadt Königswinter dafür aufzubringen hat, nicht eben gering.
Bei einem Bauvolumen von 65 500 Kubikmeter für das staatliche Gymnasium 1 mit der Sporthalle und einem Bauvolumen von 50 000 Kubikmeter für die städtische Realschule einschließlich Sporthalle und Hallenschwimmbad rechnet man mit einem Kubikmeterpreis von 300 DM. Das bedeutet, dass die Gesamtkosten sich auf rund 34,61 Millionen DM belaufen würden. Davon trägt das Land zwar den größeren Teil, die Stadt Königswinter aber muss etwa 115 Millionen DM aus dem Stadtsäckel finanzieren. Das ist kein kleiner Batzen. Das Oberpleiser Schulzentrum wird in additiver Form errichtet. Das heißt, die einzelnen Schulen sind nebeneinander gestellt. Sie sind zwar in gewisser Weise einander zugeordnet, jede bleibt aber für sich gesehen selbstständig und mit eigener Leitung. Die SPD/ FDP-Fraktion im Stadtrat hatte zwar den Bau einer integrierten Gesamtschule verlangt. Sie hatte jedoch der Zukunft vorgegriffen, denn eine solche Gesamtschule kann derzeit nur als Schulversuch eingerichtet werden. Wenn diese Möglichkeit aber überhaupt bestanden hätte, so würden die Schulen in Oberpleis erst in viel späterer Zeit fertiggestellt werden können. Man verzichtete deshalb auf Planung und Bau dieses Schulmodells, dem nach Ansicht vieler Fachleute doch einmal die Zukunft gehören wird. Allerdings wird das Schulzentrum Oberpleis so geplant, dass ein Übergang zur Gesamtschule unschwer möglich sein kann.
Im Übrigen, so erläuterte Architekt Dr. Straßberger in der Sondersitzung, sei das Raumprogramm im einen wie im anderen Falle das gleiche. Auch bei totaler Zusammenfassung könne so oder so kein Raum eingespart werden. Heiße Diskussionen zwischen den Beteiligten löste die Weigerung des Landes aus, eine Gesamtplanung für staatliches Gymnasium und städtische Realschule vorzusehen. Das Land besteht auch weiterhin darauf, 'sein' Gymnasium in eigener Regie zu planen und zu bauen. Man stellte der Stadt Königswinter anheim, den Bau des Gymnasiums selbst zu finanzieren. Diese Möglichkeit stand und steht natürlich außer Frage.
Das Land, in Form des Düsseldorfer Schulkollegiums und der Bezirksregierung in Köln, beauftragte den Bonner Architekten Dr. Straßberger, die Stadt Königswinter das Kölner Architekturbüro Zens. Auf Wunsch der Stadt Königswinter kam es zu einer Arbeitsgemeinschaft der beiden Architekturbüros, die sich bisher sehr gut bewährte. Die jetzt vorliegenden Pläne, die noch kleinere Änderungen erfahren können, sehen eine dreizügige Realschule vor, mit der Erweiterungsmöglichkeit auf vier Züge. 18 Stammklassen sollen gebaut werden sowie Demonstrations-räume für die naturwissenschaftlichen Fächer, Vorbereitungsräume, Arbeitsräume für Werken, Materialräume, eine Küche, ein Speiseraum, ein Waschraum, ein Musikraum und ein Sprachlabor, dazu die Verwaltungsräume für Schulleiter und Lehrer. Das Gymnasium ist ebenfalls dreizügig geplant mit der Erweiterungsmöglichkeit auf vier Züge. Auch hier sind 18 Stammklassen sowie zahlreiche Fach- und Nebenräume vorgesehen. Auch hier wird ein eigener Verwaltungstrakt zugeordnet sein. Sowohl die Realschule als auch das Gymnasium erhalten je eine Großturnhalle, deren benutzbare Spielfläche 27 x 45 Meter beträgt. Die Turnhallen sollen in drei Übungsräume unterteilt werden können. Einer soll ausziehbare Tribünen mit 560 Plätzen erhalten. Von ganz besonderem Interesse — nicht nur für die Schüler — wird die Schwimmhalle sein, die ein Becken in der Größe 10 x 25 Meter erhalten wird. Außerdem soll ein Lehrschwimmbecken in der Größe von 8 x 12,5 Meter gebaut werden. 20 Wechselkabinen sowie Duschen und Toiletten sind vorgesehen. An den Kosten für die Schwimmhalle wird sich das Land allerdings nicht beteiligen, jedoch hofft die Stadt auf Mittel aus der Sportförderung. Einigen Ausschussmitgliedern schien die Schwimmhalle zu klein geraten. Architekt Dr. Straßberger meinte jedoch, dass ein 50-Meter-Becken den Rahmen des Möglichen sprengen würde. Auch reiche dafür der zur Verfügung stehende Raum nicht aus. Es sei schließlich nicht ganz leicht, alle Bauten auf den dafür vorgesehenen Grund-stücken unterzubringen.
Diskussionen gab es in der Sondersitzung über die Art der Dächer der Sporthallen. Dr. Straßberger sprach sich dafür aus, nur künstliche Beleuchtung vorzusehen. Das erspare Kosten, denn auch bei einer natürlichen Beleuchtung müsse eine vollständige Kunstbeleuchtung angebracht werden. Verschiedene Ausschussmitglieder argumentierten jedoch, dass eine natürliche Beleuchtung besser sei. Die alle Schulen verbindende Mitte soll das Pädagogische Zentrum sein. Es soll Veranstaltungen aller Art dienen, nicht nur schulischen, sondern auch Zwecken des Volksbildungswerkes. Ein großer Saal soll 800 Zuschauern Platz bieten. Dieser große Saal wird aber auch in drei kleinere Abschnitte unterteilt werden können. Diesen Saal hatten die Architekten Dr. Straßberger/Zens ursprünglich als regelrechten Theaterraum geplant. Nach den Einsprüchen aus der Mitte des Stadtrates und der Verwaltung blieb ein einfacher Raum übrig, der erst für Theaterveranstaltungen hergerichtet werden muss und keine Bühne besitzt. Von einem. Ausschussmitglied wurde in der Sondersitzung darauf hingewiesen, dass diese Entwicklung sehr zu bedauern sei und im östlichen Stadtteil so eine große Chance vertan werde, zu einem theatergerechten großen Saal zu kommen. Die Entscheidung zum Verzicht wird hier allerdings verständlich, wenn man aus dem Munde von Stadtdirektor Schmitz in der Sondersitzung erfahren muss, dass für einen derartigen Ausbau dieses Saales vier bis fünf Millionen DM erforderlich seien. Trotzdem muss man die Frage aufwerfen, ob diese Entscheidung nicht schon bald bedauert werden wird, dann allerdings wird es wohl zu spät sein.
Das Pädagogische Zentrum soll im übrigen Bindeglied und Begegnungsstätte für die drei im Schulzentrum zusammengefassten Schulsysteme Gymnasium, Real- und Hauptschule sein. Ihm sollen deshalb auch die Bibliotheksräume und die Musikzimmer zugeordnet werden. Mit der Fertigstellung des Schulzentrums werden sich schwierige Verkehrsprobleme ergeben. Ein Ausschussmitglied errechnete, dass wenigstens 12 Busse gleichzeitig oder doch kurz nacheinander am Schulzentrum anfahren werden. Dazu ist eine Strecke von rd. 250 Meter notwendig. Ursprünglich hatten die Architekten geplant, um das Schulzentrum herum eine Straße anzulegen für die Busse. Das würde allerdings hohe Straßenbaukosten für die Stadt erfordern. Falls man die Busse auf der Dollendorfer Straße an- und abfahren lässt, müssen — so meinten Ausschussmitglieder — Haltebuchten vorgesehen werden, da die Busse zur Zeit den Verkehr auf dieser Hauptstraße behindern. Auch das sind Probleme, die noch geklärt werden müssen. Ein besonderes Problem für die Architekten ist das hängige Gelände, auf dem das Schulzentrum errichtet werden soll. Dr. Straßberger erwähnte, dass Höhenunterschiede bis zu zehn Meter eingeplant werden müssen.
Die Planung für das Schulzentrum soll so schnell wie möglich durchgezogen werden. Die Planungszeit wurde bereits von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Die Pläne sollen bis Mitte Januar nächsten Jahres fix und fertig sein. Mit dem Baubeginn rechnet Dr. Straßberger für den Herbst nächsten Jahres. 'Wenn alles gut geht, können wir in drei Jahren fertig sein', meinte er. Man müsse allerdings Schwierigkeiten bei dem hängigen Gelände voraussehen. 'Da sind blaue Wunder drin', erklärte der Architekt. Da nicht in Bauabschnitten gebaut werden kann, sondern der Bau des gesamten Projekts von der Planung her gesehen sukzessive von Ost nach West fortschreiten wird, muss zunächst mit dem Bau des Gymnasiums begonnen werden. Somit wird das Stadtsäckel im kommenden Jahr noch geschont werden. Spatestens 1976 aber wird sich die Stadt Königswinter rühmen können, in Oberpleis ein vorbildliches Schulzentrum erstellt zu haben, dass allen Schülern eine optimale Ausbildung gewährleisten kann."
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