Abgebildete Personen
Aufnahme: 1979
Die Hauptschule in Königswinter-Oberpteis - 1968-1978
Zu keiner Zeit hat (Haupt-) Schule so große Veränderungen erfahren müssen wie in den vergangenen zehn Jahren. Und nichts hat diese Schule heute nötiger als Ruhe. Dabei ist Ruhe nicht zu verstehen als ein Stehenbleiben auf einem einmal eingeschlagenen Wege, sondern als eine Phase der Selbstbesinnung, der Selbstfindung und der Selbstbestimmung: immer wieder gemessen an den sich verändernden gesellschaftspolitischen Anforderungen und den Bedürfnissen der in ihr lernenden und lehrenden Menschen.
Gemäß dem Auftrag des Gesetzgebers vom 29.02.1968 und einem entsprechenden Vorschlag des Regierungspräsidenten in Köln beschloß der Rat der Gemeinde Oberpleis, zwei Hauptschulen in der Gemeinde einzurichten. Als Standort dieser neuen Schulen wurden Thomasberg und Oberpleis bestimmt. Der Hauptschule Oberpleis wurden die Oberstufen der kath. Volksschule Eudenbach {80 Kinder), der kath. Volksschule Sandscheid (50 Kinder), der kath. Volksschule Ittenbach (85 Kinder), der ev. Volksschule Oberpleis (30 Kinder) und der kath. Volksschule Oberpleis mit 150 Kindern zugeordnet.
Am 09.08.1968 nahmen 360 Kinder in insgesamt 11 Klassen den Unterricht an der neuen Hauptschule Oberpleis auf. Mit der Leitung der Hauptschule wurde Herr Rektor Karl Meurer beauftragt, der diese Schule fast 10 Jahre bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung am 31.03.1978 leiten sollte.
Wie eng die jetzt selbständigen Schulformen Grundschule und Hauptschule noch miteinander verzahnt waren, zeigte die Tatsache, daß im ersten Jahr des Bestehens der Hauptschule Oberpleis noch insgesamt 33 Stunden Fachunterricht von den Kollegen der Grundschulen Oberpleis und Ittenbach übernommen wurden.
Diese Verzahnung wurde auch deutlich durch die Tatsache, daß Frau Konrektorin Gerda Scholz, die zwar schon zum 01.08.1968 zur Grundschule Oberpleis versetzt worden war, noch einmal für ein Jahr zur Hauptschule abgeordnet wurde.
Der Chronist der kath. Volksschule Oberpleis bezw. der Gem.-Hauptschule Oberpleis vermerkte unter dem Datum vom 11.07.1969 nicht ganz ohne Stolz, daß man mit Frau Scholz eine Lehrkraft verlieren würde, die seit 32 Jahren an der Schule in Oberpleis tätig gewesen sei.
Fast 10 Jahre später feierte man an der Hauptschule ein ebenfalls fast einmaliges Jubiläum: Frau Edith Becker konnte am 02.06.1978 auf eine 25-jährige Dienstzeit als Lehrerin am Schulort Oberpleis zurückschauen. Dies ist wiederum ein Zeichen dafür, daß man in Oberpleis einen Boden vorfindet, in dem sich Wurzeln schlagen läßt. Diese Aussage belegt auch die im Verhältnis zu anderen Schulen geringe Fluktuation im Lehrerkollegium.
Ein wichtiges Datum in der zwar kurzen, aber doch sehr ereignisreichen Zeit der Hauptschule Oberpleis war der 16.08.1971. An diesem Tage wurde in der Hauptschule mit der Errichtung eines 10. Schuljahres eine Art Schlußstein in das noch recht junge Gebäude gesetzt.
Herr Konrektor Ludwig Kurenbach, seit dem 20.09.1969 stellv. Leiter und in der Zeit vom März 1977 bis November 1978 kommissarischer Leiter der Hauptschule, übernahm die didaktisch und pädagogisch sicherlich nicht immer ganz einfache Steinmetzarbeit an diesem ersten 10. Schuljahr in der Geschichte der Hauptschule Oberpleis. Gegen Ende des Schuljahres 1978/79 wird Herr Kurenbach bereits sieben 10. Schuljahre mit. Erfolg zur Fachoberschulreife geführt haben. In diesem Schuljahr werden an der Hauptschule Oberpleis insgesamt 51 Schüler in zwei 10. Klassen unterrichtet.
In der Sitzung vom 24.11.1971 beschloß der Rat der Stadt Königswinter die Errichtung des Schulzentrums Oberpleis. Die Gebäude der Realschule sollten bis August 1972 um 10 Klassen mit Nebenräumen vergrößert werden. In dieses vergrößerte Gebäude der Realschule sollte dann zu Beginn des Schuljahres 1975/76 die Hauptschule einziehen. In derselben Sitzung einigte man sich auf die Zusammenlegung der Hauptschulen Oberpleis und Thomasberg. Nach den zugrunde liegenden Lehrer/Schülerzahlen rechnete man mit einer 5-zügigen Schule für das Schuljahr 1975/76. Eile tat not, denn, von geringen Schwankungen abgesehen, stieg die Zahl der Klassen und Schüler ständig.
Im Jahre 1968 - mit dem Beginn der Hauptschule - wurden ca. 360 Schüler in insgesamt 11 Klassen unterrichtet, während es zum 01.08.1975 bereits 443 Schüler in 14 Klassen waren. Die Schüler- und Klassenzahlen stiegen weiter, so daß zum Sommer 1976 ein zweiter Pavillon errichtet werden mußte.
Nach dem Umzug der Realschule und des Gymnasiums in ihre neuen Gebäude im Schulzentrum Oberpleis konnte auch die Hauptschule im Sommer vergangenen Jahres endlich Besitz von ihrem Teil des neuen Schulzentrums ergreifen. In den übrigen Teil zogen Schüler und Lehrer der kath. Grundschule ein, die bisher im Mathildenheim untergebracht waren.
Auch an dieser Stelle gilt es, all denen Dank zu sagen, die es mit Energie und Beharrlichkeit verstanden haben, ein Schulzentrum zu bauen, in dem Lernen und Lehren Freude machen kann. Nicht ganz vergessen sei dabei aber auch das Gebäude der alten Volksschule in der Dollendorferstraße 7, in dem in der Zeit von 1912 bis 1978 so viele Oberpleiser die Schulbank drückten.
Für viele, die diese Zeilen bisher gelesen haben, wird sicher noch nicht klar sein, was die Hauptschule will, wie sie sich versteht und wer in ihr unterrichtet wird:
Der Besuch der Hauptschule steht allen Schülern, die die 4. Klasse der Grundschule erfolgreich durchlaufen haben, offen und ist für die Schüler verpflichtend, die nach dem Besuch der Grundschule weder die Realschule noch das Gymnasium besuchen. Die Hauptschule ist eine Schule der weiterführenden Bildung und umfaßt die Klassen 5 bis 9 und als Aufbauzug ein zusätzliches 10. Schuljahr, das qualifizierte Schüler durch entsprechende Lehrverfahren und Lerninhalte zur Fachoberschulreife führt (mittlere Reife). Die Hauptschule versteht sich heute als eine weiterführende, allgemeinbildende Schule, die gleichwertig neben Gymnasium und Realschule steht und im Prinzip auch eine gleichwertige Bildung vermittelt, auch wenn sie sich intentional und thematisch sehr stark an der späteren Berufsausbildung orientiert.
Auch wenn sich die Hauptschule nach fast über zehnjährigem Bestehen im Bewußtsein der Öffentlichkeit noch nicht zur vollgültigen Alternative entwickelt hat, so verliert sie doch aufgrund ihrer zahlreichen Übergangs- und Abschlußmöglichkeiten den Schrecken des Endgültigen.
„Niemand braucht zu fürchten", so der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, ,,daß sein Kind in einer Sackgasse steckenbleibt, wenn sich später herausstellt, daß es anderorts mehr leisten könnte".
Quelle: Chronik der Hauptschule Königswinter-Oberpleis
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