Fahrt zu den Hansestädten

Aufnahme: 1971

Fahrt zu den Hansestädten

Mit dem Thema: „Fahrt zu den Hansestädten" kam auch in diesem Jahr wieder eine Studienreise unter Leitung von Frau Gudrun Väth, Leiterin des VBW Oberpleis, zustande. Reisebeginn war Freitag, der 17. September 1971, und Ziel des ersten Tages war die Handels- und Hafenstadt Bremen, wo wir nach einem längeren Aufenthalt in Münster gegen 15 Uhr eintrafen. Da für den nächsten Tag eine ausführliche Stadtführung geplant war, beschloß man den Rest des Tages der persönlichen Gestaltung zu überlassen. Wohl ausgeruht, frisch und wissensdurstig begannen wir am nächsten Morgen die Stadtbesichtigung. Der St. Petri Dom mit Krypta und die Liebfrauenkirche bergen wertvolle Monumente vergangener Jahrhunderte. Das Rathaus mit seinem gotischen Grundbau und der Renaissancefassade sowie der steinerne Roland waren für die Fotoamateure besonders interessante Aufnahmeobjekte. Aber auch den Bremer Stadtmusikanten, dem Schütting (ehemals Gildehaus der Kaufleute, heute Handelskammer), der Böttcherstraße und dem Altstadtviertel Schnoor wurde großes Interesse entgegengebracht und zu den bleibenden Reiseeindrücken eingeordnet. Mit einer Fahrt durch das Teufelsmoor, dem Besuch des Malerdorfes Worpswede mit der Ausstellung berühmter Worpsweder Künstler, wie Paula Becker-Modersohn, Vogeler usw.„ endete der zweite Tag. Trotz des ausgefüllten Tagesprogramms ließen sich viele Mitreisende von einem Konzertbesuch der in Bremen gastierenden französischen Sängerin Mireille Mathieu nicht abbringen.

Schon früh am nächsten Morgen hieß es Abschiednehmen von Bremen. Über Lübeck und die Vogelfluglinie fuhren wir dem zweiten Ziel unserer Reise entgegen. Schon am späten Nachmittag erreichten wir die dänische Hauptstadt, die uns als erstes Gastgeschenk herrliches Wetter überreichte. Die infolge der langen Fahrt aufgekommene Müdigkeit war schnell verflogen, da der Besuch des Tivoli bevorstand, welches an diesem Sonntag zum letzten mal im Jahre 1971 seine Tore geöffnet hatte. Der große Vergnügungspark Kopenhagens bietet jedem Besucher außer gepflegten Parkanlagen gute Restaurants, Pantomime, Ballett, Varieté, Tanz und Feuerwerk.

Nach der vorabendlichen Kostprobe im Tivoli war man zu der Stadtrundfahrt am nächsten Vormittag voller  Erwartung eingetroffen. Wir fuhren in Richtung Hafen. Dort statteten wir der kleinen Meerjungfrau, die in  Andersens Märchen eine Rolle spielt, einen Besuch ab. Man sagt, daß sie die meist­ photographierte Dame Dänemarks ist; in der Tat: kaum ein Besucher nahm seine Kamera nicht zur Hand. Die nächsten Stationen waren: Die Königsresidenz Schloß Amalienborg und das Regierungsgebäude Schloß Christiansborg. Beide Schlösser wurden von der königlichen Wache in den traditionellen Uniformen beschützt. Als besondere Attraktion, nicht nur für Touristen, sondern auch für die Kopenhagener ist die tägliche Wachablösung. Einige hundert Menschen aus vielen Ländern lassen sich dieses Schauspiel nicht entgehen. Inmitten begeistert photographierender Touristen erkennt man Hausfrauen mit Einkaufstaschen und Großväter mit Enkelkindern, die dem Zeremoniell Aufmerksamkeit schenken.

Unser Reisebus startete in östlicher Richtung und schon bald fuhren wir auf einen malerischen Bau in niederländischem Renaissancestil zu. Vor uns befand sich die 1619-40 errichtete Börse mit einem 54 Meter hohen Turm, dessen Spitze die ineinander verschlungenen Schwänze von vier Lindwürmern bilden. Einen fast doppelt so hohen Turm (106 Meter) fanden wir am Rathausgebäude. Gegenstand großen Interesses  war dort die 1955  aufgestellte astronomische Uhr (sog. Weltuhr) des dänischen Uhrmachers Jens Olsen.

Viel zu schnell war der Vormittag vergangen. Nach einem typisch dänischen Mittagessen entschieden sich fast alle, die Stadt zu Fuß zu entdecken. So war der Zufall nicht selten, daß man des Öfteren ein wohlbekanntes Gesicht in einer fremden Menschenmenge erkannte. Um den persönlichen Wünschen einzelner Reisemitglieder nachzukommen, fuhren wir am nächsten Vormittag noch einmal durch die Stadt. Bevor man Kopenhagen verließ, wollte man die Carlsberg-Brauerei gesehen haben. Diese Brauerei ist nicht nur wegen des guten Bieres bekannt; sie genießt den guten Ruf der Gastfreundschaft. Eine kostenlose Führung endet immer mit einer reichhaltigen Bewirtung, die man nach Belieben ausdehnen kann, ohne auch nur eine Krone zu bezahlen. Besonders die Rentner und Pensionäre Kopenhagens haben es sich zur Eigenschaft gemacht, sehr oft an einer Führung mit Kostproben aller Biersorten teilzunehmen. Für den Besuch in der „Ny Carlsberg Glyptothek" standen gleich mehrere Stunden zur Verfügung. Als Stätte der größten Sammlung etruskischer Kunstgegenstände ist die Glyptothek Anziehungspunkt für viele Historiker und historisch Interessierte. Aber auch die ägyptischen, griechischen und römischen Kunstwerke zogen viele Besucher an.

Für den Nachmittag war eine Fahrt in Richtung Norden entlang der Küste am Oresund bis zum Kattegat geplant. Dieser Landteil wird mit Recht die „dänische Riviera" genannt. In herrlichen Umgebungen errichtet waren die drei Schlösser: Kronborg, auch Hamletschloß genannt, Frederiksborg, auf 3 Inseln gelegen, und Fredensborg, die Sommerresidenz der königlichen Familie. Bereichert mit neuen, wertvollen Eindrücken, kehrten wir am Abend in unser schon vertraut gewordenes Hotel  zurück.

Auch an diesem Abend war die Müdigkeit von dem Erlebnishunger überwältigt worden. Auf dem Theaterprogramm stand: „Madame Butterfly". Karten waren noch zu haben - warum noch lange überlegen? Also wurde entschieden, diese Vorstellung nicht auszulassen.

Für den letzten Tag in Skandinavien war eine Schwedenfahrt vorgesehen. Die Fähre brachte unseren Bus über den Oresund nach Malmö, von wo wir nach Lund weiterfuhren. Dort besichtigten wir den Dom und das Freilichtmuseum. Hinsichtlich des kommenden Abreisetages waren wir am frühen Abend wieder in Kopenhagen. In der Morgendämmerung des nächsten Tages verließen wir Kopenhagen. Die Rückreise ging über Jütland, Kolding, Haderslev, Aabenraa nach Hamburg. Nach einer 13-stündigen  Fahrt  erreichten wir die Hansestadt Hamburg bei Dunkelheit. Wieder ließen sich einige von einem Bummel durch Hamburg nicht abbringen. Am nächsten Morgen lernten schließlich alle Reisemitglieder die Stadt kennen.

Nach einer Führung durch das Rathaus brachte uns der Bus entlang der Binnen - und Außenalster zu der Kirche St. Michaelis (Michel). Es folgte eine kurze Besichtigung, bevor wir den Hamburger Hafen ansteuerten. Dieser übertraf in seiner Größe unsere Vorstellungen bei weitem. In St. Pauli Landungsbrücken ließen wir uns mit einem Fahrstuhl in den 1911 erbauten 450 Meter langen, doppelten Elbtunnel hinunterfahren.

Während sich die meisten Reisemitglieder für eine Hafenrundfahrt entschieden, verbrachten andere den Nachmittag mit einem Bummel durch die Geschäftsstraßen der Millionenstadt. Am Abend traf man sich im Thalia-Theater, um ein Wiedersehen mit  der  Schauspielerin Paula Wessely in dem Stück „Olympia" zu feiern.

Mit aufgespeicherten Reiseerlebnissen und gefüllten Koffern traten wir am Samstag in der Frühe die Rückreise nach Oberpleis an.

Abschließend möchte ich sagen, daß diese Reise, wie auch die vorherigen, dank Frau Väths meisterhaftem Organisationstalent und ihrer steten Einsatzbereitschaft ein voller Erfolg war.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 41 vom 08.10.1971; Fotograf unbekannt; Reisebericht: Barbara Krey
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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