Erster Bauabschnitt der neuen Realschule in Oberpleis fertiggestellt

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Aufnahme: 1967

Erster Bauabschnitt der neuen Realschule in Oberpleis fertiggestellt

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Feierstunde von Format — Besonderer Tag für die Gemeinde

Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes der neuen Oberpleiser Realschule wurde mit einer Feierstunde würdig begangen. Auf diesen Tag wird die Gemeinde noch lange mit Stolz zurückblicken. Als der Gemeinderat vor einigen Jahren den Beschluss gefasst hatte, eine Realschule zu bauen, hätten nicht viele Bewohner auch nur in den kühnsten Träumen erwartet, dass die Pläne für die Schule so schnell erfüllt würden. Doch es kam besser als man erwartet hatte, und nachdem die Planungen beendet, die Finanzierung gesichert und die Bauarbeiten vergeben waren, wurde nach knapp einjähriger Bauzeit der erste Bauabschnitt seiner Bestimmung übergeben. Bereits im September war mit der Unterrichtung der Kinder in der neuen Schule begonnen worden, und bei der Feierstunde erhielt die Beendigung des ersten Bauabschnittes „etwas Offizielles". Die richtige Einweihung der Schule wird erst nach Fertigstellung des gesamten Schulkomplexes in besonders festlichem Rahmen erfolgen. Erst dann wird der Schulleiter, Kaiser, durch die Schlüsselübergabe nach der Einsegnung durch die Geistlichkeit „richtiger Hausherr“.

Dennoch dürfte die kleine Feierstunde ein Ruhmesblatt in der Geschichte von Oberpleis füllen, denn eine richtige Einweihung hätte nicht mehr Würde aufweisen können als die Feierstunde, von der die Beteiligten gewiss noch lange sprechen dürften. Alles, was in Oberpleis Namen und Rang hat, war erschienen, und auch die übergeordneten Dienststellen und Behörden waren ebenso vertreten wie die Nachbargemeinden. So sah man u. a. das Lehrerkollegium aller Oberpleiser Schulen, die Gemeindevertreter, den stellvertretenden Landrat des Siegkreises Horstmann, den stellvertretenden Oberkreisdirektor Bestgen, Bürgermeister Horn aus Stieldorf, Amtsdirektor Hilger (Oberkassel), den stellvertretenden Bürgermeister Münz aus Heisterbacherrott, die Geistlichkeit mit Pfarrer Stein und Kaplan Bauer, Oberpleis, den evangelischen Pfarrer Lubrich, Pfarrer Kreuser, Eudenbach, und viele andere. Sie alle wurden von Bürgermeister Anton Weber herzlich begrüßt. „Machet Euch die Erde untertan" sei heute, in der Zeit wo die Menschen nach den Sternen greifen würden, ein Wort von besonderer Bedeutung. Und da es fast Wirklichkeit geworden sei, müsse die Ausbildung der Kinder ernst genommen werden wie nie zuvor.

Es sei deshalb unerlässlich, ausreichende und neuzeitliche Ausbildungsstätten zu schaffen, in denen den Kindern das Wissen vermittelt werden könne, das für die Zukunft eines Menschen notwendig sei. Aus diesem Grunde sei dem Gemeinderat der Beschluss, eine Realschule zu bauen, leicht gefallen. Nun, wo der erste Bauabschnitt fertig geworden sei, könne man aufatmen, denn alles Folgende werde wohl planmäßig verlaufen. Man habe für die neue Realschule wohl den rechten Platz ausgewählt. Sie stehe in Oberpleis, weil dieser über 1000 Jahre alte Ort der Mittelpunkt des Gebietes diesseits des Siebengebirges, ein Zentrum für die Umgegend sei. Die neue Realschule sei keine Schule nur für die Kinder aus Oberpleis, denn sie werde auch von Kindern aus den angrenzenden Gemeinden besucht. Pfarrer Stein unterstrich die Bedeutung der Schule für eine gute Ausbildung der Kinder. Eine gute Ausbildung sei für alle Kinder das Beste für das spätere Leben. Pfarrer Stein lobte den Gemeinderat ob seines „weisen Beschlusses“, obwohl der Neubau bei der angespannten allgemeinen Finanzlage gewiss nicht so einfach gewesen sei. Die Feierstunde bezeichnete Pfarrer Stein als einen „Tag der Freude“.

Pfarrer Lubrich umriss die Aufgaben der Bildung, wobei er betonte, dass eine bessere Ausbildung ohne konfessionelle Bindung erfolgen müsse. Die Schule, so führte er aus, habe in der heutigen modernen Zeit eine ganz andere und größere Bedeutung als früher. Er unterstrich die gute Zusammenarbeit aller Oberpleiser Schulen, wobei die Tatsache, dass es keine konfessionellen Unterschiede gebe, für die Kinder von großem Nutzen sei. Schulleiter Kaiser sagte allen Dank, die an der Vollendung des ersten Bauabschnittes beteiligt waren. Der Rat habe mit seinem Beschluss, die neue Schule zu bauen, besonderen Mut bewiesen, so betonte er. Dank sagte er weiter den bauausführenden Firmen und nicht zuletzt den für den Bau verantwortlichen Architekten. Baurat Goergen habe einen einmaligen Plan verfasst, wie er schöner nicht sein könne. Wenn die anderen Bauabschnitte fertig seien, passe sich die gesamte Schule hervorragend dem Landschaftsbild an. Architekt Lehmacher, dem die örtliche Bauleitung übertragen worden sei, habe alle aufkommenden Probleme mit den Beteiligten in hervorragender Weise gelöst. In der neuen Schule, so betonte Kaiser, sei die Entfaltung der geistigen Fähigkeiten aller Schüler möglich. Sie entspreche den Ansprüchen der heutigen Zeit und erfülle nach der endgültigen Fertigstellung alle pädagogischen Anforderungen.

Oberregierungsrat Becker aus Köln machte die Feststellung, dass man in Oberpleis „auf der Höhe“ sei und umriss in kurzen Worten die Aufgabe und Bedeutung einer Realschule in der heutigen Zeit. Der stellvertretende Landrat des Siegkreises, Horstmann, gab einen Überblick über die Entwicklung des Schulwesens im Siegkreis. Als Geschenk des Kreises brachte er Bilder mit Motiven aus der einheimischen Landschaft, die in Zukunft das Innere der neuen Schule zieren sollen, mit. Auch Baurat Goergen ergriff das Wort, wobei er das alte mit dem neuen Oberpleis verglich. In der alten Kirche besitze Oberpleis ein kulturelles Kleinod, auf das die Bürger sehr stolz sein könnten. Hauptlehrer Klein von der Schule Sandscheid gratulierte ebenso wie Rektor Meurer von der katholischen Oberpleiser Schule und Schulleiter Kopp für die evangelische Schule. Alle drei kamen nicht mit leeren Händen und überreichten Schulleiter Kaiser schöne Geschenke. Auch die Gemeinde Heisterbacherrott erfreute mit einem Geschenk. Der Vorsitzende der Schulpflegschaft, Reinhard Meurer, sagte Dank im Namen der Eltern und der Kinder für alles.

Die Feierstunde wurde durch Liedvorträge des Schulchores unter Leitung von Fräulein Helga Franzen und Musikvorträge des Meurer-Quartetts umrahmt. Helga Franzen bewies ihre Fähigkeiten als Solistin (Sopran), wobei sie von Kantor Kurt Wirtz und Johann Quirrenbach (Violine) begleitet wurde. Einen besonderen Kunstgenuss erlebten die Teilnehmer, als Richard Neigenfind und sein 13jähriger Schüler Manfred Quirrenbach mit einem Flötenkonzert erfreuten. Mit der Feierstunde wurde auch eine Werkausstellung eröffnet. Unter Leitung der Werklehrerin Frau Horstmann zeigten die Realschüler und Schülerinnen einen Querschnitt der vielen Möglichkeiten des Bastelns und Werkens. Die Feierstunde leitete gleichzeitig die Oberpleiser Kulturwoche ein.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 48 vom 01.12.1967
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller; Scan: Heinrich Röttgen
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