Aufnahme: 1955
Der Bahnhof Oberpleis - Symbol der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung
"Die wirtschaftliche Entwicklung von Oberpleis
Wir leben heute in einer noch nie da gewesenen Hochkonjunktur. An die Stelle der Arbeitslosigkeit früherer Jahre ist Vollbeschäftigung und ein akuter Mangel an Arbeitskräften getreten. Die Folge ist, dass heute über 1.000.000 Fremdarbeiter in der Bundesrepublik beschäftigt werden. Die heutige jüngere Generation hat die Jahre der Arbeits-losigkeit nicht gekannt. Sie ist in die heutige Wirtschaftslage hineingewachsen, ohne sich zu fragen, wie es zu dieser Entwicklung kam und wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben. Es lohnt sich, einmal einen Blick in die Vergangenheit zu tun.
Einiges ist uns überliefert. Das Schrifttum und insbesondere das Archiv der Amtsverwaltung geben uns einige Aufschlüsse, wie es zur heutigen wirtschaftlichen Lage gekommen ist. Tatsache ist, dass Landwirtschaft und Handwerk seit Jahrhunderten die einzigen Erwerbsquellen unserer Vorfahren waren. Von industriellen Erwerbszweigen kann aus der Zeit vor 1800 nicht gesprochen weiden. Wohl wissen wir, dass unsere Tonvorkommen schon sehr früh ausgebeutet worden sind. Schon im 14. Jahrhundert wird der Ton unserer Gemeinde im Zusammenhang mit der Siegburger Töpfergilde urkundlich erwähnt. In den Jahren 1817 und 1818 wurde in Uthweiler Ton gestochen. Die Tone wurden damals mit Pferdefuhrwerken nach Mülheim am Rhein gebracht und weiter mit Schiffen nach den Niederlanden verfrachtet.
Bereits zwischen 1750 und 1780 hat man bei Uthweiler Braunkohle gefördert. Überhaupt scheint die Nachbargemeinde Stieldorf reich an Braunkohle gewesen zu sein. Vorkommen in Bockeroth, Vinxel und Hoholz werden schon früh erwähnt. In Bockeroth muss das Vorkommen besonders ergiebig gewesen sein, denn zwischen 1840 und 1850 wurden dort in einer Grube 40 Arbeiter beschäftigt. Aus den Standesregistern ist zu ersehen, dass der größte Teil der Einwohner damals von der Landwirtschaft lebte. Wir finden immer wieder die Berufsbezeichnungen Ackerer und Tagelöhner. Unter Tagelöhnern wurden vielfach diejenigen Arbeiter verstanden, die gegen Tagelohn in der Landwirtschaft arbeiteten. Die Viehzählungen aus jener Zeit beweisen, dass Pferde selten waren. Als Zugtiere wurden Ochsen und Kühe benutzt. Landwirtschaftliche Maschinen waren unbekannt.
Im Jahre 1837 wurden über hundert selbstständige Handwerksbetriebe in der Gemeinde Oberpleis gezählt, hauptsächlich Leineweber, Schuhmacher und Schneider, die für den Bedarf der einheimischen Bevölkerung sorgten. Um diese Zeit waren 70 Webstühle in Betrieb. Daneben gab es Küfer, Nagelschmiede, Blaufärber, Mühlenbauer und Gerber. Viele dieser Handwerksbetriebe fielen der fortschreitenden technischen Entwicklung zum Opfer. Nach dem Kriege 1870/71 waren nur noch zwei Webstühle in Betrieb. Die Zahl der Arbeitsplätze wurde mit dem Anwachsen der Bevölkerung zu klein. Die Akten der Amtsverwaltung geben uns ein Bild der damaligen Wirtschaftslage.
In den Jahren von 1850 bis 1870 gab es zahlreiche Arbeitslose im Amtsbezirk. Die Folge war, dass in den Wintermonaten mancher Familienvater ins Ruhrgebiet ging, um in den dortigen Kohlengruben lohnenden Verdienst zu finden. Infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse wanderten viele Familien nach Nordamerika aus. Die industrielle Entwicklung setzte in unserer Gemeinde verhältnismäßig spät ein. Ursache scheinen die schlechten Wege und Straßen gewesen zu sein. Der Bau der Niederdollendorf-Kircheiper Straße wie auch der Pleistalstraße in den Jahren 1853-56 bzw. 1866/67 schuf die Voraussetzungen für die spätere wirtschaftliche Erschließung des Pleistales.
Unsere Heimat ist überaus reich an Bodenschätzen. Um 1860 wird zuerst ein Basaltsteinbruch erwähnt, wahrscheinlich war dies der Limperichsberg (s. Link unten). Die industrielle Entwicklung begann nach dem Kriege 1870/71. Zahlreiche Basaltsteinbrüche, Ton- und Quarzitgruben wurden erschlossen. Fast in jeder Gemarkung und in jeder Flur fand man abbauwürdige Bodenschätze.
Für manchen Oberpleiser wird das Bild beschauliche Stunden aus der guten alten Zeit wieder wachrufen. Es zeigt den Oberpleiser Ortseingang von Siegburg kommend. Links ist der kleine Bahnhof der Rhein-Sieg Eisenbahn zu erkennen. Hier hielt der „Feurige Elias", wie man die Kleinbahn Siegburg-Rostingen im Volksmund nannte; eine kurze Verschnaufpause, ehe sie ihre Fahrt die leicht bergan steigende Strecke nach Rostingen bei Eudenbach fortsetzte. Die großen Lindenbäume rechts und links der Siegburger Straße spendeten dem Wanderer kühlen Schatten.
Nur vereinzelt fuhren damals Autos durch Oberpleis, Pferdefuhrwerke und Fahrräder waren die 'Kapitäne der Landstraße'. Ja, das waren noch Zeiten!"
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