Aufnahme: 1990
Zur Geschichte der Realschule Oberpleis - Christian Schenkelberg hatte die Idee
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
st. Der heute 92jährige Christian Schenkelberg war der eigentliche Initiator der Realschule in Oberpleis. So bezeichnete er denn auch in einem Gespräch die Schule als „seine" Realschule. Bald nach dem zweiten Weltkrieg hatte Christian Schenkelberg begonnen, sich für die Errichtung einer Realschule in Oberpleis einzusetzen. Es dauerte aber noch 20 Jahre, bis die Einrichtung stand. In all diesen Jahren wurde in der Bevölkerung immer wieder die Frage nach einer Realschule gestellt. Der Oberpleiser Christian Schenkelberg hatte sich als Lehrer von Köln zur Realschule nach Königswinter gemeldet, damals der einzigen Realschule im Siebengebirgsraum. Der seinerzeitige Oberpleiser Bürgermeister Anton Weber und die Kommunalpolitiker waren für eine Realschule in Oberpleis. Mit ihnen auch viele Eltern, die eine weiterführende Schule befürworteten.
Im Jahre 1965 wurde der Plan verwirklicht, und Christian Schenkelberg unterrichtete nach seiner Pensionierung noch zehn Jahre an der neu gegründeten Schule und an der Aufbaurealschule für Spätaussiedler im Fach Englisch. Wegen des Neubaues der Volksschulen im gesamten Oberpleiser Raum, die durch Kriegseinwirkungen zerstört oder beschädigt worden waren, konnte nicht sofort nach dem Krieg an die Errichtung einer weiterführenden Schule gedacht werden. Kinder und Jugendliche mussten deshalb nach Siegburg, Bonn oder Königswinter fahren. Im Jahre 1963 nahm der Plan einer Realschule dann Gestalt an, als Walter Christoffel im damaligen Rat der Gemeinde Oberpleis am 27. Mai den Antrag auf Errichtung einer Aufbauschule mit mittlerer Reife stellte. Im Dezember desselben Jahres war es dann der Gemeindevertreter Hans Weingartz aus Eudenbach, der die Einrichtung einer Realschule zu Ostern 1964 beantragte, wobei Latein als Wahlfach angeboten werden sollte.
Am 28. Januar 1964 beschloss der Gemeinderat einstimmig den Bau einer Realschule, allerdings reichte es nicht mehr für den Schulbeginn Ostern 1964. Nach der Wahl von Ewald Kaiser zum Leiter der neuen Schule begann die Lehrtätigkeit am 22. April 1965 zunächst in provisorischen Räumen. Architekt Goergen aus Köln wurde von der Gemeinde Oberpleis mit dem Bau der neuen Schule beauftragt. Zunächst sollten sechs Klassen mit den notwendigen Verwaltungsräumen und ein Lehrerzimmer in einem ersten Bauabschnitt erstellt werden. An einem schönen Herbsttag im Oktober 1966 wurde mit dem Neubau auf einem Wiesengrundstück an der Dollendorfer Straße begonnen. Doch gab es Schwierigkeiten über Schwierigkeiten. Der Baugrund erwies sich als ungeeignet. So mussten zunächst dicke Bodenstahlbetonplatten gelegt werden.
Dann erwies es sich, dass noch eine Stützmauer errichtet werden musste. Was niemand ahnte: In der Böschung lag das Trägerfrequenzkabel der Haupttelefonleitung Köln-Frankfurt, und das hatte ein Bagger erwischt. Weitere Verzögerungen ergaben sich durch einen Sturm, und ein wochenlanger Streik der Fliesenleger kam dazu. Trotz alledem war der erste Bauabschnitt im September 1967 fertiggestellt. Es folgten drei weitere Bauabschnitte. Der letzte wurde 1973 fertiggestellt. Bis zur Inbetriebnahme des ersten Bauabschnittes waren die Klassen von 1965 bis 1967 in verschiedenen Provisorien untergebracht. Dem ersten Rektor, Ewald Kaiser, der sich ganz für die Schule aufopferte und der sehr beliebt war, ist es zu verdanken, dass den jungen Menschen Sinn und Zweck schulischen Lernens vermittelt wurde.
Törichte Neuerungen redete er ihnen aus. „Ewald Kaiser legte weniger Wert darauf, dass seine Schüler wussten, wie viel Staubgefäße eine Tulpe hat oder wie hoch der Kilimandscharo ist", sagte uns der heutige Rektor Karl-Josef Steinmann, „sondern ihm war es wichtig, dass alle wussten, worin die Würde des Menschen besteht, wie wir alle in Frieden leben können und was der Staat, in dem wir leben, uns bedeutet und was wir ihm schulden." Vor wenigen Wochen wurde das 25jährige Bestehen der Realschule Oberpleis gefeiert. Den Männern der ersten Stunde gebührt ein Dankeschön für ihre Weitsicht in einer Zeit nach dem Kriege, als es noch nicht selbstverständlich war, dass ein Großteil der Schüler die Möglichkeit hatte, eine weiterführende Schule zu besuchen.
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