Aufnahme: 2019

Haus Niederbach - früher Niederwich - für die Oberpleiser einfach - die Burg -

Allianzwappen von Hillesheim und von Hatzfeld aus dem Jahr 1742 im Giebel der Frontseite des Hauses Niederbach. Am 24. November 1723 heiratete Franz Wilhelm Caspar von Hillesheim die Gräfin Maria Catherina Elisabeth von Hatzfeld, Tochter des Grafen Sebastian von Hatzfeld-Gleichen-Rosenberg. Sie stammte von Schloss Crottorf. 

„Ein alter Adelssitz einer kleinen Grundherrschaft, etwa 600 m nördlich der Kirche, am Pleisbach gelegen. Mit Jagdrecht östlich des Pleisbaches, Fischrecht in allen Bächen, dem Recht auf eine Begräbnisstätte im Chor der alten Pfarrkirche und durch Zehnteinnahme zum Unterhalt der alten Pfarrkirche verpflichtet. 

Zur Geschichte einige Daten:

1268 mußte Graf Dietrich von Heinsberg als Miterbe der Grafschaft zu Sayn und des Landes Blankenberg laut Vertrag mit dem Grafen Adolf von Berg seine Burg in Pleis zerstören. (Wobei es bis heute nicht sicher ist, ob die Burg in Ober- oder Niederpleis gestanden hat).

1320 Tilman von Niederwich, Vasall des Abtes von Siegburg.

1420 Johann von Zweiffel, Amtmann zu Blankenberg und Agnes von Niederwich.

1450 Verkauf an ihren Neffen Albrecht von Zweiffel, Amtmann zu Löwenberg.

1480 Besitzer Joh. von Metternich auf der Brohl und Gertrudvon Zweiflel.

Drei Generationen Metternich.

(Stammten auch die bis um 1820 in Rübhausen ansässigen Familien Metternich von dieser Adelsfamilie ab?).

1609 Verkauf an Johann Scheuermann.

1622 an Peter v. Beyweg und Söhne.

1636 durch Kauf an Wilhelm von Hillesheim, dessen Rittersitz Weippe bei Morsbach von den Schweden geplündert worden war, hoher Beamter des Grafen von Berg und Amtmann zu Windeck, gestorben 1658 und in der alten Pfarrkirche von Oberpleis beerdigt. Seine Grabplatte, ebenfalls die seiner Ehefrau und einer Tochter sind heute in Schloß Arendahl bei Sinzig. 

1681 starb schon der Sohn und Erbe Franz Dietrich von Hillesheim. Dessen Sohn Franz Caspar Wilhelm von Hillesheim kam nach umfangreichen Studien ebenfalls wie schon Vater und Großvater in die Verwaltung des Herzogtums Berg. Seinem Landesherrn, Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg diente er in Heidelberg, Mannheim und in Düsseldorf. Hohe Amter bekleidete er amHofe und wurde in den Grafenstand erhoben. Seinen ererbten Besitz konnte er durch Neuerwerbungen vergrößern, dazu kamen noch Güter und Weinberge

an der Mosel, die seine Frau mit in die Ehe brachte. Niedcrbach war nur eine von seinen Besitzungen, der Familiensitz war Arendahl bei Sinzig, wo auch seine Eltern begraben waren. Trotzdem klagte er 1698 gegen den Oberpleiser Pastor, weil dessen Vorgänger im Chor der alten Pfarrkirche beerdigt worden war.

Nach langem hin und her mussten die Oberpleiser die Grabplatte des verstorbenen Pastors vom Chor entfernen, auch mit Hilfe des Propstes und des Abtes von Siegburg kamen sie gegen den mächtigen Grafen nicht an. 

1746 ließ Graf von Hillesheim sein Haus Niederbach von Grund auf neu aufbauen, so wie es heute noch steht.

1748 starb Graf Wilhelm von Hillesheim. Von seinen sieben Kindern starben drei im Kindesalter, zwei Söhne blieben unverheiratet. Erben wurden die zwei Töchter. Den rechtsrheinischen Besitz mit Niederbach erbte Anna Elisabeth Augusta Maria von Hillesheim, 1756 mit Franz Graf von Spee zu Heltau verheiratet, die Güter auf der linken Rheinseite erbte Charlotte Elisabeth Regina von Hillesheim, Stiftsdame zu Vilich, die aber schon vor ihrem Tode auch ihr Erbteil an die Familie von Spee übertrug. Niederbach ist auch heute noch im Besitz der Familie von Spee zu Heltau. 

Zur "Burg" Niederbach gehörten noch ein kleiner Gutshof und eine Mahlmühle am Lützbach zu Wahlfeld.

Die Burg war nur noch Sitz einer kleinen Verwaltung. Vermutlich hat dort der Oberpleiser Schultheiß Christian Heinrich Bennerscheid gewohnt, sein Nachfolger und Schwiegersohn, der Lizentiat (Notar) Johann Schorn wohnte zu Niederbach und auch dessen Nachfolger Peter Josef Becker, der ein Enkel des Schultheißen Bennerscheid war.

Wie groß der Oberpleiser Besitz der Familie von Hillesheim in Oberpleis früher einmal war, lässt sich nicht mehr feststellen. Man hat Grenzsteine mit dem Hillesheimer Wappen von Pleiserhohn bis zum Hühnerberg gefunden. Ein kleiner Teil des Landes wurde von dem zu Haus Niederbach gehörenden Gutshof bearbeitet, der größte Teil war aber an hiesige Bauern gegen Pacht- und Zehntabgaben vergeben. Für den Waldbesitz war ein Jäger und Aufseher angestellt. Im Jahre 1790 erlegte der gräfliche Jäger Adam Dahlhausen im Hanftal den letzten Wolf, der im Siegkreis gesehen wurde. 

Der kleine Gutshof vor Haus Niederbach wurde um 1830 vermutlich wegen Baufälligkeit aufgegeben. Die Mühle zu Wahlfeld wurde 1826 im Zuge der Stilllegung der 'Ökonomie' dem Erbpächter Wilhelm Balensiefen für eine Restsumme von 480 Talern übergeben. Die Zehntverpflichtungen der Bauern wurden erst 1853 abgelöst. In der letzten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war zeitweise eine Korkstopfenfabrik, danach eine Apotheke, bis um 1904 etwa 15 Jahre lang die landwirtschaftliche Winterschule für den Kreis Sieg und den Rhein-Bergischen Kreis im Haus Niederbach untergebracht. Von 1925 bis 1943 war Haus Niederbach Ruhesitz des Gräflichen Oberförsters Hegener, und in der Hitlerzeit fand der aus seinem Siegburger Kloster vertriebene Abt dort Aufnahme. Gegen Ende des Krieges konnte der Abt gerade noch verhindern, dass die "Burg" noch von deutschen Truppen als Verteidigungsstellung benutzt wurde. Von 1944-1958 war in Haus Niederbach eine Kath. Marianische Schwesterngemeinschaft, danach unterhielt der Caritasverband eine Förderschule für jugendliche Aussiedler aus dem Osten in Haus Niederbach. Anfang der siebziger Jahre stand die Burg leer.  

Der CVJM Bonn (Christlicher Verein junger Männer), suchte ein passendes Haus, in welchem junge Menschen eine gewisse Zeit betreut werden konnten, die mit dem Leben nicht mehr fertig wurden. Nach langen Verhandlungen und Festlegung von Pflichten und Rechten wurde ihnen Haus Niederbach von der Familie von Spee überlassen. 1986 wurde der Trägerverein " Maranatha – CVJM Centrum für Seelsorge und Lebenshilfe e. V." gegründet. Das Haus bietet durch ein fachlich ausgebildetes Team jungen Frauen und Männern nach einem körperlich-seelischen Absturz eine Heimat als Zeit, um sich durch das Leben in einer Christlichen Gemeinschaft, in Gesprächen und praktischen Arbeiten in Haus und Garten geistig und seelisch so zu stärken. dass sie ihr Leben später allein meistern können.“

Veröffentlicht in: Der ökumenische Arbeitskreis: FRIEDEN. GERECHTIGKEIT. BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG, Juni 1997.

Quelle
Foto: Willi Joliet; Text und Recherche: Bernhard Gast
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet
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