Zwei Jahre Verzögerung bis zur Fertigstellung der ICE-Trasse

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1998

Zwei Jahre Verzögerung bis zur Fertigstellung der ICE-Trasse

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Hans Remig weist darauf hin, dass auch die Bahn sich an den Naturschutz halten muss.

st. Vorläufig gestoppt wurden die Vorbereitungsarbeiten für die ICE-Trasse im südlichen Teil von Königswinter und darüber hinaus bis zur Landesgrenze nach Rheinland Pfalz. Schuld daran sind die EU - Richtlinien für Fauna, Flora und Vogelschutz. Die Bahn muss neu planen. Die geplante Trasse kann so nicht gebaut werden. Das bedeutet für die Inbetriebnahme der Schnellbahn eine Verzögerung von mindestens eineinhalb bis zwei Jahren. Auf keinen Fall kann der geplante Termin 1. Januar 2001 von der Bahn eingehalten werden. Oberkreisdirektor Frithjof Kühn hat Stadtdirektor Heinz- Martin Bernert und Hans Remig von der Vereinigung „Gegen die Schnellbahn im Siebengebirge" von der neuen Entwicklung unterrichtet. Das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde hat die Deutsche Bahn wegen naturschutzrechtlicher Bedenken aufgefordert, den Planungsabschnitt Königswinter - Süd und auch den für Bad Honnef zu überarbeiten.

Hintergrund der Umplanung ist die Berücksichtigung des Naturschutzgebietes Siebengebirge in der Liste FFH-Gebiete (Fauna - Flora - Habitat) der Europäischen Union aus dem Jahre 1992, die besagt, dass die biologische Vielfalt der schützenswerten Landschaften in Europa erhalten werden muss. Bei der Umplanung geht es konkret um eine Verlängerung des Ittenbach - Tunnels sowie um Auflagen zum Bau der Logebachtalbrücke sowie um Fragen des Baustellenverkehrs. Bei einer Besichtigung des bisherigen Trassenverlaufs mit Hans Remig sprach dieser auch von einer Umfahrung oder einer Unterfahrung (Tunnel) des Naturschutzgebietes, das die ICE-Trasse nach den bisherigen Plänen auf einer Länge von etwa 1,6 Kilometer durchquert. Die nördliche Grenze liegt in Höhe der Ittenbacher Kohlstraße, die südliche nahe der Höveler Straße in Aegidienberg. Bei der Berücksichtigung der Planänderung können die Mehrkosten bei 200 Millionen DM liegen. Bei einer Gesamtsumme von etwa acht Milliarden Mark sei dies, wenn es um die Berücksichtigung des Schutzes der Natur, der Tiere und auch der Menschen gehe, aber ein geringer Betrag, so Remig.

Der Oberkreisdirektor, der Stadtdirektor und auch Hans Remig würden es begrüßen, wenn weitere Verbesserungen für den Naturschutz im Siebengebirge erreicht würden. Allerdings sind sie übereinstimmend der Meinung, die Bahn hätte selber zur jetzigen Erkenntnis gelangen können, da die Richtlinien schon seit acht Jahren bestehen. Dann wäre auch der Kompromiss bezüglich der Konsenstrasse überflüssig gewesen. Eine Schwierigkeit komme allerdings jetzt noch hinzu: Durch die Planänderung und die damit verbundene Verzögerung ziehen sich jetzt auch die Bauarbeiten zeitlich länger hin. Zurzeit wird im Südabschnitt von Königswinter nicht mehr gearbeitet. Kühn, Bernert und Remig rechnen beim Baustellenverkehr zudem mit zusätzlichen Belastungen für die Anwohner, ein Baustellenverkehr über den Auelweg konnte allerdings durch hartnäckige Verhandlungen ausgeschlossen werden. Remig: „Jetzt muss die Genehmigungsbehörde beweisen, wie ernst sie den Naturschutz nimmt." Ein Ehepaar aus Bad Honnef hatte die Nichtberücksichtigung der FFH - Richtlinien beim Erörterungstermin Anfang des Jahres ins Gespräch gebracht. Hans Remig: „Diesem Ehepaar ist jetzt die Änderung der Trasse zu verdanken. Endlich finden die jahrelangen Bedenken bezüglich des Schutzes der Landschafts- und Naturschutzgebiete bei der Bahn Gehör." Das Logebachtal zählt zu den schönsten Stellen im Naturschutzgebiet Siebengebirge.

Die bisherige Trasse war bereits abgesteckt. Nun besteht die Hoffnung, dass der Wald nicht durchgehend gerodet wird. Kühn, Bernert und Remig hoffen, dass bei der Umplanung die ursprünglichen Trassenvorschläge des Kreises und der Stadt Königswinter (Schwanhäuser - Plan) in weiten Bereichen realisiert werden. Bei der ursprünglichen Planung hätte durch das Logebachtal eine bis zu 90 Meter breite Schneise in den Wald geschlagen werden müssen. Hans - Georg Zimmermann, Pressesprecher der Deutschen Bahn, erklärte: „Wir sagen nichts. Es ist ein schwebendes Verfahren." Der Pressesprecher des Eisenbahnbundesamtes, Mark Willi, wollte ebenfalls keine Stellungnahme abgeben. Die Schnellbahngegner befürchten, dass die Deutsche Bahn bei der Europäischen Union in Brüssel eine Befreiung von den Vorschriften der FFH - Richtlinie erwirken will.

Dazu Hans Remig: „Bund und Land erwarten von den Bürgern, dass sie die Gesetze und Vorschriften einhalten, dasselbe erwarten wir von Bund und Land und von der Deutschen Bahn." Remig weiter zu der jetzigen Entwicklung bei der ICE- Trasse: „Was jetzt auf dem Tisch liegt, das haben wir schon seit Jahren gepredigt. Das Logebachtal sollte neben der Autobahnbrücke von einer 173 Meter langen ICE - Brücke zusätzlich überspannt werden. Diesem Bereich hätte sich dann der Aegidienberger Tunnel angeschlossen, der eine Länge von 1240 Meter haben sollte. Bei einer Untertunnelung könnte die Natur geschützt werden, und auch in Sachen Lärmschutz könnte eine wesentliche Verbesserung für die Bürger erreicht werden. Unser fast aussichtsloser Kampf gegen die Behörden hat sich nun nach zehn Jahren gelohnt."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 30 vom 23. 07.1998
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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