Aufnahme: 1993
Die Schule - Tempel aller Religionen
st. „Unsere Schule - eine kleine Welt". Unter diesem Motto wollen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a der Hauptschule Oberpleis zum Ausdruck bringen, daß Schüler verschiedener Nationalitäten und Religionen auch ohne Aggression auf engem Raum miteinander leben können. Klassensprecher Markus Mattheis sagte bei der Eröffnung einer kleinen Schau, man wolle zur momentanen politischen Lage, zum Rassismus, mit dieser Arbeit ein kleines Zeichen setzen. Die Schule wurde in der Darstellung nicht als grauer, einfallsloser Kasten nachgebaut, sondern als ein bunter, fantasievoller Synagogenstern, als christliches Kreuz, türkischer Halbmond und einem Zwiebelturm, wie man ihn auf russischen Kirchen sieht.
Das „Haus" ist aus Pappmasche, aus Ton und durch ein Drahtgestell zusammengehalten. Die Figuren aus Ton wurden in den Farben ihrer Nationen bemalt und stellen die Schüler dar. In der Hauptschule Oberpleis werden Schülerinnen und Schüler aus 17 Nationen unterrichtet, allein in der Klasse 9 a sind fünf Nationalitäten vertreten. Vera Damer aus Moldawien sagte in ihrer Einführung: „Wir denken, daß es sehr gut ist, daß wir sowas in der Schule machen, wo fast alle Religionen, Nationalitäten und Kulturen vertreten sind. Wir denken auch, daß die Leute freundlicher zu den anderen Nationalitäten sein sollen, weil freundliche Leute die besten Leute auf der ganzen Welt sind. Zeit ist ganz wichtig für alle Menschen. Wenn es keine Freunde gäbe, würde überall Krieg sein und das zerstört die ganze Kultur. Das darf aber nicht passieren."
Schließlich ergriff auch noch der türkische Mitschüler Selcuk Özer das Wort. Er sagte, daß die Türken Deutschland als zweites Mutterland betrachtet hätten. Aber nach den Ereignissen von Mölln befürchte man den Rechtsradikalismus und man fühle sich unsicher. „Wir hoffen, daß diese Angriffe gestoppt werden und wir wieder in Frieden in Deutschland leben können ." Selcuk wünschte sich auch, daß die Deutschen die türkischen Feiertage mit den Türken zusammen feiern. Auch nach den Ereignissen von Mölln fühle man sich an der Schule nicht fremd. „Wir haben und hegen Freundschaften mit deutschen Schülerinnen und Schülern."
Angeregt wurde die Klasse zu ihrem Werk durch einen Besuch bei der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle in Bonn. Durchgeführt und begleitet haben die Arbeit am „Schulgebäude als Tempel aller Religionen" in drei Monaten die Lehrerin Veronika Holzbach und die Lehramtsanwärterin Annette Holthaus. Bürgermeister Herbert Krämer begrüßte die Aktion der jungen Menschen. Die Stadt Königswinter werde die Solidarität der Schüler und Schülerinnen mit den ausländischen Mitbürgern unterstützen. Das gleiche Thema wurde im Religionsunterricht mit der Lehrerin Beate Eberhardt behandelt. Man schuf Plakate mit den Aufschriften „Du sollst nicht töten", „Stopp dem Rassismus". „Heute die, morgen die" und „Wir Deutsche sind auch Ausländer in 178 Ländern". An der Schau beteiligte sich auch die Klasse 10c. Dort wurden unter der Leitung von Heidrun Martenson Figuren hergestellt, die das Lebensgefühl der Schülerinnen und Schüler zum Ausdruck bringen sollen.
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