Matthias Bellinghausen (Post Mattes) mit 8 Kindern, Heinrich Bellinghausen (Post Mattes Hein) fehlt.

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1946

Matthias Bellinghausen (Post Mattes) mit 8 Kindern, Heinrich Bellinghausen (Post Mattes Hein) fehlt.

Interview mit Schwester Igna geb. Katharina Bellinghausen

Schwester Igna, geb. Bellinghausen, geboren am 30.01.1904 in Oberpleis
1927 trat sie in den Orden der Borromäerinnen ein
1929 legte sie ihr zeitliches Gelübde und
1932 ihr Ewiges Gelübde ab.
1989 feierte sie ihre 60-jährige Profeß
 
PF: Schwester Igna, Sie sind ja die Tochter von „Post Matthes", einer bekannten Persönlichkeit in Oberpleis?

Ja, er war nicht nur Wirt und Posthalter, sondern hat auch die Raiffeisenbank mit nach Oberpleis geholt. Der Schalterraum war ein Zimmer in der 1. Etage über der Gaststätte und geöffnet war fast immer auch noch abends um 22,00 Uhr.

PF: Strebt nicht einer ihrer Familie das Adelsprädikat „von“ Bellinghausen an?

Ja, aber mein Vater sagte schon: „Laßt die Finger davon, unsere Vorfahren waren Raubritter, damit wollen wir nichts mehr zu tun haben.

PF: Aber nun zu ihrer Person, Schwester Igna. Wann traten Sie in den Orden Borromäerinnen ein?

Das war 1927 in Trier. Ein halbes Jahr lang war ich Postulantin und dann ein Jahr Novizin. 1929 legte ich das zeitliche Gelübde ab, somit kann ich in diesem Jahr meine 60-jährige Ordensprofeß feiern.
 
PF: Wie sind Sie gerade auf den Ordern der Borromäerinnen gekommen?

Die Schwester vom damaligen Pfarrer Lemmen war mein Vorbild. Außerdem waren schon zwei Oberpleiser Mädchen dort, nämlich Anna Kemp, jetzt Schwester Walberfangen, die kürzlich ihre 65-jährige Profeß feiern konnte und Toni Otto, jetzt Schwester Mascimila, die kürzlich ihre 63-jährige Profeß in Schleiden feierte.

PF: War es damals einfach, in einen Orden einzutreten?
 
Ja, man brauchte nur eine Aussteuer und natürlich viel guten Willen, aber das Leben war strenger. Nach Hause durfte man nur, wenn ein Elternteil schwer erkrankte oder starb. Das ist heute anders; man bekommt seinen jährlichen Urlaub. Anders ist heute auch das Noviziat. Ich war mit 17 Mädchen zusammen in den Orden eingetreten; heute haben wir nur eine Novizin. Am Anfang meines Ordenslebens trugen wir noch die Tracht der Bürgerinnen von Nancy, nämlich große Hügelhauben, aber seit dem Konzil ist unsre Kleidung praktischer.
 
PF: Welchen Beruf haben sie ausgeübt?

Der Orden hat mich als Krankenschwester ausgebildet und dadurch habe ich zwölf Jahre lang in Koblenz gearbeitet. Zuerst im Kemperhof und später im Standort-Lazarett, immer auf der Isolierstation. Während des Krieges pflegte ich Typhuskranke. 1942 mußte ich nach Ostpreußen. Unsere Krankenstation lag direkt neben dem Führerhauptquartier Rastenburg. Ein Vorteil für uns bestand darin, daß es keine Fliegerangriffe gab. Unser Standort führte aber auch dazu, daß wir die Verletzten des Attentats vom 20. Juli 1944 versorgen mußten. 1945 flüchteten wir dann über Danzig nach Hameln und kamen auf einem Mehlwagen wieder glücklich in Köln an. Von dort ging es weiter nach Trier zu unserem Mutterhaus.

PF: Seit wann sind Sie denn im Ruhestand?

Sie meinen wohl Unruhestand, - seit 10 Jahren – und seit dieser Zeit schmiere ich jeden Morgen um 8,30 Uhr 90 Butterbrote für die Bettler, die an unsere Pforte kommen, denn es ist die Aufgabe unseres Ordens, die Armen, Kranken und Waisen zu betreuen.

Dieses Interview wurde Kirmes-Montag geführt und zum Schluß sagte Schwester Igna:

 „Früher hätten wir an diesem Tag keine Zeit zum Schwatzen gehabt, da hätten wir noch Tischtücher waschen und bügeln müssen, oder die Fahnenspitzen blankputzen, damit abends wieder alles in Ordnung war“.

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 4, August/September 1989
Zur Verfügung gestellt von
Edith Jarzombek / Pfarrarchiv St. Pankratius Oberpleis
Räume & Galerien
Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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