Abgebildete Personen
Aufnahme: 1897
Mädchenklasse der Schule Oberpleis 1897
Die Lehrerin Christina Rheidt mit ihrer Mädchenklasse. Ihr gehörten Katharina Gratzfeld aus Hasenboseroth, verh. Sieberz (mittlere Reihe, 1. v.r.) und Barbara Pütz, verh. Reuter, Niederbach (oberste Reihe, 4. v.r.) an. - Wer kennt weitere Schülerinnen? (Ggf. bitte eine Email schreiben, siehe unten.)
Fräulein Rheidt war an der Oberpleiser Schule vom 2.1.1889 bis zum 1.2.1904 und vertretungsweise während des Ersten Weltkriegs tätig. Sie starb am 9.2.1926.
Zur damaligen Zeit mussten die Lehrerinnen wie die Lehrer unmittelbar am Dienstort wohnen und dazu unverheiratet bleiben. Bei Heirat schieden sie aus dem Schuldienst, und ihre Pensionsberechtigung ging verloren.
"Der Kampf für oder gegen das Zölibat wurde von den Beteiligten, den Lehrern und den Verbänden mit unterschiedlichen Argumenten geführt. Auf der einen Seite behauptete sich die Meinung, dass Ehe und Beruf nicht miteinander vereinbar wären. 'Die verheiratete Lehrerin ist entweder nur Lehrerin, und dann ist sie nicht Gattin und Hausfrau, oder sie ist Hausfrau, und dann ist sie nicht mehr ganz Lehrerin. Die Schule verlangt eine ganze, ungeteilte Kraft.' (Anton Heinen in: Mütterlichkeit als Beruf und Lebensinhalt, Mönchengladbach 1917)
Die Gegner betonten das Recht auf Liebe und glaubten, dass nur eine richtige Mutter fähig sei, mütterlich zu sein. Auch dagegen wandte sich Anton Heinen: "Die herbe Mütterlichkeit der Zölibatärin ist geeigneter für den Schulbetrieb.' Erst im Jahre 1920 heißt es in einem Ministerialerlass: 'Unter Aufhebung aller entgegenstehender Erlasse ordne ich hiermit an, dass fortan für die Berufsurkunden kein Vorbehalt aufgenommen werden darf, dass im Falle einer Verheiratung der Lehrerinnen ihre Anstellungsfähigkeit erlischt.'"
(s. Carl Cüppers / Rainer Michel: Tornister, Tafel, Tintenfass; eine bergische Schulgeschichte, Cronenberg Verlag Gummersbach 1995, S. 71f.)
Aus dem "Wegweiser für Lehrerinnen" von Schulrat Hochscheidt:
"Die junge Lehrerin darf nicht vergessen, dass sie von allen Seiten scharf beobachtet wird, dass Bosheit und Tücke sie umlauern. Schon das Hochgefühl edler und zarter Weiblichkeit soll ihrem Verkehr die Schranken ziehen, die äußerste Schicklichkeit aufdrängt. Das gilt besonders vom Verkehr mit jungen Lehrern und anderen Herren ... Setzt sich die vermeintliche selbständige Dame über solche Schranken hinweg, dann streift sie den Hauch edler, unnahbarer Weiblichkeit ab und darf sich nicht wundern, wenn sie mehr und mehr Taktlosigkeit und Ungezogenheiten begegnet. Sie darf also unter keinen Umständen den Besuch junger Herren empfangen ... Dein oberster Grundsatz für deine Kleidung sei: Einfachheit, Sauberkeit, Gediegenheit, Ordnung. Ich für meine Person sehe in der Schule die Lehrerin gern in eine große schwarze Schürze gehüllt."
(zit. ebenda, S.73)
Besonders auf katholischer Seite wurde in der damaligen Literatur die Nonne als Leitbild für eine ideale Lehrerin gesehen.
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