Aufnahme: 1980
Bahnhof Oberpleis der Pleistaltbahn
"Die Rhein-Sieg-Eisenbahn
‚Et Bähnche‘, wie es allenthalben früher genannt wurde, hatte seinen Ursprung in der Bröhltalbahn, deren Vorgänger die Pferdebahn Hennef/ Ruppichteroth war. 1863 setzte sich die erste Dampflock in Bewegung und 1869 wurde die Strecke Hennef-Waldbröhl in Betrieb genommen. Vornehmlich dem Gütertransport dienend, kam langsam auch der Personenverkehr und der Postverkehr hinzu. Die Erweiterung um die Strecken Hennef-Beuel bzw. Hennef-Asbach erfolgte in den Jahren 1891 bis1892.
Noch vor der Jahrhundertwende dehnte man das Schienennetz bis Oberpleis und einige Jahre später über Herresbach bis nach Rostingen aus. Der Grund hierfür lag im Wesentlichen im Abtransport der aus den nahegelegenen Steinbrüchen gewonnenen Materialien. Hier werden auch die großen Ruhrgebiet-unternehmen Krupp und Bochumer Verein ihre Interessen ins Spiel gebracht haben.
Eine Statistik aus dem Jahre 1875 besagt, daß drei Lokomotiven, fünf Personenwagen und 27 Güterwagen vorhanden waren und sich die Bestände im Jahre 1912 auf 16 Lokomotiven, 37 Personenwagen und 587 Güterwagen erhöht hatten. Auch die Heisterbacher Talbahn von Grengelsbitze nach Niederdollendorf diente in den Anfängen lediglich dem Güterverkehr. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mit ihren katastrophalen Verhältnissen wie Reparationen, Geldentwertung, Weltwirtschaftskrise usw. wurde vom Unternehmen verhältnismäßig gut überstanden.
Ab 1921 hieß die Gesellschaft Rhein-Sieg-Eisenbahn und die ersten Omnibusse kamen 1925 zum Einsatz. 1934 fuhren die ersten Dieseltriebwagen und der Postbusbetrieb lief ab dem Jahre 1936. Schon im darauffolgenden Jahr hatte die Zahl der Busreisenden die der Bahn übertroffen. Zum Bau der Reichsautobahn wurden zahlreiche Nebenstrecken eingerichtet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nahm der Fahrbetrieb stark ab und die kriegswichtigen Transporte mußten wegen der feindlichen Flieger nachts durchgeführt werden. Nach einer kurzen Blüte bis zur Mitte der Fünfzigerjahre mußte der Schienenverkehr 1971 ganz eingestellt werden. Der laufenden Entwicklung folgend wurde die Rhein-Sieg-Eisenbahn von der heute existierenden Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft abgelöst.
Mit etwas Wehmut mögen manche älteren Benutzer noch an die Zeit des, ‘Bimmelbähnchens‘ zurückdenken. An die zwischenmenschlichen Beziehungen, harmlosen Streiche, die u. a. Zugführer Pickel und Stationsvorsteher Franz Ahr zur Weißglut brachten und heutzutage sicher eine deftige Anzeige nach sich ziehen würden. Der erste Stationsvorsteher war übrigens der spätere Gründer der ersten Oberpleiser Druckerei, Willkommsfeld, Nachfolger Uelpenich, unter dessen Firmennamen sie seit 1978 im Besitz von Franz-Wilhelm Gladbach ist.
Mit der gebräuchlichen Redensart ‚Blumenpflücken während der Fahrt verboten‘, obschon es möglich gewesen wäre, soll diese Nachbetrachtung zur Rhein-Sieg-Eisenbahn enden."
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