Abgebildete Personen
Aufnahme: 1993
Die Asylproblematik vor dem „Schüler-Stadtrat"
st. Bürgermeister Herbert Krämer wird niemand vorwerfen können, er habe in Sachen Asylproblematik und Ausländerfeindlichkeit zu wenig Information betrieben: Nach Schülern der Hauptschule hatte er jetzt Gymnasiasten der Jahrgangsstufe 11 mit ihrem Lehrer, Studienrat Manfred Fömer, in den Oberpleiser Rathaussaal geladen, um über die Asylpolitik im allgemeinen und die speziell Königswinter betreffende Problematik zu diskutieren. Was tun, wenn per Fax kurzfristig 20 Asylanten ankündigt, Unterbringungsmöglichkeiten kaum vorhanden und neue Heime erst in Planung bzw. Bau sind? Die Ratsmitglieder, meinte ein Schüler unter Zustimmung anderer, hätten doch sicher Gästezimmer als kurz- oder mittelfristige Lösung der Quartierproblems. Als der Bürgermeister die Schüler bat, „als Rat der Stadt zu beraten", war es immerhin noch einer, der diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung zog. Herbert Krämers Fazit: „Besseres als dem Rat fiel Euch auch nicht ein“.
Indes machte sich die Gesprächsrunde Gedanken darüber, wie der Flüchtlingsstrom in der Welt zu stoppen sei, um den Druck auf Länder wie Deutschland zu entschärfen: Keineswegs könnten alle Probleme mit Truppen gelöst werden (Somalia). Die eigentlichen Ursachen lägen in der Wirtschaftsordnung. Die Dritte Welt erhalte als Rohstofflieferant einen Hungerlohn. Die reichen Länder müßten lernen, an Wohlstand zurückzustecken. Auf Dauer werde es in der Welt nur Frieden geben, wenn die nachfolgenden Generationen es schaffen, in etwa überall gleiche wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen. Dies aber gehe - und damit müsse man sich abfinden - eindeutig auf Kosten von uns allen". Plädiert wurde dafür, an die Bevölkerung von Königswinter zu appellieren, Asylanten und Flüchtlinge solange privat aufzunehmen, bis die geplanten Ausländerheime fertiggestellt sind. Außerdem wäre zu überlegen, die praktischen Erfahrungen kirchlicher Organisationen oder der Initiativen gegen Ausländerfeindlichkeit bei der Lösung der Probleme zu nutzen.
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