Aufnahme: 1967
Oberpleiser Schul- und Kulturwoche ein voller Erfolg
Höhepunkt der Kulturwoche - Professor Dr. Werner Heinen zu Gast. Bilder aus dem alten Oberpleis
„Es wäre bedauerlich und unverständlich, wenn man Oberpleis einer Rheingemeinde zuschlagen würde", sagte der weißhaarige Professor Dr. Werner Heinen beim Vortragsabend über die Geschichte des alten Oberpleis aus Anlaß der Schul- und Kulturwoche in der neuen Realschule. Damit nahm Dr. Heinen unbewußt Stellung zur kommunalen Neuordnung und bekräftigte damit den Gemeinderat in seiner Haltung: Eine Gemeinde mit Oberpleis als Mittelpunkt zu erstreben. Professor Heinen betonte in diesem Zusammenhang, daß Oberpleis immer ein Mittelpunkt gewesen sei und auch bleiben müsse. Er bezeichnete den Hauptort diesseits der sieben Berge „als die schönste Ortschaft des Gebietes im unteren Westerwald."
Diese Veranstaltung über das alte Oberpleis war vom Arbeitskreis Heimatkunde des Volksbildungswerkes vorbereitet worden. Dieser Arbeitskreis hat es sich zur ernsten Aufgabe gemacht, altes Bildmaterial und Dokumente aus der „alten Oberpleiser Zeit" zusammenzutragen, zu sichten und der Nachwelt zu erhalten. Daß man die Arbeit dieser eifrigen Männer, angeführt von Fritz Karl Birkhäuser und dem früheren Rentmeister Wilh. Weber anerkennt, bezeugte der überaus gute Besuch. Es war in der geräumigen Pausenhalle der Realschule kein Platz mehr frei und es hatten sich neben den alten Bürgern auch zahlreiche Neubürger eingefunden. Auch die älteren Jahrgänge der Realschüler war mit von der Partie, da der von Professor Heinen behandelte Stoff für die Unterrichtung sehr wertvoll war.
Nach kurzen Begrüßungsworten begann Professor Dr. Werner Heinen, mit seien „Erzählungen", die nicht nur sachkundig, sondern auch witzig vorgetragen, die Zuhörer begeisterten. Dies war überhaupt das Schöne an dem „Gespräch", es ging nicht nach geschichtlich feststehenden Daten und Aufzeichnungen, sondern freiweg, wie es die gezeigten Dias veranlaßten. Dabei gab es herrliche Aufnahmen aus dem Oberpleis um die Jahrhundertwende, die vom Arbeitskreis gesammelt worden waren. Zu jedem Bild hatte Professor Heinen seinen Vers, ganz gleich, ob es sich um Bilder „vom Bahnhöfge" oder „vom ahle Dreese Hus" handelte. Man erlebte praktisch einen Spaziergang vom RSE-Bahnhof an der Siegburger Straße, vorbei am Kirchplatz bis zur Asbacher- und Dollendorfer Straße.
Dabei gab der Referent auch Begebenheiten aus der damaligen Zeit zum Besten. Recht anschaulich schilderte er die alten Fachwerkbauten, die zum Teil modernen Häusern weichen mußten. Zu den eindeutigsten Bildern gehörten die Aufnahmen vom alten Haus Söntgen, mit den spitzen Fachwerkgiebeln. Leider, so betonte Heinen, seien diese Häuser, um die man Oberpleis beneiden würde, der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Auch wie man ein solches Haus gebaut habe, wußte Professor Heinen anschaulich wiederzugeben. Man habe das Material, wie Holz und Lehm, halt immer in der Nähe gehabt, auch habe man ein solches Haus viel schneller wieder errichten können als ein Bau aus Steinen. Als man um die Jahrhundertwende das neue Hotel Söntgen erbaut habe, sei die darin installierte erste Zentralheizung eine Sensation für das ganze Gebiet gewesen. Er berichtete auch über das Leben in den damaligen Gaststätten, von denen das Hotel „Zur Post" eines der bekanntesten gewesen sei. Hier hätten die damaligen Handlungsreisenden bei einem Besuch in Oberpleis gewohnt und auch die „Honoratioren des Ortes" hätten hier ihren Stammtisch gehabt. Auch vom Leben in der Dollendorfer Straße wußte Professor Heinen zu berichten, wobei er auch den „Post Mattes" nicht vergaß. Ein besonderes Kapitel widmete Dr. Heinen dem Raum um die Oberpleiser Pfarrkirche, die der Mittelpunkt des Ortes sei. Er zeigte dazu Bilder mit verschiedenen Ansichten der Kirche, des Kirchturmes, des Kreuzganges und erklärte, daß die Pfarrkirche mehrere Baustile habe, die von den Architekten der damaligen Zeit wunderschön und harmonisch vereinigt worden seien. Als begeisterndes Kunstwerk bezeichnete er das Hochkreuz neben der Pfarrkirche.
Mit Abschnitten aus Schillers „Lied von der Glocke" verglich er die Zeit des Abwehrkampfes gegen die Separatisten als die Glocke im Kirchturm beim „Sturmläuten" beschädigt wurde. Mit dieser Glocke sei das Oberpleiser Ehrenmal zu einer Berühmtheit. geworden.
Ein anderes Kapitel, die Tausendjahrfeier, behandelte Professor Heinen mit Nachdruck und mit den Bildern von dem „Ritterspiel" der Kolpingsfamilie erlebten viele Teilnehmer dieses großartige Fest noch einmal. Auch über das Mathildenheim wußte Heinen Interessantes zu berichten.
Alles in allem ein herrlicher Abend, den man so schnell nicht vergessen wird.
Der Leiter des Arbeitskreises, Fritz Birkhäuser, dankte dem Referenten unter spontanem Beifall. Er bat die Besucher um "alte Sachen", ganz gleich welcher Art, die der Arbeitskreis gebrauchen könne.
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