Aufnahme: 1966
Lehrer Martin Niederstein verabschiedet
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Am vergangenen Samstag, dem 2. April 1966, wurde in einer kleinen Feierstunde im Oberpleiser Pfarrsaal nach 42jährigem Dienst der Lehrer Martin Niederstein verabschiedet. Das Lehrerkollegium, die gesamte Schulpflegschaft und die Schulgemeinde nahmen an dieser Feierstunde teil. Während die Schulkinder Lieder, Gedichte, Volkstänze und Theaterstücke aufführten, wurde die Feier musikalisch durch das Streichquartett untermalt.
Lehrer Martin Niederstein wunde am 16. März 1904 in Adendorf, Landkreis Bonn, geboren. Hier besuchte er zunächst die kath. Volksschule. Später begann er sein pädagogisches Studium auf dem Lehrerseminar in Euskirchen, wo er am 12. Februar 1924 sein 1. Lehrerexamen ablegte. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg war es sehr schwer, eine Anstellung als Junglehrer zu erhalten, da durch die vielen Flüchtlinge bedingt, genügend Lehrkräfte vorhanden waren. Viele Lehrer wanderten in die Industrie ab. Ähnlich erging es Martin Niederstein, er erhielt erst 1933 eine Anstellung als Lehrer an der kath. Volksschule St. Franziskus in Brühl. Lehrer Niederstein nutzte die 9 Jahre bis zu seiner Anstellung aus und studierte in dieser Zeit an der Universität in Köln Chemie, Biologie und Geografie, legte sein Turn- und Sportlehrer-Examen ab und absolvierte an der Musikhochschule in Köln seine Chorleiterprüfung. Außerdem besuchte er auch noch einige Zeit das Mittelschullehrerseminar in Köln. Lehrer Niederstein war, in seiner langen pädagogischen Laufbahn an vielen Schulen tätig, so unter anderem in Brühl, Quadrath, Köln-Ehrenfeld. Ersdorf, Aegidienberg, Spich, Ruppichteroth, Kreuzhäuschen und Oberpleis.
Seit dem 1. Oktober 1945 (als er nach 5 Jahren Kriegsdienst und Gefangenschaft zurückkehrte) war er ununterbrochen an der kath. Volksschule in Oberpleis tätig. 1964 konnte er sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern. Nunmehr tritt der in der Bevölkerung sehr beliebte Lehrer in den wohlverdienten Ruhestand. In seiner schlichten und stillen Art hat er über 2 Generationen lang Oberpleiser Kinder unterrichtet. Vielleicht hat er jetzt mehr Zeit, seinem Hobby (Sammeln von Schmetterlingen, Käfern, Muscheln, Gesteinen u. dgl.) nachzugehen. Wir möchten an den Schluss des Lebensberichtes von Lehrer Niederstein einen rührenden kindlichen Vers setzen, den eine kleine Schülerin zu seinem Abschied von der Schule schrieb:
"Felsen können brechen, Schiffe untergehen, Herr Lehrer, Sie vergessen, das wird nie geschehen!"
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