Generalversammlung der ICE-Schnellbahngegner

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1992

Generalversammlung der ICE-Schnellbahngegner

st. "Wir wissen nicht, was im Januar 1993 auf den Tisch gelegt wird. Aber wir vermuten, daß das Entgegenkommen der Deutschen Bundesbahn nicht sehr groß sein wird", sagte Hans Remig bei der Generalversammlung des Vereins „Gegen die Schnellbahn im Siebengebirge". In Kürze gehe den Städten und Gemeinden ein rund 200 Seiten starkes Buch zu. Rund 40 Mitglieder der Bürgerinitiative waren kurz vor Jahresende zur Generalversammlung in den „Tannenhof" bei Oberpleis gekommen. Beim Erörterungstermin für den rheinland-pfälzischen Streckenabschnitt in Ransbach-Baumbach. Anfang Dezember habe der Leiter der Neubauprojekt-Abteilung bei der Kölner Bundesbahndirektion, Wilfried Zieße, die Kosten der gesamten Neubaustrecke mit 6,5 Miliarden DM veranschlagt. Remig zweifelte diesen Betrag an. Er rechnet mit acht Milliarden. Nach seiner Erkenntnis zeichnet sich zudem jetzt deutlich ab, daß die Bahn nicht mehr in der Terminplanung liegt. Ursprünglich, so Remig, sollte die Bahn zu den vom Regierungspräsidenten zusammengefaßten Einwendungen der Kommunen und Bürger nämlich schon Anfang Dezember 1992 Stellung nehmen. Remig schreibt die Verzögerung nicht zuletzt der großen Zahl von Einwendungen zu. Aus Königswinter seien 700, aus Bad Honnef 355 Einwendungen gekommen, dazu 1228 Sammeleinwendungen bzw. Unterschriften aus den beiden Städten.

Remigs Stellvertreter, Karl­ Heinz Bellinghausen, riet, an den Erörterungsterminen, falls sie öffentlich seien, teilzunehmen. Es seien nämlich Trassenabänderungen im Gespräch, so in Rauschendorf, in Sonderbusch, in Bellinghausen und im Logebachtal. Dabei seien u.a. Interessenkonflikte zwischen Grundwasserschautz und Lärmschutz der Anwohner absehbar. Der Verein„Gegen die Schnellbahn im Siebengebirge" hat 542 Mitglieder. Damit ist Hans Remig aber noch nicht zufrieden. Es könnten noch mehr sein, meinte er. Glatt und einvernehmlich verlief auch die Vorstandswahl. Hans Remig bleibt Vorsitzender, seine Stellvertreter sind Karl-Heinz Bellinghausen und Monika Kurtsiefer, die ihrem Mann im Amt nachfolgt. Schriftführerin bleibt Veronika Dunkel, Kassenwart ist Uwe Dunkel und Beisitzer sind: Robert Scheithe, Rolf Kurtsiefe Klaus Goldbecker, Dr. Karl­ Heinz Weiner, Brigitte Barcaitis und Dr. Petra Schaefer.

Die Kase werden Johannes Hochstetter und Trutz-Dieter Seidler prüfen. Dr. Karl-Heinz Weiner wollte eine Umbenennung der Initiative. Sie sollte sich nicht nur „Gegen die Schnellbahn" nennen. Sein Vorschlag: „und vertritt die Interessen der Bevölkerung". Doch die Mehrzahl der Versammelten wollten es vorerst beim alten Namen belassen. Später könne man ja nochmals darüber reden. Im Übrigen sei man nicht für das Florians Prinzip. Der Verein trägt ja den Untertitel „Schutz der Natur, der Landschaft und der betroffenen Bürger". Die Mitglieder forderten einen Finanzierbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweis unter voller Berücksichtigung der Umweltbelange. Dabei seien die gestiegenen Kapitalkosten beim gegenwärtigen Zinsniveau zu berücksichtigen. Die Beeinträchtigung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten sei generell zu vermeiden. Nirgendwo in schutzwürdigen Bereichen dürfe es zu einer Lärmmehrbelastung kommen. Im vergangenen Jahr hatte die Vereinigung 105 Termine wahrzunehmen. Zum Abschluß der Generalversammlung aßen dann die Mitglieder den ICE einfach auf: Die 2,50 Meter lange Hefeteig-Schnellbahn hatte Bäcker Schlimbach aus Aegidienberg gebacken.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 53 vom 30.12.1992; Foto und Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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