Aufnahme: 2023

Warum das Leben in Königswinter Erinnerungen an die deutsche Teilung weckt

Königswinter · GA-Redakteurin Lydia Schauff schreibt in ihrer Kolumne über alles, was im Siebengebirge (sonst noch) los ist. Diesmal betreibt sie „Völkerverständigung“ im Kleinen: Gibt es in Königswinter einen „Westen“ und einen „Osten“?

Wie ich einem Bekannten so beim Schimpfen darüber zuhöre, dass es auf dem Berg ja nicht vorangeht und die von Anwohnern lang ersehnte Sanierung des Kirchplatzes in Oberpleis ja nur deshalb nicht umgesetzt wird, weil all die Fördermittel und Gelder für die Altstadt verwendet werden, da habe ich plötzlich ein Déjà-Vu. Die da unten bekommen viel mehr als wir hier oben. Berg versus Tal. Ich habe plötzlich einen ehemaligen Kollegen aus der Lausitz im Ohr: Im Westen ist ja alles besser. Und die verdienen auch alle viel mehr. Und überhaupt. Ost versus West.

Mittlerweile kann ich nun sagen, nein, hier ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Die Bahnen fahren manchmal einfach nicht oder kommen zu spät, die Straßen sind voller Schlaglöcher und der Verkehr, uiuiuiuiui. Da lobe ich mir die leere Autobahn gen Polen. Ja, vielleicht verdienen die Mitarbeiter in einigen Branchen mehr, aber dafür schlackern dir als Ossi beim Blick auf die Mieten hier die Ohren. Wie schön war das im Osten. 810 Euro Warmmiete, 106 Quadratmeter, Altbau, Innenstadt.

Quelle
General-Anzeiger vom 28.06.2023; Foto: Frank Hohmann: Text: Lydia Schaff
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