1832 wurde auf dem heutigen Parkplatz an der Pfarrkirche Sankt Pankratius und dem Platz vor dem Ehrenmal eine neue Schule errichtet

Aufnahme: 1996 (Bericht)

1832 wurde auf dem heutigen Parkplatz an der Pfarrkirche Sankt Pankratius und dem Platz vor dem Ehrenmal eine neue Schule errichtet

Das Oberpleiser Schulwesen in den Jahren 1820 bis 1850

Unser Archivbild zeigt die Anfänge der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaute vierklassige Volksschule, die auf dem Platz vor dem heutigen Ehrenmal gestanden hat. Sie wurde 1912 abgerissen. Eine Hälfte der Schule wurde am Wege zur Hardt in Oberpleis als Wohnhaus wieder aufgebaut. Das im Fachwerkstil erbaute Schulgebäude war außen mit grün gestrichenen Brettern verkleidet. Durch den Haupteingang gelangte man in einen dunklen Flur, von dem aus je rechts und links ein Klassenzimmer lag. Im Obergeschoß befanden sich ebenfalls zwei Klassenräume.

Beim Quellenstudium für die Chronik von Thomasberg, „Die Strüch", herausgegeben vom dortigen Bürgerverein im November 1993, bin ich, leider etwas zu spät, auf eine Akte im Hauptstaatsarchiv des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ge­stoßen (Reg. Köln Nr. 3162), die etwas Licht in das Oberpleiser Schulwesen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bringt. An sich hätte dieses Kapitel auch gut in die Thomasberger Orts-Chronik gepaßt, denn damals gehörten die Dörfer auf der Strüch noch zum Schulbezirk Oberpleis, auch wenn einige ihre Kinder aus Platzgründen nach Heisterbacherrott schicken mußten. Doch leider fiel mir die genannte Akte erst nach „Redaktionsschluß" in die Hände. Darum finde ich es gut, daß mir die Siebengebirgs-Zeitung den Raum gibt, die gewonnenen Erkenntnisse an dieser Stelle zu veröffentlichen und so vor dem Vergessenwerden zu bewahren.

Wir beginnen mit dem Jahr 1819. Damals verwaiste die Schul­vikarie, die bis 1813 vom nachmaligen Pfarrer von Oberpleis J. W. Stricker versehen und dann an den neuen Schulvicar Johann Peter Harnbach übergeben worden war. Harnbach wurde 1818 nach Bödingen versetzt. Eine zweimalige Ausschreibung der hierdurch freigewordenen Stelle eines Schulvicars in Oberpleis blieb ergebnislos. Ob die Ausschreibung „Der Vicar hat an Sonn- und Feiertagen die Frühmesse zu halten, einige Aushilfen in der Seelsorge zu leisten und der Schule, wobei zugleich ein Unterlehrer angestellt ist, vorzustehen. Das Einkommen besteht außer freier Wohnung und Garten in einem festen Gehalt von 192 Reichstalern, 9 Groschen, 2 Pfennigen, nebst einer zufälligen Einnahme von 183 Reichstalern, 18 Groschen, im Ganzen 375 Reichstalern, 27 Groschen, 2 Pfennige". Ob es nicht genug Anreiz bot oder ob Oberpleis für gelernte Schulvicare zu weit „hinter dem Mond" lag, muß man raten. Jedenfalls wurde 1821 statt eines Schulvicars ein „geprüfter Laie", nämlich der Lehrer Heinrich Limbach, als Leiter der Schule eingesetzt. Lehrer Limbach blieb fast 15 Jahre. (1835 wurde Limbach nach Aegidienberg versetzt, sozusagen im Austausch gegen den dortigen Lehrer Dams). Für den Seelsorgebereich kam 1823 ein „Curatvicar", nämlich Johann Anton Gronsdorf, hierhin. (Gronsdorf wurde 1833 Pfarrer in Happerschoß, sein Nachfolger als Curatvicar war Johann Adolf Müller, ab 11. 5. 1833).

Ende 1831 hieß es in einem Bericht des Landrats zu Hennef an die Kgl. Regierung, daß schon 1829 die Anstellung eines Unterlehrers in Oberpleis angeordnet worden sei, zugleich die Anmietung eines Schulzimmers, damit regelmäßiger Schulbesuch ein­geführt werden könne. Wörtlich weiter: „Da auf die mehrmaligen Anträge wegen Erbauung eines Lehrerzimmers bei der Schule zu Oberpleis noch keine höhere Bestimmung eingegangen ist, so hat man zur einstweiligen Befriedigung dieses Bedüfnisses einen Vertrag mit Vicar Gronsfeld ... abgeschlossen." Dieser Vertrag „wegen Überlassung eines Saales zum Schulzimmer, der 22 Fuß lang, 15 2/3 breit und 15 1/4 preuß. Fuß hoch und der geräumigste im ganzen Dorf Oberpleis" war, sollte gelten, bis die Gemeinde ein neues Schulhaus gebaut hat. Die Miete betrug 24 Thaler jährlich. 1832 wurde Johann Peter Ansbach aus lttenbach zum Unter­lehrer an der Schule zu Oberpleis ernannt. Den Antrag hierfür unterschrieben die Mitglieder des Schulvorstandes  Pfarrer Stricker, Bellinghausen und Dresen. 1835 beantragte man, den mit Genehmigung des Schulpflegers Pfarrer Scheurer aus Honnef seit dem 1. Oktober 1834 „fungierenden" Präparanden Peter Josef Friedrichs weiter beschäftigen und bezahlen zu dürfen, „... indem die Anstellung eines Prä­paranden nicht länger zu umgehen war, indem dem Unterlehrer 250 Kinder überwiesen worden, die er kaum einen halben Tag zählen, viel weniger denselben einen gehörigen Unterricht erteilen könnte." Im selben Jahr begann, der Oberpleiser Kirchenzeitung zufolge, der Neubau eines Schulhauses mit vier Klassen.


1836 wurde, wie schon erwähnt, „nach Abzug des Lehrers Heinrich Limbach" die vakante Lehrerstelle zu Oberpleis dem bisherigen stellvertr. Lehrer H. Dams zu Aegidienberg übertragen. Dams blieb aber, der bereits zitierten Oberpleiser Kirchenzeitung zufolge, nur bis 1837.

Ebenfalls 1836 befaßten sich Bürgermeister Fröhlich und die Adjuncten Lichtenberg und Bellinghausen mit einem Revisions­bericht vom 16. 11. 1834 betr. die Anschaffung von Bänken und Pulten, in dem es u.a. hieß: „... indem der größte Theil der Kinder in den Kleinkinderschulen wegen Mangel an Bänken auf der bloßen Erde Platz nehmen müssen." Weiter befand man, daß es unumgänglich nötig sei, den Präparanden Peter Josef Friedrichs beizubehalten, weil ,,480 bis 500 Kinder unmöglich von drei Lehrern unterrichtet werden können." Das müssen schon erbarmungswürdige Zustände gewesen sein. Diesen Eindruck verstärkt noch ein Zeitungsbericht des Siegkreises vom November 1836. Unter der Überschrift „Wohltätigkeit und Menschlichkeit" wird berichtet: „Wohlgemeinte Einwohner des Dorfes Oberpleis beköstigen unentgeltlich 40 arme Schulkinder aus den entfernt liegenden Ortschaften des Schulbezirks, um denselben den Schulbesuch möglich zu machen, besonders bei schlechtem Wetter zur Winterszeit. Hennef, 26. November 1836, Landrath (gez. Scheven)". Ich habe keinen Zweifel, daß die wohltätig beköstigten Kinder aus entfernt lie­genden Ortschaften zum größten Teil von der Strüch kamen.

1837 hieß es in einem Bericht betr. die Anstellung eines 2. Un­terlehrers: „Da wegen der geringen mit dieser Stelle verbundenen Besoldung keine Hoffnung vorhanden war, daß sich ein im Seminar  gebildeter  Schulanwärter-Candidat  melden würde, ..." wurde kurzerhand der Präparand Peter Josef Friedrichs, geb. 28. 3. 1818, Sohn des „hierselbst verstorbenen Lehrers Peter Friedrichs", in Vorschlag gebracht. Im selben Jahr bewarb sich der Lehrer Koers um die Oberlehrerstelle in Oberpleis. Die Stelle war frei geworden,  weil „Oberlehrer Limbach abgegangen war" (lt. Kirchenzeitung, Jahrgang 1935 war Koers schon seit 1832 in Oberpleis als Unterlehrer tätig. Das ist aus den alten Akten aber nicht zweifelsfrei erkennbar). In den Unterlagen heißt es, daß Koers gute Zeugnisse von den Schulen in Lützenkirchen, Refrath und Lennep hatte. Das ist bemerkenswert, denn der Schulpfleger, Pfarrer Scheurer aus Honnef fragte besorgt an, er habe gehört, daß Koers dem Trunke verfallen sei. Offenbar war das aber zumindest nicht offensichtlich, denn Koers wurde am 26. 12. 1837 als Oberlehrer angestellt. Im mehrseitigen Anstellungsschreiben heißt es: „Koers übernimmt die Knabenschule zu Oberpleis, zu deren Bezirk die Ortschaften und Höfe der Gemeinden Oberpleis, Wahlfeld, Berghausen und Hasenpohl (außer den Dörfern Bennerscheid, Bennert, Wiese und Willmerodt) gehören." Weiter wurde bestimmt, Koers habe täglich 6 Stunden (außer Sonntag und Sonnabendnachmittag) zu unterrichten sowie „dem für die Schule be­stimmten Gottesdienste regelmäßig beizuwohnen sowie die Kinder zur Kirche zu führen und dort für Ruhe und anständige Beiwohnung des Gottesdienstes zu sorgen".

Als Ferien wurden für die Oberpleiser Schule festgelegt: 14Tage nach Ostern und 14 Tage im Oktober. „Auch können die ersten 14 Tage bis zur Ernte ausgesetzt werden." Man sieht, die Ferien dienten in erster Linie dazu, die Kinder als Erntehelfer freizustellen. Die Zahl der durchschnittlich dem Lehrer zu überweisenden Kindern wird mit 100 bis 120 angegeben. Weiter wurde Lehrer Koers verpflichtet, monatlich dem Pfarrer „und nach strenger Controlle" der Liste, die nach dem Taufbuch zu erstellen sei (vermutlich war das die Liste der schulpflichtigen Kinder), dem Schulvorstand über den Schulbesuch zu berichten. Außerdem habe Koers

- bei Entlassungsprüfungen dem die Prüfung leitenden Pfarrer mit genauesten Notizen über Betragen, Fleiß und Fortschritte zu helfen;

-für tägliche Lüftung sowie Heizung und Reinigung sowie einmal jährlich für das „Ausweißen der Schulzimmer" zu sorgen.

Zugesichert wurde ihm für das alles: freies Wohnen im Schulhaus (drei Zimmer, Küche), freie Schulgartenbenutzung, ein Schulgeld von 123 Thaler, 11 Sgr, 3 Pf in vierteljährlichen Raten aus der Communalkasse, für den Unterricht der Armenkinder den Betrag von 11 Thaler und als fixe Besoldung 65 Thlr, 18Sgr, 9 Pf.

Wohl kein anderes Dokument in dieser Akte (Nr. 3162) beleuchtet die Verhältnisse im Schulwesen von Oberpleis in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts so plastisch wie diese Anstellungsverfügung. Darum verzeihe man mir die umfängliche Wiedergabe der Einzelheiten. 1839 verstarb der Unterlehrer der Knabenschule, Wilhelm Schulte, „plötzlich in Remscheid". Bürgermeister Fröhlich schlug vor, auf dessen Stelle den Hilfslehrer Friedrichs zu setzen und für diesen den Präparanden Besgen nachrücken zu lassen. Am 25.11.1839 teilte der Landrat dem Regierungspräsidenten mit, daß man diesem Vorschlag folge; außerdem wurde für die Anstellung eines zweiten Lehrers an der Knabenschule Oberpleis der Lehrer Peter Jakobs aus Stieldorf vorgeschlagen.

1842 verließ P. J. Jakobs die Oberpleiser Schule. Zuvor waren dem P. J. Friedrichs die erste und dem Wilhelm Besgen die zweite Unterlehrerstelle übertragen worden. 1843 beantragte Friedrichs eine Gehaltsaufbesserung, weil er 120 Thaler für das Unterrichten von 112 Kindern für zu gering hielt, wo er jetzt auch noch die 93 Kinder des Herrn Besgen übernehmen müsse, weil der „am 7.2.1843 vom Schulfach zurücktrat". Friedrichs hörte dann am 10.2.1844 ebenfalls auf. Ob sein Antrag kein Gehör gefunden hatte oder ob ihm die Arbeit zuviel geworden war, verraten die Akten nicht. Für die beiden Abgänger rückten „einstweilen" die Präparanden Heinrich Sender aus Bonn und Wilhelm Winterseheid aus Holzlar nach. Winterscheid schied 1845 wieder aus. Als Ersatz für ihn wurde aus einem Kreis von drei Bewerbern der Th. Zimmermann aus Birk ausgewählt. Nach zwei Jahren, also 1847, nahm Hilfslehrer Zimmermann seinen Abschied, ihm folgte der Präparand Peter Marqua aus Bödingen.

1848 wurden Klagen laut gegen die Lehrerin Altstadt. Man bezichtigte sie der Überschreitung des Züchtigungsrechts, der Einziehung von Geldern von den Kindern ohne Verwendungsnachweis und des Umgangs mit „Mannsbildern zweifelhaften Rufes". Die letztere Anschuldigung war auch schon früher erhoben, aber von der Aufsichtsbehörde als fragwürdig abgetan worden. Jetzt erhielt die Lehrerin eine Verwarnung wegen der Überschreitung des Züchtigungsrechts. Außerdem wurde ihr aufgetragen, ihre Schulden abzutragen und sich des gerügten Umgangs zu enthalten. An die Stelle der Lehrerin Altstadt trat 1856 die Lehrerin Heusch. Ebenfalls 1848 entfachte der Unterlehrer Marqua einen Streit mit Bürgermeister Heuser wegen einer restlichen Gehaltszahlung, die er nach seinem Ausscheiden noch bekommen wollte. Heuser hatte einfach weniger auszahlen lassen. Wenn man bedenkt, daß die in den Akten genannten Gehaltssummen, aufgebessert um Schulgeldanteile, offenkundig Jahressummen waren, zahlbar in vierteljährlichen Raten, dann kann man den häufigen Abgang von Lehrern wohl verstehen, insbesondere bei diesen Schülerzahlen. So allmählich schließt jetzt die Akte Nr. 3162 aus dem Hauptstaatsarchiv, und 1865 mußte die Oberpleiser Schule eine Klasse „eingehen lassen", weil am 1. Mai 1865 ein neuer Schulbezirk gegründet wurde, der Schulbezirk Kuxenberg.

PS: Beim Studium des von der Kreissparkasse Oberpleis im November 1995 herausgegebenen Büchleins „Leben in und um Oberpleis" von K. H. Uhlenbroch stieß ich auf Seite 30 auf den Abschnitt „In memoriam Pfarrer Stricker", und erstmals fiel mir da auf, daß in der Thomasberger Chronik „Die Strüch" der Vorname von Pfarrer Stricker, der gemeinhin als Begründer des Oberpleiser Schulwesens gilt, falsch angegeben ist. Er hieß richtig Johann Wilhelm, nicht Friedrich Wilhelm. (Zu meiner Entschuldigung kann ich anführen, daß dieser Fehler bereits in der Ausarbeitung steckte, die ich von fachkundiger Seite als Arbeitsmaterial für besagte Chronik erhalten hatte). Im übrigen fand Pfarrer Willi Müller heraus, daß auch schon einige Vorfahren Strickers in Oberpleis pädagogisch tätig waren, so z. B. der Johann Bernhard Stricker, der im Sterberegister von 1743 (9.7.1743) als „Offermann und Ludimagister" (Küster und Schulmeister) eingetragen ist. Und 1752 bezeichnete sich ein früherer Johann Wilhelm Stricker in einem handgeschriebenen Rechenbuch als „Offermann und Magister". Offensichtlich bildete also der 1771 geborene und 1834 gestorbene J. W. Stricker, Pfarrer in Oberpleis von 1813 bis 1834, nur den End- und Höhepunkt einer das ganze 18. Jahrhundert durchziehenden Stricker-Dynastie, die, ansässig in Boseroth, sich dem Oberpleiser Schulwesen verschrieben hatte.

Willi Schmidt

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung vom 01.02. und 08.02.1996; Bericht: Willi Schmidt
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Rudolf Pieper (SZ) Kriegerehrenmal in Oberpleis - Zur Schrift: "VOM SCHULWESEN ÄLTERER ZEIT" - Original-Foto von 1912
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