Volksbildungswerk Oberpleis von großer Fahrt zurück - Exkursion nach Prag, ein einmaliges Erlebnis für alle Teilnehmer

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1967

Volksbildungswerk Oberpleis von großer Fahrt zurück - Exkursion nach Prag, ein einmaliges Erlebnis für alle Teilnehmer

Zu Beginn des Programms 1967/68 startete das Volksbildungswerk Oberpleis am Samstag, dem 2.9.67 zu einer Studienreise nach Prag. Nachdem das Glockengeläute unserer Pfarrkirche in Oberpleis den Busfahrer geweckt hatte, fuhren wir über Frankfurt - Würzburg - Bamberg zum Grenzort Marktredwitz, wo wir übernachteten. Besonders schön war die Fahrt von Würzburg über Bamberg - Bayreuth durch das Fichtelgebirge nach Marktredwitz. In Würzburg besichtigten wir in einer längeren Mittagspause die Residenz und den Dom, in Bamberg natürlich auch den Dom. Bevor wir die Fahrt durchs Fichtelgebirge fortsetzten, machten wir einen kleinen Spaziergang durch den Stadtpark von Bayreuth.

Nach der Übernachtung in Marktredwitz fuhren wir über Eger, Karlsbad nach Prag. Bei herrlichem Sonnenschein besuchten wir in Karlsbad die Heilquellen. Nach dem ersten Mittagessen in der CSSR fuhren wir weiter auf einer verkehrsreichen Straße nach Prag. Wir fuhren hier durch die große Hopfengegend der CSSR. Bei der gerade durchgeführten Ernte halfen Tausende von Studenten aus Prag und anderen Universitäten.
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Am nächsten Morgen begann gleich die erste Stadtrundfahrt. Zwischen Laurenziberg und Hradschin liegt das altehrwürdige Kloster Strahow. Die ersten Mönche hierhin kamen aus Steinfels. Das Kloster gehörte stets zu den angesehensten und reichsten Abteien Böhmens. Zwei Ordensbibliotheken zählen sowohl durch ihre Räume, wie auch durch die Samm­lungen zu den hervorragendsten im Lande. Sehr schön ist vor allem ein in lichtechten Farben gemaltes Deckenfresko im philosophischen Saal, daß nach einem genau festgelegten Programm die  Menschheitsgeschichte in der Entwicklung der Wissenschaften darstellt.

Danach besichtigten wir das Loretohaus. Es ist eine Nachbildung der Wohnung Mariens, die Engel nach Loreto in Italien getragen haben sollen. An vielen Orten in der Welt entstanden dann als Nachbildungen die sogenannte Casa Sancta, hier in Prag als Kapelle eingerichtet.

Als nächstes besuchten wir den Hradschin. Der Hradschin ist seit dem Eintritt Böhmens in die Geschichte der weltliche und geistliche Mittelpunkt des Landes und auch von Prag. Könige und Bischöfe haben diesen Berg gemeinsam besessen, von ihm aus  regiert und gesegnet. Was wir hier alles besichtigten, läßt sich nicht in wenigen Sätzen beschreiben, ohne daß man wichtige Dinge ausläßt. In Stichworten: Veitsdom, Wenzels-Kapelle, Wladislawsaal (Prager Fenstersturz). Goldmachergäßchen, Belvedere, Hradschinplatz und den spanischen Saal.

Am zweiten Tag fuhren wir als Erstes in die Altstadt. Den Mittelpunkt dieser Altstadt bildet der Altstädter Ring, Hauptplatz mit Rathaus und Kirche. Nach dem Besuch im Rathaussaal (der sehr große Bilder, die den Prediger Hus zeigen, hat) gingen wir zur Theynkirche. Der Rundgang am Altstädter Ring wurde abgeschlossen durch ein Betrachten der astronomischen Uhr am Altstädter Rathaus. Über drei  Geschosse aufgebaut zeigt sie auf einmal an: Jahr, Monat, Tag, die Stellung der Planeten und der Fixsterne, den Lauf von Sonne und Mond und natürlich die Stunde.

Anschließend gingen wir zu einer alten Synagoge und zum alten jüdischen Friedhof im Prager Ghetto. Als Nächstes  gingen wir zu  Karlsbrücke. Die Karlsbrücke ist nicht nur ein großes Kunstwerk, sie ist seit ihrer Erbauung immer als technische Meisterleistung  gewürdigt worden. Drei Brückentürme befestigen die Brückenköpfe. Auf dem Brückensockel die vielen überlebensgroßen Heiligenfiguren, vor allem die des hl. Johannes von Nepomuk, der von hier aus zum Schutzpatron aller Brücken wurde.

Zum Abschluß dieser Stadtrundfahrt besuchten wir auf dem Wischerad die Kirche Peter und  Paul und den Nationalfriedhof.

Am Nachmittag besuchten wir in der St. Niklaskirche auf der Kleinseite ein Orgelkonzert mit einem Chor des Hochschul-Künstlerensembles. Wir hörten Werke von Cernohosky, Palestrina, Monteverdi, Bach, Buxtehude, Mozart (Ave verurn corpus) und Händel.

In dieser herrlichen großen Barockkirche war das Konzert eine ganz besondere Freude.

Am dritten Tag besuchten wir die Burg Karlstein. Karl der IV. gehörte zu den großen Regentenpersönlichkeiten des Mittelalters.1348 ließ er in der Nähe von Prag eine Burg bauen, die die Aufgaben einer Gralsburg erfüllen sollte. Wir besichtigten die Audienzzimmer, die Marienkapelle, die Katharinenkapelle - mit herrlichen Fresken aus der Apokalypse - und als Höhepunkt die Kreuzkapelle. Hier sind die Wände, die Decke - alles aus Gold und Edelsteinen. Ein goldener Himmel, das ganze Gewölbe. Dazu eine Galerie von  überlebensgroßen Häuptern von Königen, Bischöfen und Aposteln. Einige dieser Bilder befanden sich zur Weltausstellung in Montreal. Diese Galerie schuf der böhmische Maler Theoderich. In dieser  Kapelle lagen die Reichskleinodien. Hier spürt man noch den Glanz des mittelalterlichen Kaisertums.

Am Abend besuchten viele das Tschechoslowakische Lieder- und Tanzensemble, einige andere die tschechische Nationaloper  „Die verkaufte Braut" von B. Smetana.

Die nächsten beiden Tage konnte jeder Reiseteilnehmer selbst nach  seinen eigenen Interessen gestalten. Dazu gehörte ein Besuch im Nationalmuseum am Wenzelsplatz, im Technischen Museum, in der Nationalgalerie auf dem Hradschin, vor allem aber ein Einkaufsbummel über den Wenzelsplatz - Nationalstraße in die Altstadt. Am Freitagabend erlebten wir noch gemeinsam eine Vorstellung der Laterna Magica. Von dieser geglückten Verbindung von Theater, Ballett und Film waren alle sehr begeistert.

Am Samstag, dem 9.9.67 fuhren wir diesmal über Pilsen, Rozvadov, Nürnberg wieder nach Oberpleis. Alle Reiseteilnehmer waren mit der Fahrt zufrieden und sich in dem Urteil einig, daß Prag ein sehr lohnendes Fahrtenziel ist.

Herbert Krämer
Leiter des Oberpleiser Volksbildungswerk

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 37 vom 15.09.1967; Fotograf unbekannt. Bericht: Herbert Krämer
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