Aufnahme: 1992
Europa im Theater inszeniert
st. Die Theater-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums am Ölberg in Oberpleis führte passend zur viel diskutierten Einführung des europäischen Binnenmarktes in der Aula des Schulzentrums das von Georg Kaiser 1915 geschriebene und 1920 in Berlin mit Heinrich George in der Hauptrolle uraufgeführte Bühnenstück „Europa" auf. Es ist ein expressionistisches Werk um den alten Mythos von der Entstehung eines Kontinents und den sich darum rankenden Geschehnissen. Die vielgestaltigen Probleme, die sich daraus ergeben, haben bis heute an Aktualität nichts verloren. Mehr als ein Jahr lang wurde dieses Stück eingeprobt. Die Regie führten Dieter Grundei und Werner Paus. Kulissen und Kostüme wurden in Eigeninitiative und auch mit Hilfe von Eltern angefertigt. Das Stück ist ein Spiel mit Tanz in fünf Aufzügen. Der Göttervater Zeus, der Langeweile seines göttlichen Daseins überdrüssig, hat sich mit seinem Diener Hermes in einer Wolke auf die Erde herabgelassen. Sein ganzes Streben ist das süße Abenteuer Mensch. Es ist das Land des Königs Agenor, in dem sie niedergegangen sind.
König Agenor herrscht in einem Reich des Friedens, der im Laufe von zwei Menschenaltern planmäßig herbeigeführt wurde: Alles Grobkantige in der Natur wurde geglättet. Jeder laute Ton ist verbannt. Jede ungefüge Gebärde gelähmt. Hast ist besänftigt und Lärm ist gedämpft. Von den Männern dieses Reiches hört Zeus zum ersten mal den Namen Europa, welcher hinfort sein ganzes Streben und Trachten bestimmt. Aber einer der Männer, Eumelos, der Europa seit je noch am nächsten stand, ertränkt sich im Meer. Selbst der Tanz des Zeus, in welchem dieser seine ganze göttliche Macht aufbietet, findet vor Europa und ihren Mädchen keinen Gefallen. Die Vorführung endet mit einer schmachvollen Flucht des Göttervaters.
Was Europa wirklich will und was ihr wohl bisher auch nicht klar war, wird erst deutlich, als Zeus sich an ihr für die erlittene Schmach zu rächen versucht, indem er sich in einen grobschlächtigen Stier verwandelt und sie entführt. Europa findet Gefallen an ihm und nach ihrer Rückkehr erscheint sie völlig verwandelt: Sie begrüßt die kriegerischen Boten ihres Bruders Kadmos, der schon frühzeitig vor den Friedensvorstellungen seines Vaters das Weite gesucht hatte, freudig. Sie beschließt samt ihrer Gespielinnen mit ihnen zu ziehen in ein Land, das nach ihr seinen Namen erhalten soll. In dem Stück spielen etwa 30 Personen. Die Hauptrollen: Agenor (Peter Grozhe), Europa (Kirsty Clark), Zeus (Joel WilIers), Hermes (Sascha Brengmann) und Eumelos (Christian Koch).
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