Aufnahme: 1971
Bürgerverein für Sand, Bennerscheid, Pützstück und Waschpohl wird gegründet - Dr. Andersen zum Wahlleiter gewählt
In Sand, Pützstück, Bennerscheid und Waschpohl wird es in Kürze ebenfalls wie bereits in anderen Königswinterer Stadtteilen einen Bürgerverein geben. Mit Mehrheit, nicht einstimmig, beschlossen etwa 50 Einwohner der genannten Ortschaften in der Gaststätte Quick in Sand die Gründung eines Bürgervereins. Die Versammlung wurde geleitet von Gottfried Pietzsch. Er nannte den Bestand eines solchen Vereins lebensnotwendig für die Bewohner der genannten Ortschaften. „Jeder braucht des anderen Hilfe." Der Bürgerverein kann gewisse Probleme bei der Stadt Königswinter besser vorbringen als einzelne Personen. Nach den Worten von Pietzsch habe es aber wenig Zweck, einen Verein zu gründen, um einen Verein zu haben und dann nichts mehr zu tun. Dann solle man lieber unerledigt wieder nach Hause gehen. Danach aber nahm die Versammlung eine Wendung, die nicht erwartet worden war. Dr. Peter Andersen sah der Gründung eines Bürgervereins skeptisch entgegen. Er war der Ansicht, daß man gewisse Sachprobleme bei der Stadt auch ohne einen Bürgerverein vorbringen könne. Wenn eine Interessengemeinschaft eine Forderung an die Stadt erheben würde, würde ein entsprechendes Schriftstück mit einigen Unterschriften ebenfalls bei der Stadt bearbeitet werden. Der Auffassung von Dr. Andersen schloß sich Bernd Oelgarth an. Beide lehnten einen Bürgerverein ab und plädierten für eine Interessengemeinschaft.
Ratsherr Koll von der Königswinterer UBG bat die Anwesenden, doch auf jeden Fall einen Bürgerverein zu gründen. Aus der Sicht der Stadt her sei ein Bürgerverein stärker als eine lose Interessengemeinschaft. Nach Kolls Ansicht käme eine Bitte oder Forderung einer Interessengemeinschaft bei der Stadt nicht zum Tragen. Die Sorgen der Bewohner der Randgemeinden seien groß und deshalb die Gründung eines Bürgervereins unumgänglich. Er, Koll, habe bereits ohne die Gründung des Bürgervereins einen Antrag an die Verwaltung gestellt, im Interesse der Schulkinder in den genannten Gemeinden die Straßen- und Beleuchtungsverhältnisse zu verbessern. Koll bat ferner, zu den künftigen Versammlungen des Bürgervereins Ratsherren einzuladen, damit die Bürger über das kommunalpolitische Leben informiert würden. Ferner können sich die Ratsvertreter ein besseres Bild über die Anliegen der Bergbewohner machen, denn dann „bleiben Ihre Anträge nicht nur Seifenblasen". Koll meinte auch im Verlaufe seines Diskussionsbeitrages, daß die Bergbewohner nicht so anspruchsvoll seien. Weiter sagte Koll: „Der Bürgerverein möge seine Anträge möglichst früh stellen, damit sie auch evtl. im laufenden Haushaltsjahr noch Berücksichtigung finden können. Zu spät eingehende Anträge und Forderungen müßten bis zum nächsten Jahr verschoben werden." Hans-Georg Marx meinte: „Ob Interessengemeinschaft oder Bürgerverein. Es kommt doch auf dasselbe hinaus. In erster Linie wollen wir uns mal kennenlernen, uns selbst helfen und selbst etwas tun, ehe wir sagen, wir fordern."
Ratsherr Anton Uelpenich trat ebenfalls für einen Bürgerverein ein und lehnte die Interessengemeinschaft ab. „Bürgervereine sind heute keine Modeerscheinung, sondern eine Notwendigkeit." Es kam dann zu einer erneuten Abstimmung, ob Interessengemeinschaft oder Bürgerverein. Die Mehrheit entschied sich dann doch für den Bürgerverein. Nach dem vorgelegten Satzungsentwurf wird sich der Bürgerverein in das Vereinsregister eintragen lassen und den Namen „Bürgerverein Königswinter-Sand, -Pützstück, -Bennerscheid und -Waschpohl" erhalten. Der Sitz des neuen Vereins ist Sand. Der neue Verein ist überparteilich und konfessionell neutral und soll keinem Verband als Dachorganisation angehören. Stimmberechtigt ist jedes Mitglied. Einmal im Jahr soll eine Mitgliederversammlung einberufen werden und zusätzlich, wenn mehr als 25 % der Mitglieder dies wünschen. Eine Änderung der Satzung kann nur mit einer Mehrheit von 2/3 der Mitglieder erfolgen. Der Vorstand soll aus sieben Personen aus den einzelnen Ortsteilen bestehen. Er soll auf der nächsten Versammlung gewählt werden. Ebenfalls soll dann die Satzung verabschiedet werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat DM 0,50 und ist für ein Jahr im Voraus zu zahlen. Ehegatten sind beitragsfrei. Das Geschäftsjahr beginnt am 1. 11. und endet am 31. 10. Obwohl Dr. Andersen zunächst gegen einen Bürgerverein war, erklärte er sich bereit, die Wahl der Kandidaten für den demnächst zu wählenden Vorstand zu leiten. Vorgeschlagen für den Vorstand wurden die Herren: Löwen, Marx, Pietzsch, Klevers, Weißenfels, Andersen und Augustin. St.
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