Aufnahme: 1966

Franz Ahr 25 Jahre Bahnhofsvorsteher in Oberpleis

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Am Montag, dem 19. September 1966 kann Herr Franz Ahr aus Oberpleis auf eine 25jährige Tätigkeit als Bahnhofsvorsteher auf dem Oberpleiser Bahnhof und auf ein fast 45jähriges Berufsjubiläum zurückblicken. Der heute 59jährige Jubilar, er wurde am 27. November 1907 in Winterscheid geboren, trat am 1. 7. 1922 in die Dienste der Rhein-Sieg-Eisenbahn ein. Nach Abschluss der Lehrzeit durchwanderte er die Dienststellen sämtlicher Bahnhöfe der RSE und schuf sich damit ein versiertes Wissen und Können. Bald schon wurde er Betriebsassistent und wenig später Eisenbahnassistent. Am 19. September 1941 kam er als jüngster Bahnhofsvorsteher nach Oberpleis. Hier oblag ihm die gesamte Leitung und Verantwortung des Güter-, Personen- und Kraftwagenverkehrs.

Ein volles Vierteljahrhundert hat Bahnhofsvorsteher Franz Ahr nun diesen verantwortungsvollen Dienst hier in Oberpleis zur vollsten Zufriedenheit seiner Dienststelle und der Bevölkerung versehen. Das sind 25 Jahre, die Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten, aber auch manchmal Freude und Frohsinn mit sich brachten. Über manche düstere Stunde mag Herrn Ahr aber auch seine stets optimistische und humorvolle Art hinweggeholfen haben. Auf ein Erlebnis in der 25jährigen Tätigkeit auf dem Oberpleiser RSE Bahnhof angesprochen, erklärte uns der Bahnhofsvorsteher: "Mein Dienst hier in Oberpleis war immer interessant und brachte jeden Tag aufs Neue ein Erlebnis. Ich blicke gerne auf die lange Zeit meines Hierseins zurück; es gäbe recht viel zu erzählen, Schönes und Unschönes. Unvergesslich sind mir die schlimmen Stunden in den Kriegsjahren, als wir hier die Munitionslieferungen abfertigen mussten.

In jener Zeit kamen Waggons mit hochexplosivem Sprengstoff beladen hier an, die dann nach Rostingen und von dort zu dem großen Munitionsdepot bei Rottbitze befördert werden mussten. Die Aliierten Streitkräfte hatten inzwischen diese Transporte inspiziert, schickten ihre Tiefflieger los und belegten sie mit Bomben. Aus diesem Grunde durften die Waggons nur nachts transportiert werden. Es ist deshalb wohl verständlich, dass wir hier manche Nacht in Angst und Schrecken verbrachten. So traf auch wieder einmal ein solcher Transport zu nächtlicher Stunde ein. Wegen des beunruhigenden Fliegeralarms entschlossen wir uns, nicht weiterzufahren, koppelten die mit Bomben und Sprengstoff schwer beladenen Waggons aus und stellten sie in weiten Abständen voneinander auf.

Die Gefahr einer großen Explosion bei einem eventuellen Angriff war damit einigermaßen gebannt. In sicherem Abstand warteten wir die weiteren Geschehnisse ab. Es erfolgte jedoch kein Angriff. Nach der Entwarnung atmeten wir erleichtert auf und schickten uns an, den Transport wieder fahrbereit zu machen. Kaum waren wir jedoch am ersten der Eisenbahnwagen angelangt, da ertönte über unseren Köpfen ein ohrenbetäubendes Knallen und Dröhnen. Schreckerfüllt ließen wir uns auf den Bahndamm fallen, weitere Explosionen erwartend. Stattdessen aber erscholl ein schallendes Gelächter.

Als wir uns aus dem Schotter des Bahndammes erhoben, trauten wir unseren Augen nicht. Hoch oben auf dem Dach des Munitionswagens thronte grinsend einer unserer Kollegen, der, ohne von uns bemerkt zu werden, sich zuvor leise entfernt hatte und schwang einen schweren Hammer in den Fäusten. Hiermit hatte er auf das Blechdach des Waggons geschlagen und so die "Explosionen" erzeugt. Lachend hatte er dann von oben unser „In-Deckung-Gehen" beobachtet. Tja, so haben wir mit etwas Humor diese schlimmen Zeiten überwunden." hewi


Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 37 vom 16. 09.1966
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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