Jahresversammlung des Förderervereins für das Gymnasium Oberpleis

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1970

Jahresversammlung des Förderervereins für das Gymnasium Oberpleis

"Über 100 Mitglieder und Freunde des Vereins zur Förderung eines Gymnasiums am Ölberg e. V., darunter auch Mitglieder des Stadtrates Königswinter, waren der Einladung zur Jahresversammlung gefolgt und kamen am 18. April 1970 in der Gaststätte 'Tannenhof', Oberpleis, zusammen. Bürgermeister Hank und Stadtdirektor Schmitz, wegen anderer Verpflichtungen verhindert, hatten Grußworte übersandt und ihre Bereitschaft bekundet, die Bemühungen des Vereins nach Kräften zu unterstützen.

Die Leitung der Versammlung übernahm das Vorstandsmitglied Ministerialrat Georg Bönsch. Er gedachte zunächst der seit der letzten Jahresversammlung verstorbenen Mitglieder Benno Uter und Oberstudienrat Heinz Felderhoff, der dem Verein in den ersten Kampfjahren als Schriftführer wertvolle Dienste geleistet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde bei dieser Sitzung Landgerichtsdirektor Dr. Bruno Kremer einstimmig gewählt.


Schulgründung in Rekordzeit von drei Jahren

In seinem Tätigkeitsbericht hob Georg Bönsch hervor, dass es dem Verein gelungen ist, in nur drei Jahren sein Ziel, die Errichtung eines Staatlichen Gymnasiums für den Raum Oberpleis, zu erreichen. Dass dies eine Rekordzeit ist, wird jedem einleuchten, der die mühevolle Geschichte anderer Schulgründungen kennt. Dabei schienen in diesem Fall die Schwierigkeiten zunächst fast unüberwindlich: Die Finanzkraft der Gemeinde reichte nicht aus, um die Schule selbst zu bauen und zu tragen. Die Neugründung staatlicher Gymnasien aber war durch einen Landtagsbeschluss gestoppt. Bemühungen um einen privaten Schulträger erwiesen sich als aussichtslos. Im Schulentwicklungsplan für Nordrhein-Westfalen war eine Neugründung von Gymnasien für das obere Siebengebirge nicht vorgesehen.


Anfänge: Alleingang einer Hausfrau und eines Professors

Trotzdem unternahm es eine Hausfrau, Mutter von vier Kindern, auf eigene Faust, zunächst den Schulbehörden den Bedarf zu demonstrieren, indem sie beim Kreisschulamt die Grundschülerzahlen und die Übergängerzahlen für das gesamte Gebiet errechnete und ein Memorandum entwarf, das die besondere Situation unseres aufstrebenden Raumes darstellte. Es gelang ihr, das Interesse eines ortsansässigen Professors zu erregen, der für die Verteilung des Memorandums an Bürgerschaft und Gemeinderat sorgte. Gemeinsam referierten Hausfrau und Professor vor dem Oberpleiser Schulausschuss. Noch Ende 1966 fand eine erste Versammlung statt, bei der sich zeigte, welch starken Widerhall der kühne Gedanke einiger Bürger bei der Bevölkerung, aber auch beim Gemeinderat fand. Noch bei dieser Versammlung kündigte Bürgermeister Anton Weber an, dass die Gemeinde bereit sei, ein Schulgrundstück zu stiften. Noch bei dieser Versammlung wurde auch die Gründung eines Vereins beschlossen, zu dessen gleichberechtigten Vorsitzenden Professor Dr. Dr. h. c. Fritz Voigt, Ministerialrat Georg Bönsch und Dr. Wolf Mohr gewählt wurden. Dieser Vorstand hat seither die Geschicke des Vereins mit Umsicht und unermüdlichem persönlichem Einsatz gelenkt, so dass seine einstimmige Wiederwahl am 18. April 1970 keine Überraschung bedeutete.


Der Fortgang: Mitbürgerliche Aktion

Anfang 1967 wurde eine Fragebogenaktion durchgeführt, um dem Kultusministerium zu beweisen, dass die Elternschaft in Oberpleis und den umliegenden Gemeinden ein Gymnasium in diesem Raum wünsche und Oberpleis als Standort bevorzuge. Über 600 Schüler für das künftige Gymnasium wurden auf diese Weise ermittelt. Dabei zeigte sich auch bereits, dass die meisten Eltern für eine koedukative Schule waren, d. h. für eine gemeinsame Unterrichtung von Jungen und Mädchen. Es zeigte sich ferner, dass, wie die Initiatoren der Schulgründung vermutet und gehofft hatten, Eltern, die bis dahin eine Gymnasialbildung für ihre Kinder trotz deren Eignung nicht ins Auge gefasst hatten, bereit waren, sie in diese räumlich nahe gelegene und daher vertrauen erweckende Schule zu schicken. Mit anderen Worten: Ein solches Gymnasium würde einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Begabtenreserven im Raum Siebengebirge leisten. Bei der Bevölkerungsbefragung hatten Hausfrauen, Lehrer, Geschäftsleute, Väter tatkräftig mitgewirkt. Einheimische und Neu-Zugezogene fanden sich bei dem gemeinsamen Anliegen zusammen. Aus der Initiative von wenigen war eine breite demokratische Aktion geworden. Sie verfehlte ihren Eindruck im Kultusministerium nicht, wo man dem Vereinsvorstand sagte, dass dies in Nordrhein-Westfalen der einzige Fall mit einer Schulgründung durch Bürgerinitiative sei.


Stiftung ermöglicht weitere Vereinsarbeit

Dieser Umstand veranlasste auch die Stiftung „Die Mitarbeit", Düsseldorf, die gemeinschaftsfördernde Unternehmungen von Einzelnen honoriert, der Initiatorin des Gedankens einen Stiftungsbetrag in Höhe von 1000,— DM zur Verfügung zu stellen. Von diesem Geld ist, wie Schatzmeister Direktor Wandel in seinem Kassenbericht sagte, die Tätigkeit des Vereins bestritten worden, so dass Mitgliedsbeiträge bisher nicht erhoben werden mussten. Doch beliefen sich die tatsächlichen Aufwendungen, zu denen die tätigen Mitglieder aus eigener Tasche beisteuerten, bereits auf über 3000,— DM. Dabei berechnet niemand die Zeit, die die Mitglieder — vor allem des Vorstandes — aufgewendet haben, um durch zahllose Besuche bei Behörden und Abgeordneten, durch Korrespondenz und durch die Vorbereitung und Durchführung von Versammlungen, Kontakte zu Presse und Rundfunk, ihrem Ziel näher zu kommen.


Glücklicher Start: 1969 die ersten Sexten

Der erlösende Erlass des Kultusministeriums kam im April vorigen Jahres: Trotz des Gründungsstopps für neue staatliche Gymnasien wurde die Eröffnung einer Zweigstelle des Staatlichen Gymnasiums Siegburg in Oberpleis gebilligt. Die Anmeldungen für die ersten beiden Sexten überstiegen die kühnsten Erwartungen: 112 Kinder wurden gemeldet. Nur 92 konnten aufgenommen werden, weil das Schulkollegium Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt aus Gründen des Lehrermangels die Einrichtung von mehr als zwei Eingangsklassen nicht für möglich hielt. So mussten sehr zum Kummer des Vorstandes einige Kinder aus weiter entfernten Gemeinden zurückgewiesen werden. Auch die Raumfrage war heikel, aber sie musste gelöst werden: Die Gemeinde Oberpleis — und als ihr Rechtsnachfolger die Stadt Königswinter — hat sich gegenüber dem Kultusministerium verpflichtet, für die räumliche Unterbringung der Gymnasiasten drei Jahre lang zu sorgen.Dankenswerterweise stellte Rektor Kaiser in seinem Realschulneubau zwei Klassenräume zur Verfügung.


Februar 1970: Gymnasium Oberpleis vor dem Landtag

Eine letzte Hürde ist erst vor wenigen Wochen genommen worden. Kultusminister Holthoff kündigte an, dass Oberpleis unter den sieben neuen staatlichen Gymnasien des Landes sein wird, die in diesem Jahr geschaffen werden. Auch seine Verselbständigung soll spätestens im nächsten Jahr erfolgen. Der Landtag bewilligte für den Haushalt 1970 bereits 100 000,— DM an Planungskosten für den zu errichtenden Neubau. Am 27. April 1970 soll beim Besuch einer Sachverständigenkommission des Kultusministeriums in Oberpleis die Standortfrage endgültig entschieden werden (im Auel, gegenüber dem Schwimmbad, oder im Gelände zwischen Realschule und Mathildenheim). Über die Ergebnisse dieser Verhandlungen werden wir in Kürze berichten. Der Verein wird, wie der Vorstand versicherte, alles in seiner Macht Stehende tun, damit mit der Bauplanung unverzüglich begonnen wird und der Schulbau (warum eigentlich nicht in Fertigbauweise?) bald steht.


Aktuelle Sorgen: Schulraum- und Transportproblem

Bei der Aussprache zeigte sich, dass den Eltern vor allem das Schulraum- und Transportproblem am Herzen liegt. Wie Erich Lichtenberg, Stadtverordneter und Mitglied des Vereins, beruhigend versicherte, ist zu erwarten, dass der im Bau befindliche neue Trakt der Realschule termingemäß fertig wird. Die zwei neuen Klassen des Gymnasiums sollen darin untergebracht werden. Bis 1972 werde man durch die geplanten Neubauten im Oberpleiser Schulzentrum alle Raumnot beseitigt haben. Die Verbesserung des Schulbusnetzes wird in den nächsten Monaten ein weiteres Anliegen des Vereins sein. Besonders die Eltern aus Vinxel und Stieldorf beklagten die schlechte Busverbindung. Aus Aegidienberg möchten, wie Rektor Kaiser berichtete, viel mehr Eltern ihre Kinder zur Realschule und zum Gymnasium nach Oberpleis schicken, doch scheiterte dies bisher an der Transportfrage. Auch die Sicherung der Verkehrswege, z. B. durch Ausbau des Fahrradweges zwischen Ittenbach und Oberpleis, durch Zebrastreifen und evtl. eine Ampelanlage an der Haltestelle vor der Realschule, wurde angeregt. Stadtverordneter Lichtenberg berichtete über das Vorhaben, die Schulbushaltestelle auf die weniger gefährliche Straße hinter der Realschule (Im Wiesengrund) zu verlegen. Der bekannte Verkehrs - Experte Professor Voigt wurde beauftragt, eine Eingabe an den Rat der Stadt Königswinter vorzubereiten, in der alle dringlichen Anliegen im Zusammenhang mit der Schülertransportfrage vorgebracht werden.


Künftige Pläne: Gesamtschulversuch im kulturellen Bereich

Lebhafte Zustimmung fand der Vorschlag, in einer Art von Gesamtschulversuch im kulturellen Bereich mit den Schülern aller Schularten in Oberpleis gemeinsam Ausstellungen, Musik- und Laienspielabende, Sportwettkämpfe usw. zu veranstalten, um die Entwicklung des gemeindlichen Kulturlebens zu fördern und um die Bildung eines Schulzentrums durch die praktische Zusammenarbeit aller Schulstufen von der Grundschule bis zum Gymnasium vorzubereiten. Die Vorarbeiten wurden einem Ausschuss übertragen, dem Eltern und Lehrer der Oberpleiser Schulen angehören sollen. Dankbar nahmen die Eltern zur Kenntnis, dass der Vertreter des Rates der Stadt Königswinter, Ministerialrat Dr. Rudolf Schuster, und der Vorsitzende der CDU der Stadt Königswinter, Hans-Georg Gilka, diese Pläne warm befürworteten und die Unterstützung durch den Rat in Aussicht stellten. Man darf also sagen, dass der Verein sein neues Arbeitsjahr unter viel versprechenden Vorzeichen begonnen hat."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 17 vom 2. Mai 1970
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller Gymnasium am Oelberg
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