Aufnahme: 1990
Realschüler verließen die Penne - Viele Jugendliche streben Beruf im Handwerk an
Die sieben besten Entlaßschüler bei der Realschule. Rektor Steinmann überreicht ihnen Buchpreise.
st. In der 25-jährigen Geschichte der Oberpleiser Realschule wurde zum 21. Male ein Entlaßjahrgang verabschiedet. Diesmal war es allerdings, wie Direktor Karl-Josef Steinmann in seiner Ansprache sagte, die bisher kleinste Klasse mit 63 Jugendlichen - 33 Jungen und 30 Mädchen. Noch 1986 konnten 108 Entlaßschüler in das Berufsleben entlassen werden. Aber es komme ja nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an, sagte der Direktor. Es seien „pflegeleichte" Klassen gewesen, worauf die Schule besonders stolz sei. 62 Schüler erreichten den Realschulabschluß, also die Fachoberschulreife. 25 Jungen und Mädchen erhielten auf ihrem Abschlußzeugnis den Qualifikationsvermerk, d.h. die Berechtigung zum Besuch der Oberstufe des Gymnasiums. Davon wollen 13 Gebrauch machen. Von denjenigen, die die Qualifikation nicht erhielten, haben aber ein Teil die Möglichkeit, diese Berechtigung durch eine Nachprüfung zu erhalten.
Die Hälfte der Entlassenen ergreift einen praktischen Beruf. 21 beginnen eine handwerkliche Lehre, aber nur drei eine kaufmännische. Zwei Jugendliche wollen in die Verwaltung gehen und fünf streben einen sozialen Beruf an. Ein Junge geht zum Bundesgrenzschutz. Eine schulische Weiterbildung versuchen 31 Jungen und Mädchen. Vier besuchen eine Berufsfachschule, 13 eine Höhere Handelsschule und 13 ein Gymnasium. Bevor bei der Feierstunde die Zeugnisse ausgegeben wurden, ehrte Direktor Steinmann die besten Schülerinnen und Schüler einer jeden der drei Abschlußklassen mit einem Buchgeschenk. Es waren dies: Gianni Mlinaric, Mathias Christenn, Markus Jakob, Verena Thielen, Elke Krause, Alexander Lübbert und Silvia Adams. Gedanken über den Schulbesuch machte sich die Entlaßschülerin Karin Hergesell, faßte sie in einem Gedicht „Am Ende der Schulzeit" zusammen und trug es selber vor. Eine Mutter bedankte sich bei den Lehrpersonen für die Erziehung an den Kindern. Sie betonte, daß die Schule immer einen guten Ruf hatte und habe. Diesen gelte es zu erhalten. Zudem wünschte sie der Schule auch in den kommenden Jahren stets „pflegeleichte" Klassen.
Stellvertretender Bürgermeister Herbert Krämer betonte, daß die Veränderung in der Welt der Jugend große Chancen biete. Allerdings sei eine gute Ausbildung Vorausset zung. Die Oberpleiser Realschule habe immer die Grundlage für eine gute Ausbildung und eine gute Gruppenarbeit geleistet. Dankesworte an Lehrer und Eltern sprachen Schülersprecher Elmar Hoffmann und Markus Wistoff. In seiner Ansprache ging Direktor Steinmann auf die vorjährige Entlaßfeier ein, als noch niemand an die jetzige Entwicklung in Europa dachte. Steinmann schilderte die Revolution in der DDR und in den osteuropäischen Staaten und kam dann wieder auf den Sinn des Tages zurück. Er betonte, daß die Schule in der rechten Weise auf das Leben vorbereite. Die Schule habe ein tragfähiges Fundament gelegt für das künftige Leben. Die Aussichten für die Zukunft der jungen Menschen seien gut. Die Lehrstellensituation habe sich gebessert. Während in den vergangenen Jahren nicht alle jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt untergebracht werden konnten, gebe es heute ein Überangebot von Stellen. Wer seine Erwartungen nicht zu hochschraube, dem stehe die Welt offen, vorausgesetzt, er sei bereit Energie und guten Willen zu investieren.
Direktor Steinmann wörtlich: „Ihr habt anderen voraus, daß Ihr in einem freiheitlichen Staat aufgewachsen seid, daß Ihr Euch frei entscheiden könnt für einen Beruf oder für die Fortsetzung Eurer schulischen Ausbildung, während Jugendliche in der DDR erst noch lernen müssen, sich von staatlicher Gängelei zu befreien und eigene Initiative zu entwickeln. Wir alle dürfen hoffen, daß die Vereinigung Deutschlands und mehr noch die Vereinigung Europas Eure persönlichen Zukunftsperspektiven verbessern wird. Wir stehen am Anfang einer neuen welthistorischen Entwicklung. Es liegt an Euch, die Gunst der Stunde zu nutzen." Zu Beginn der Entlaßfeier sang der Schulchor unter Johannes Lubrich das vom ersten Direktor der Schule, Ewald Kaiser, getextete und von Lubrich komponierte Schullied. Der Chor und Querflötenspielerinnen sowie ein Instrumentalkreis umrahmten die Feierstunde gesanglich und musikalisch. Mit der Nationalhymne schloß die Feier, der ein ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Kirche, gehalten von Pfarrer Willi Müller (kath.) und Heiko Schmitz (ev.) vorausging.
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