Jungenklasse der Schule Oberpleis 1897

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1897 (1)

Jungenklasse der Schule Oberpleis 1897

Dass es in einer Schulklasse wie dieser - 40 Schüler! - so ruhig zuging, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können, lag zu einem großen Teil an der äußeren Disziplin, die durch das damals probate Mittel der körperlichen Züchtigung eingefordert wurde.

"Der Forsbacher Lehrer Johann Peter Fasbender beschreibt in seinen Beobachtungen und Erinnerungen im Jahre 1855 die Strafmittel der alten Schule und nennt: Rutenhiebe, Klapse mit dem Lineal, Handschmisse, Maulschellen, Ohrfeigen, Kopfnüsse mit Bibel, Katechismus und Gesangbuch, Knien auf Erbsen oder einem dreikantigen Holz, Tragen einer Eselsmütze und anderes mehr."*

Ein Teil dieses Repertoires hat sich bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Schule gehalten; wohl fast jeder ältere Oberpleiser kann sich an traumatische Erlebnisse der eigenen Bestrafung oder die von Mitschülern mittels körperlicher Züchtigung erinnern. Wer kann nicht noch den fast täglich malträtierten "Prügelknaben der Klasse" nennen?

Vor hundert Jahren gehörte es zu den Lehrervorschriften, "jede vollzogene Züchtigung nebst einer kurzen Begründung ihrer Notwendigkeit in ein Strafverzeichnis einzutragen", das von der Schulaufsicht kontrolliert wurde. Jeder Eintrag musste neben dem Datum, Vor- und Zuname des gezüchtigten Kindes die Art und Weise der Züchtigung, ihre Begründung und die Unterschrift der Lehrperson enthalten.

"Es ist schon interessant, im Strafbuch zu blättern und die Straftaten der Kinder zu erfahren. Sie haben in der Kirche geschwätzt, waren unaufmerksam, faul, widersetzlich und lügenhaft, sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, nicht gelesen, die Bibel nicht gelernt, am Nachmittag Pflaumen gestohlen, Vogelnester ausgehoben, waren nach dem Abendglockenläuten noch auf der Straße angetroffen worden und hatten sogar geraucht, Feuerchen gestocht oder Frösche mit dem Strohhalm aufgeblasen." Dabei fällt auf, dass die Mädchen weit weniger oft bestraft wurden und "dass immer wieder die gleichen Namen auftauchen, wo doch eine Besserung zu erwarten wäre."**

In der Oberpleiser Schule der fünfziger Jahre hatte man schnell gelernt, auf die Lehrerfrage: "Willst du mal den Kölner Dom sehen? Dann komm ans Fenster!" mit "Nein" zu antworten. Andernfalls bekam man beim Herausschauen eine Kopfnuss oder wurde an den Ohren gezogen. Ein geflügeltes Lehrerwort, dessen Umsetzung bei der Stillarbeit jederzeit drohte, war der Spruch "Leichte Schläge auf den Hinterkopf fördern das Denkvermögen!"

*s. Carl Cüppers / Rainer Michel: Tornister, Tafel, Tintenfass; eine bergische Schulgeschichte, Cronenberg Verlag Gummersbach 1995, S. 83
**s. ebenda, S. 82f.

Hinweis: Das Foto ist das "Gegenstück" zu dem der Mädchenklasse aus dem gleichen Jahr. Leider fehlt uns zu den Schülern und ihrem Lehrer jegliche Angabe. Wir bitten, wenn möglich, um Hilfe: Benutzen Sie in diesem Fall den Email-Link unten!

Zur Verfügung gestellt von
Heinrich Röttgen Die Mädchenklasse von 1897 - Vom Schulwesen älterer Zeit - Prügel statt Pädagogik (zum Bericht im "rheinkiesel" Seite 16)
Räume & Galerien
Schulen
Aufrufe
4629

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.