Aufnahme: 2022
Konstanze Klosterhalfen, eine sympathische Sportlerin mit Vorzeigecharakter
Ein Empfang von Konstanze Klosterhalfen in der Aula des Schulzentrums Oberpleis: „Vor jedem Lauf rufe ich meine Mama an und umarme meinen Vater, der mich meist zu den Wettkämpfen begleitet“.
(bk) Oberpleis. Bei den Europameisterschaften der Leichtathleten in München war es eine Entscheidung, die im Siebengebirge besondere Aufmerksamkeit fand - der Lauf über 5000 Meter der Frauen. Dies nicht ohne Grund, denn mit am Start war Konstanze Klosterhalfen, die im Königswinterer Ortsteil Bockeroth groß geworden, das Gymnasium am Ölberg besucht hat, bei der SSG Königswinter in den Anfängen von 2002 bis 2007 sportlich beheimatet war und nun in den USA trainiert und bei nationalen wie internationalen Wettbewerben stets für Furore sorgt. Dies alles Gründe genug, nach ihrer Goldmedaille in München zu einem Empfang der Ausnahmesportlerin nach Oberpleis einzuladen.
Neben Vertretern der SSG, der Stadt, der Politik und natürlich ihren Eltern waren es die Schülerinnen und Schüler beider im Schulzentrum untergebrachten weiterführenden Schulen, die mit Spannung auf diesen hochkarätigen Besuch warteten. So brach dann auch tosender Beifall aus, als die Sportlerin die Aula betrat. „Ich freue mich diese Ausnahmesportlerin hier in Königswinter begrüßen zu dürfen“, so Bürgermeister Lutz Wagner, „Koko ist sehr heimatverbunden, auch wenn sie momentan in den USA trainiert und darüber hinaus ist sie wahnsinnig sympathisch. Als Du am Start stands, erwähnte der Kommentator, dass Du Dir im Vorfeld unsicher warst, überhaupt an den Start gehen zu sollen.
Es war ein toller Lauf mit einem sensationellen Endspurt, bei ich vor dem Bildschirm eine Gänsehaut bekommen habe.“ Konstanze fiel die Begründung ihres Starts nicht schwer: „Ich bin für das Publikum gelaufen und wusste natürlich auch, das hier in meiner Heimat viele Fans diesem Lauf entgegengefiebert haben. Dieser Gedanke und das Publikum in München, das mich über die 5000 Meter getragen hat, machten mir die Entscheidung leicht.“ Ingo Küll, stellv. Schulleiter des Gymnasium am Ölberg erinnerte sich an eine Schulfahrt 2014 nach Prag, bei der, obwohl Konstanze „sportfrei“ hatte, sie aber stets in Bewegung sein musste: „Sie tänzelte ständig hin und her und bemerkte immer wieder: ich will laufen, laufen, laufen.“
Für die Gesamtschule beschrieb Oberstufenleiter Markus Schürings folgenden Vergleich: „Wir haben in unserem Sportleistungskurs einen Zeitvergleich des 5000-m-Laufs von Konstanze mit den Zeiten unserer Schülerinnen angestellt und haben hier einen Unterschied von bis zehn Minuten festgestellt.
Dies machte auch unseren Schülerinnen und Schülern das enorme Leistungsvermögen dieser Leichtathletikerin deutlich“. Für ihre ehemaligen Sportverein, die SSG Königswinter, machte die Vorsitzende Melanie Gau deutlich: „Damals stand in unserem Verein der Spaß an der Leichtathletik im Vordergrund. Der Weg in den Leistungssport war danach Passion und stetige Förderung. Wir haben diesen Weg stets mit Aufmerksamkeit verfolgt. Du bist die Heldin unseres Vereins und dein Name ist mittlerweile weltweit bekannt. Dies macht auch unseren Verein stolz. Wir sind stets an deiner Seite und werden dort auch immer bleiben. Über deinen Besuch hier und heute freuen wir uns ganz besonders. "
Hans Jürgen Melzer, Vorsitzender des Stadtsportbundes, erinnerte an die Verbundenheit der Sportlerin zu den Messdienern, den sie bei einem Fototermin deutlich machte, der unbedingt vor der Kirche in Thomasberg stattfinden musste: „Du warst schon immer sehr bescheiden und bist es auch bis heute geblieben. Dies ist nicht alltäglich, wenn man so in der Welt-öffentlichkeit steht. Die SSG hat hier in Königswinter die Grundlagen für deine Karriere gelegt, was daraus geworden ist erfahren wir stets aufs Neue. Du bist ein Vorbild auch für alle Sportlerinnen und Sportler hier in Königswinter geworden“.
Konstanze Klosterhalfen stellte sich im Anschluss den Fragen der Schülerinnen und Schüler: Es bedeutet mir sehr viel, dass ihr heute alle gekommen seid. Ich habe mich nie alleine auf der Bahn befunden, denn ich wusste, ihr alle standet stets hinter mir. Mein großer Bruder hat mich anfangs für die Leichtathletik begeistert. Ich habe schnell festgestellt, dass mir Weitsprung oder Kugelstoßen nicht liegen und so habe ich mich auf das Laufen konzentriert. Es war ein unbeschreiblicher Moment, in München die Ziellinie zu passieren. Tausend Emotionen haben mich in diesem Moment begleitet, wobei die Freude überwogen hat. Dieser Erfolg beruht auf jahrelangem intensivem Training. Bei dem Lauf selbst war ich frei von irgendwelchen Gedanken. Ich habe die Atmosphäre im Stadion in mich aufgesaugt. Der ein oder andere Stoßgedanke schoss mir lediglich durch den Kopf, als ich entscheiden musste, die jeweils vor mir liegende Läuferin überholen zu wollen."
Die Leistung in München ist umso höher zu bewerten, als dass die Läuferin nach einem Sturz im Januar diesen Jahres und der damit verbundenen Oberschenkelverletzung, die Hallensaison abbrechen musste. Darüber hinaus schied Klosterhalfen nach einer Coronainfektion bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Juli 2022 in Eugene über die 5000-Meter-Distanz bereits im Vorlauf aus. Dass sie sich bei den Europameisterschaften in einer Zeit von 14:50:47 nun die Goldmedaille sicherte, zeigt den Ehrgeiz und die ständige Fokussierung auf das nächste Ziel, was diese Sportlerin letztendlich so einzigartig machen. Konstanze Klosterhalfen wurde nicht aus der Aula entlassen, bevor sie nicht zahlreiche Karten in Erinnerung an diesen Besuch signierte. Die Schülerinnen und Schüler drängten sich vor dem Tisch, auch ein Zeichen, dass die Leistungen dieser Leichtathletin in den Köpfen der Jugend angekommen sind.
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