Aufnahme: 1992
Tag der Offenen Tür im Haus Maranatha (Burg Niederbach)
fst. Der Verein Maranatha , CVJM-Zentrum für Seelsorge und Lebenshilfe e.V., hatte am Sonntag, den 17. Mai zu einem Tag der Offenen Tür in die Burg Niederbach in Königswinter Oberpleis eingeladen. Der gesamten Bevölkerung von Königswinter und Umgebung war die Möglichkeit gegeben, sich ausführlich über die Rehabilitationsarbeit zu informieren und die inzwischen vollständig renovierte Burg Niederbach zu besichtigen. Stolz führte Hans Wiedenmann, Sozialtherapeut und Leiter des Hauses Oberpleis, die Besucher durch die ehemalige Wasserburg Niederbach, einen Besitz der Gräflich von Spee'schen Verwaltung, Düsseldorf. Es ist beachtlich, was hier von den Gästen des Hauses Maranatha und den Betreuern in den letzten viereinhalb Jahren geleistet wurde. Fast sämtliche Renovierungsarbeiten wurden im Rahmen der Arbeitstherapie in Eigenleistung durchgeführt. Wer die Burg aus früheren Zeiten kannte, weiß, was das bedeutet. So mußten z.B. sämtliche Leitungen neu verlegt und Fußböden ausgetauscht werden. Fachleute könnten es nicht besser machen. „Und das'', so betont Hans Wiedenmann, „fast ohne öffentliche Geldmittel, über 90 % der erforderlichen 350000 Mark sind gespendet worden." Zuversichtlich erklärt Arbeitsherapeut Gerd Berger die Architektenpläne über den Umbau des Nebengebäudes. Hier sollen u. a. neue Therapieplätze, eine Tischlerei und eine Töpferei entstehen.
Die Gästezahl soll durch den Umbau von sechs auf zehn erhöht werden. Auch hier wird alles in Eigenleistung aufgebaut. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Ebenfalls ein großes Ziel, eigen gefertigte Kleiderbügel, kunstvolle Steine und sogar Steppdecken mit Wolle von eigenen Schafen waren käuflich zu erwerben. Mit Kaffee, Kuchen und alkoholfreien Getränken war für das leibliche Wohl gesorgt. Wirtschafterin Annerose Sommer und ihre Helfer hatten sich große Mühe gemacht. Kinder konnten an einem Luftballonwettbewerb teilnehmen und sich an den Ball-, Dosen- und Kegelspielen erfreuen. Zahlreiche Kinder von Oberpleis machten dann auch ausgiebig Gebrauch von dem Angebot. Es war ein großes Anliegen des Hauses Maranatha, die Bevölkerung über die Rehabilitationsarbeit zu informieren. Das Haus bietet jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die mit ihrem Leben eigenständig nicht mehr klarkommen, Hilfe. Zum Therapieangebot gehören neben der familienähnlichen Hausgemeinschaft die therapeutische Beratung und Seelsorge in Form von wöchentlichen Einzel- und täglichen Gruppengesprächen sowie praktischer Arbeit (Renovierungsarbeiten, Tierpflege, Gartenarbeit und Hauswirtschaft) und Sport. So muß jeder Gast (so werden die Hilfesuchenden genannt) die Küchenarbeit von der Pike auf lernen. Die Therapie dauert in der Regel sechs bis neun Monate. Das fachlich qualifizierte Therapieangebot ist bewußt christlich ausgerichtet, jedoch konfessionell nicht gebunden.
Die Gäste kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Derzeit liegen auch Anfragen von jungen Menschen aus den neuen Bundesländern vor. Kriterium für eine Aufnahme ist ihre Bereitschaft, sich mit ihrer Problematik intensiv auseinanderzusetzen. Die Finanzierung der Rehabilitationsarbeit wird ausschließlich über Spenden vorgenommen. Diese Spenden werden von einem Freundeskreis und von den Mitgliedern aufgebracht. Der Freundeskreis von Haus Maranatha traf sich zum ersten Freundestreffen am Samstag, dem 16. Mai 1992. Stadtmissionarin Heide Kraus, Berlin, sprach über das Thema: „Wie lernen wir es, seelsorgerisch aufeinander ein und miteinander umzugehen?" Den Lob- und Dankgottesdienst hielt Superintendent Dr. Rainer Stuhlmann, Siegburg. Glücklich ist Leiter Hans Wiedenmann auch über die hohen Heilerfolge. So verweist er stolz auf den Besuch von sechs ehemaligen Gästen zum ersten Freundes treffen, von denen fünf jetzt ohne jegliche Probleme leben. Zu fast 80 % der ehemaligen Gäste besteht noch ein lockerer Kontakt. Aus diesen Kontakten wird deutlich, daß bei knapp 75 % der Aufenthalt im Haus Maranatha zu einer Stabilisierung oder Verbesserung der Lebenssituation beigetragen hat.
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