Abgebildete Personen
Aufnahme: 1975
Klasse 4a der Kath. Volksschule Oberpleis (Sandscheid)
Die Kinder auf dem Bild gehören zu den sogenannten "geburtenstarken" Jahrgängen, d.h. den Geburtsjahren 1964-1966. Die hohen Schülerzahlen führten dazu, dass eine Reihe von Klassen des vierten Schuljahrs der Grundschule Oberpleis in die Grundschule Sandscheid ausgelagert wurden.
Im Hintergrund ist die Sandscheider Kapelle zu erkennen. In dieser Kapelle fanden wöchentlich zwei Messen statt, eine am Dienstag- und eine am Donnerstagmorgen. Die Messe wurde - wie früher üblich - von dem Priester noch mit dem Rücken zu den Gläubigen gelesen.
In der Kirche befand sich ein kleines Harmonium, das von dem bereits pensionierten Lehrer Peter Klein gespielt wurde; Lehrer Klein wohnte gegenüber in dem alten Schulgebäude. Donnerstags hielt Pfarrer Stein in der Kapelle zunächst die Messe und anschließend den Kommunion-Unterricht für die jeweiligen Klassen, die mit zur Erstkommunion gehen sollten.
Die Kinder auf dem Bild waren, soweit katholisch, 1974 in Oberpleis mit zur Erstkommunion gegangen. Der Kommunionjahrgang umfasste 93 Kinder. Da derartige Zustände heute nicht mehr vorstellbar wären, nachfolgend eine Schilderung, wie die Erstkommunion damals ablief: Wöchentlich war einmal Kommunion-Unterricht in der Klasse oder in Sandscheid in der Kapelle, den ausschließlich Pfarrer Stein abhielt.
Katecheten gab es nicht. Die letzten zwei Wochen vor Weißen Sonntag war täglich Messe und anschließend Kommunion-Unterricht. Da die 93 Kinder in einer einzigen Messe zur Erstkommunion gehen sollten, war straffe Organisation geboten. Hierzu wurde sich in den letzten zwei Wochen zunächst getrennt nach Jungen und Mädchen sowie nach dem Alphabet aufgestellt und dann in dieser Ordnung in die Bänke marschiert. Man saß also nicht neben dem besten Freund, sondern neben dem, dessen Familiennamen im Alphabet am nächsten kam.
Die Kommunionkerzen wurden von den Eltern bei der Kirche gekauft und erst am Samstag unmittelbar vor Weißen Sonntag auf der "General-Probe" ausgehändigt. Mit den Kerzen wurde sich am Weißen Sonntag an der alten Hauptschule (heute Busbahnhof) aufgestellt und bereits in alphabetischer Ordnung zur Notkirche - einem Barackenbau - marschiert; die Propsteikirche wurde in den 70er Jahren restauriert und war daher 1974 geschlossen.
Die Kerzen wurden beim Betreten der Kirche von Meßdienern sofort wieder eingesammelt und in Kartons gepackt, ohne bis dahin jemals gebrannt zu haben, da sie anschließend im Laufe des Kirchenjahrs als Altarkerzen verbraucht wurden. Die hohe Kinderzahl führte dazu, daß pro Kind nur das jeweilige Elternpaar an der Messe teilnehmen konnte. Die Luft in der völlig überfüllten Notkirche war zum Schneiden dick, so daß mehrere Kinder zusammenklappten, zumal die Anweisung galt, daß mindestens eine Stunde vor der Kommunionmesse nichts mehr gegessen werden durfte.
Als der große Augenblick kam, wurde in Reihen zu sechs Kindern an die Kommunionbank getreten, Pfarrer Stein teilte den sechs Kandidaten die Erstkommunion aus und sagte "Rechts um!", worauf die sechs rechts um machten, im Gänsemarsch nach rechts wegtraten und die dahinter wartende Reihe mit
den nächsten sechs einen Schritt vortrat. Nach Ende der ca. zweistündigen Messe gegen 11.00 Uhr aßen die meisten Gesellschaften auswärts, wobei ein gewisser Zeitdruck herrschte, da um 15.00 Uhr die Andacht erreicht werden mußte; wenn man sich also mit der Vorsuppe (grds. mit Eierstich) zu viel Zeit gelassen hatte oder das Restaurant nicht schnell genug auftrug, folgte unweigerlich die Strafe in Form des Verzichts auf den Nachtisch, da sonst ein pünktliches Erscheinen zur Andacht nicht mehr möglich war.
Am Ende der Andacht wurden die Kommunion-Andenken durch namentliches Nach-Vorne-gerufen-werden ausgehändigt, was u.a. eine Kontrolle ermöglichte, ob das Kommunionkind ein Kommunion-Opfer, d.h. einen Umschlag mit während des Mittagessens bei der Gesellschaft eingesammeltem Spendengeld abgab. Nach der Andacht war an Geschenke-Auspacken noch nicht ohne weiteres zu denken, da zuerst Kaffee getrunken werden musste. Dabei gab es selbstgebackene Torten mit viel Buttercreme, wobei die weiblichen Festteilnehmer damit wetteiferten, wer sich beim Tortenbacken die meiste Arbeit gemacht hatte; wer nur mit Apfel-Torte oder einem Obstboden aufschlug, schied spätestens im Viertelfinale aus. Die Torten, hinter denen die meiste Arbeit steckte, waren natürlich zu schade zum Anschneiden und hatten das Privileg, knochenhart werden zu dürfen.
Vom Kommunionkind wurde vor allem erwartet, brav zu sein, insb. stillzusitzen, den Erwachsenen nicht auf die Nerven zu gehen, sich von fremden Tanten küssen zu lassen und - ganz wichtig - um Gottes willen nicht zu bekleckern. Hatte sich der Blutdruck der Erwachsenen durch den Festwein und die im Hinblick auf die Menge der verzehrten Speisen unerläßlichen Schnäpse endlich beruhigt, kam unweigerlich der freundliche Hinweis, daß das Kommunionkind jetzt aber ganz dringend ins Bett müsse, weil es am nächsten Tag ja noch weitergehe."
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