Aufnahme: 1990
Protest gegen die Schnellbahn
st. „Alle sind gefordert - der Naturschutz geht vor die Schnellbahn". Das war der Tenor einer Protestveranstaltung, zu der Bürgerinitiativen aus dem gesamten Siebengebirgsraum und auch aus Vilich und Menden auf den Innenhof der Verwaltung der Stadt Königswinter in Thomasberg eingeladen hatten. Selbst aus Limburg an der Lahn waren Vertreter nach Thomasberg gekommen, wo sich bekanntlich ebenfalls eine Aktionsgemeinschaft gegen die Schnellbahn gebildet hat. Im Mittelpunkt dieser Informationsveranstaltung stand jedoch ein Demonstrationszug durch die Straßen von Thomasberg, an dem etwa 400 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Die Veranstalter waren jedoch enttäuscht. Man hatte mit wesentlich mehr Beteiligung gerechnet. Doch das schöne „Sommerwetter" hielt wohl viele ab. Zahlreiche Plakate wurden bei der Demo mitgeführt, auf denen Bundes- und Landesregierung sowie die Bundesbahn aufgefordert wurden, vom Bau der Schnellbahn, durch die das Naturschutzgebiet des Siebengebirges zerstört werde, abzusehen. Allerdings wolle man nicht nach dem St. Floriansprinzip handeln und anderen Bürgern die Trasse aufbürden.
Die Bahn und die Politiker wurden aufgefordert, vom Bau der Schnellbahn Abstand zu nehmen. Auf den mitgeführten Transparenten - auch Kinder hatten eigene Plakate gegen die Schnellbahn gemalt - stand z. B. zu lesen: „Bellinghausen, ein Dorf ohne Zukunft?", „Reisen statt rasen", „ICE nein, denkt an die Natur". Bei der Protestversammlung betonte Franz Riscop (CDU), daß seine Fraktion seit 1975 gegen die Bundesbahnpläne kämpfe. Franz-Friedrich Rohmer (SPD) bezeichnete die Behauptung der Bahn, die neue Strecke würde den Verkehr aus der Luft und von der Straße auf die Schiene locken, als eine Lüge. Dr. Thomas Germer (Grüne) sprach sich gegen jegliche Schnellbahntrassen aus. Um zu den wenigen Bahnhöfen dieser neuen Strecke zu gelangen, brauche man ja schließlich doch ein Auto. Ilse Kehren (FDP) und der Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg, Heinz Lindlar, befürchten einen Zusammenbruch der Wasserversorgung bei einem Bau der Schnellbahntrasse. „Königswinter sagt nein zu der Bahn. Das Natur und Naherholungsgebiet Siebengebirge muß für unsere Nachkommen erhalten bleiben", sagte Bürgermeister Günter Hank.
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