Lehrer Bertram Schwindt mit seiner Jungenklasse

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1897

Lehrer Bertram Schwindt mit seiner Jungenklasse

Johann Bennerscheid (1888-1972) aus Eisbach erinnert sich an Bertram Schwindt, der an der Volksschule Oberpleis von 1887 bis 1905 unterrichtete:

„Ernst und etwas nervös, hatte er seine liebe Not mit uns Kindern, besonders mit den älteren Jungen, die seine Aufgeregtheit öfter mit allerlei Schabernack noch verstärkten. Mit Strafen war Lehrer Schwindt schnell bei der Hand. Wenn „Hochsaison“ war, heulten öfters eine Reihe Kinder zugleich. Schwere Fälle wurden mit dem Stock geahndet, leichtere Fälle mit der Hand. Einige Kinder standen während des Unterrichts öfters als Strafe hinter der großen Schultafel. Beliebt war auch bei Schwindt das Nachsitzen. Wenn vier Uhr nachmittags der Unterricht zu Ende war, quälte sich Schwindt oft noch eine Stunde mit diesen Schülern ab. ...

In unserer Klasse standen noch die alten harten und starren Schulbänke. Lehrer Schwindt hatte die Angewohnheit, hinter dem Rücken der Kinder her über diese Bänke zu laufen, um die schriftlichen Arbeiten der Kinder zu beaufsichtigen. Das war für uns Kinder nicht sehr vorteilhaft, denn beim Aufsatz- und Schönschreiben musste man immer darauf gefasst sein, plötzlich eine schmerzhafte „Erleuchtung“ von oben her zu bekommen, was wiederum für die Konzentrierung der Gedanken auf das Aufsatzschreiben sehr hinderlich war. ... Auf einer dieser „Hochgebirgstouren“ geschah dann eines Tages folgendes: Während sich Schwindt über ein Kind beugte, malte ihm der Schüler Wilhelm Jonen aus Ruttscheid, der jederzeit zu harmlosen Späßen bereit war, blitzschnell mit Kreide eine große 11 auf den Rücken. Die ganze Klasse freute sich unbändig, hielt aber dicht, und so konnte es geschehen, dass Schwindt, als er nachmittags nach Hause ging, sein „Kreuz“ in Gestalt der weithin sichtbaren 11 geduldig nach Hause trug. Wie Lehrer Schwindt zu Hause von seiner Frau empfangen wurde, ist nie an die Öffentlichkeit gedrungen. Nachmittags war in der Schule große Gerichtssitzung. Willi war aber so anständig und meldete sich sofort als „Übeltäter“, und was dann folgte, darüber wollen wir den Mantel der christlichen Liebe decken; verraten sei nur, dass Lehrer Schwindt alle die ihm zu Gebote stehenden „Erziehungsmittel“ an dem armen Jungen anwendete. ...

Lehrer Schwindt ist nicht alt geworden, am 22. Juli 1905 starb er, erst 42 Jahre alt. Er war kein schlechter Lehrer. Was er den Kindern einpaukte, das blieb sitzen, er hatte nur eine etwas unglückliche Art und Weise, dieses den Kindern beizubringen. In seiner Klasse ging es immer laut her. Da Kinder manchmal in dieser Beziehung grausam sein können, wurde die Unruhe oft künstlich erzeugt, nur weil sie merkten, dass sich der Lehrer so darüber aufregte. Ich will dem guten Lehrer Schwindt nicht noch nachträglich Vorwürfe machen, aber wenn er auf die kindlichen Späße etwas mehr eingegangen wäre, so wäre alles halb so schlimm gewesen, aber das lag ihm nicht, dafür war er zu ernst.“*


*S. Johann Bennerscheid: Aus der Jugendzeit, in: Eisbach ist anders, hg. von Werner Buchholz, St. Augustin 2009, S. 197, 211f., 201

Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
Räume & Galerien
Schulen
Aufrufe
3808

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.