Abgebildete Personen
Aufnahme: 1981
Gemischter Chor des MGV 1856 Oberpleis e.V. im Jubiläumsjahr 1981
"Im Gründungsjahr 1856 hatten sich die Sänger unter der Leitung von Hauptlehrer Gabriel Flink unter dem Motto: 'In Freud und Leid zum Lied bereit' zusammengefunden. Für das Stiftungsfest im sogenannten Hämmerlingssaal des Gastwirts Clemens Lichtenberg (später Bramkamp, Nachf.) wurde zweimal wöchentlich geprobt. Die Proben wurden im Schulsaal abgehalten, und 1873 weihte man im Rahmen eines großen Sängerfestes unter Mitwirkung von 13 auswärtigen Chören die Vereinsfahne. Neben der Beteiligung bei Veranstaltungen aller Art sang der Chor auch an Festtagen in der Kirche. Nach dem Ausscheiden von Gabriel Flink übernahm dessen Sohn Robert Flink den Dirigentenstab, den er bis zum Jahre 1897 behielt. In der Folge hatten zahlreiche auswärtige Chorleiter das Sagen, bis 1909 mit Theo Kurscheid aus Birlinghoven quasi die Idealbesetzung gefunden wurde.
Die Vereinschronik beschreibt das 50jährige Stiftungsfest als Großereignis für Oberpleis. 22 Gesangvereine von nah und der weiteren Umgebung erfüllten die überfüllten Säle von Karl Söntgen und Jakob Lichtenberg mit Männergesang. Der Erste Weltkrieg und seine Nachwirkungen hatten, wie bei vielen anderen Vereinen auch, zu einer gewissen Stagnation geführt, aber das musikalische Streben nicht beeinträchtigt. Das Jahr 1927 war ein besonderes, denn man entschloss sich zur Umwandlung in einen gemischten Chor. Ob es die Anfänge der Emanzipation waren, ist nicht vermerkt, wohl aber die Aufführung eines Oratoriums, das gemeinsam mit dem Oberpleiser Orchesterverein zum Vortrag gebracht wurde. Besagtes hieß 'Bonifatius' (Autor: Wiltberger) und hatte lebende Bilder. Fast selbstverständlich war es für einen Künstler vom Range eines Theo Kurscheid, der sich auch durch eigene Kompositionen hervortat, sich der gehobenen Musik anzunehmen. Konzerte mit namhaften Solisten wurden gestaltet, aber auch das gesellschaftliche Leben kam nicht zu kurz.
An das karnevalistische Treiben am Rosenmontag werden sich sicherlich nur noch wenige ältere Bürger entsinnen, vielleicht noch wenigere an die großen Feierlichkeiten aus Anlass des 75jährigen Stiftungsfestes mit dem Jubelkonzert im Saale Bellinghausen. Der Festzug führte durch den prächtig geschmückten Ort. Beim abschließenden Freundschaftssingen dirigierte Theo Kurscheid auch die Gastsänger des Kölner Sängerkreises e. V., die mit 110 Sängern auch optisch eine imposante Kulisse bildeten.
Zivile Chöre passten nicht in das Konzept der braunen Machthaber, und so flauten auch die Aktivitäten mehr und mehr ab, um nach dem 2. Weltkrieg fast ganz zu schlummern. Hans Mies, Josef Reuter und Adolf Bellinghausen hießen die Vorsitzenden von 1941 bis nach dem Kriege. Krankheit und Alter des Dirigenten zeigten ihre Wirkung; vielleicht auch die Tatsache, dass das hohe Niveau nicht mehr erreicht bzw. gehalten werden konnte, verursachte eine Krise, von der sich der Verein nicht mehr erholen konnte und die schließlich zur Auflösung des MGV Oberpleis führte.
Die Wiedergründung des 'Gemischten Chores des Männergesangvereins 1856 Oberpleis e. V.' im Jahr 1974 ging von einem Kreis junger Sängerinnen und Sänger aus. Nur zwei hatten das 25. Lebensjahr überschritten, die Edgar Zens als Singgemeinschaft um sich geschart hatte, nachdem er von Josef Reuter, dem letzten Vorsitzenden des früheren Vereins, dazu angeregt worden war. Franz Richard Vogt, der spätere Vorsitzende, setzte sich sehr für dieses Ziel ein und trieb die Arbeit an den Satzungen voran. Am 10. 11. 1974 stellte sich der 'junge Chor mit dem alten Namen' mit einem Konzert im überfüllten Oberpleiser Rathaussaal der Öffentlichkeit vor, zur besonderen Freude vieler ehemaliger Mitglieder des 'alten MGV'. Das Chorprogramm aus deutschen Volksliedern, amerikanischen Weisen und englischen Evergreens der sechziger Jahre wurde begeistert aufgenommen.
Sehr schnell war der Chor mit dem Ortsleben verwachsen. Der Kirmessamstagsball im Saale Bellinghausen wurde gerettet, der Brauch des Paiasbegräbnisses wiederbelebt, der Mai angesungen, manches Offene Singen der Grundschule mitgestaltet, alljährlich ein Sommerfest abgehalten und mit Beiträgen in Sitzung und Zug Karneval gefeiert. Viele Gold-, Silber- und Grüne Hochzeiten durfte der Chor verschönern; eine Reihe von Sängerinnen und Sängern heirateten unter den Klängen ihres Vereins. Wie einst der 'alte MGV' pflegte man neben dem weltlichen Lied auch die musica sacra; da die katholische Kirchengemeinde in den siebziger Jahren keinen Kirchenchor mehr besaß, übernahm der Chor an Festen oft diese Aufgabe. Die musikalische Gestaltung der Christmette war ihm in dieser Zeit die vornehmste Pflicht. Die beiden Konzerte im Oberpeiser Rathaus 1976 und 1977 zeigten, daß der Chor sein Repertoire um viele Sparten erweitert und seine stimmliche Leistungsfähigkeit beachtlich gesteigert hatte. Hierzu trug auch bei, daß bei Aufführungen möglichst ohne Notenblatt gesungen wurde. Übung darin gewannen die jungen Chormitglieder bei den zahlreichen Freundschaftssingen, zu denen sie von Nachbarchören regelmäßig eingeladen wurden. Vor 500 Zuhörern konzertierte man zusammen mit der Gemeinschaft der Männerchöre Birk, Lohmar, Weingartsgasse am 22. 9. 1979 in der Aula des Oberpleiser Schulzentrums.
Vom 9. bis 11. 10. 1981 fand das Stiftungsfest zum 125jährigen Vereins bestehen statt. Es war von dem Chor, der im Jubiläumsjahr 43 aktive und 62 inaktive Mitglieder zählte, unter seinem Vorsitzenden Bernhard Brungs mit viel Mühe vorbereitet worden. Den Festkommers umrahmte der Schubert-Chor Eitorf unter Peter Sonntag. Beim Jubiläumskonzert in der Aula brillierte die Sopranistin Jeannette Zarou von der Düsseldorfer Oper. Der Chor interpretierte Liedsätze von der Renaissance bis zu den Beatles, darunter auch vier Löns-Lieder des unvergessenen Theo Kurseheid. Am Sonntag gestaltete er ein Festhochamt in der Pfarrkirche mit der 'Missa Regina Pacis' von Heinrich Lehmacher. Nachmittags zogen 12 Chöre in einem Festzug durch den Ort, auf den ein Freundschaftssingen in der Aula folgte. Es bildete den Abschluss eines beeindruckenden Chorfestes, das den Vergleich mit früheren Chorjubiläen nicht zu scheuen brauchte. Die reichhaltige Festschrift ist auch heute noch äußerst lesenswert. Im Mai 1984 lud der Chor zu einem großen Chor- und Solistenkonzert, indem neben Volks- und Kunstliedern auch rheinische Gesänge und Operettenmelodien, u. a. ein Querschnitt durch Carl Zelters 'Vogelhändler' erklangen. Zusammen mit dem 'Bach Choir Grimsby-Cleethorpes', den man über Ostern 1986 eingeladen hatte, wurde u. a. die 'Liebeslieder-Walzer' von Johannes Brahms aufgeführt, unter vierhändiger Klavierbegleitung der beiden Dirigenten Jeffery Babb und Edgar Zens. Bis es zu einem Gegenbesuch zu Ostern 1988 in der englischen Partnerstadt kam, hatte der Chor eine harte Zeit durchgestanden. Edgar Zens hatte im Sommer 1987 aus Überlastungsgründen das Dirigat plötzlich niederlegen müssen.
In den Jahren zuvor hatte die Zahl der Aktiven durch Wegzug oder private bzw. berufliche Umorientierungen jüngerer Mitglieder deutlich abgenommen, ohne dass es gelungen war, ebenso fähige Neumitglieder zu werben. So überbrückten Rolf Förster und Anneliese Schmidt die Zeit der Proben bis zur Englandfahrt mit viel Energie und fachlichem Engagement. Trotzdem und obwohl auch danach mit dem Hennefer Kantor Norbert Schmitz ein hochqualifizierter Musiker die Chorarbeit leitete, schrumpfte die Sängerzahl weiter. 1989 sah man sich gezwungen, die Proben einzustellen. Danach wurde der 'Gemischte Chor des Männergesangvereins 1856 Oberpleis e. V'. im Vereinsregister des Amtsgerichts Königswinter gelöscht.
Könnte es eine zweite Auferstehung dieses Vereins geben, der in den Blütenzeiten seiner bisherigen zwei Leben so vielen Menschen Freude und Bereicherung geschenkt hat? Diejenigen, welche seinen Niedergang schmerzlich erlebt haben, sind äußerst skeptisch. Wie viele günstige Bedingungen müssten da zusammentreffen! Allen zum Trotz, wir sollten die Hoffnung nicht ganz aufgeben."
Die Sängerinnen und Sänger - nicht alle unten aufgeführten sind abgebildet - vor dem Weiher im Park des Mathildenheims.
Sopran:
Ellen Barhoff, Marie Therese Buchholz, Rita Buchholz, Waltraud Dahs, Bettina Herrmann, Sabine Herrmann, Marga Klein, Maria Losem, Ursel Pickel, Angelika Schubert, Gaby Tamme, Gabriele Wagenknecht, Claudia Wasserheß, Martina Weber.
Alt:
Gitta Becker, Elisabeth Bellinghausen, Resi Dick, Juliane Dohle, Ruth Kulicke, Christa Lichtenberg, Adelheid Holz-Miebach, Giselind Parlow, Bärbel Pickel, Angelika Reuter-Zens, Christa Schleder, Doris Stöckert, Ingrid Zerres.
Tenor:
Hans Josef Becker, Franz Bellinghausen, Bernhard Brungs, Rolf Förster, Johannes Lubrich, Stefan Pickel, Heinz Vendel.
Bass:
Josef Buchholz, Klaus Förster, Walter Mohr, Ewald Rau, Werner Schmitt, Hans Werner Selzer, Peter Tamme, Arnulf Voigt, Rainer Wiese.
Dirigent:
Edgar Zens
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.