Aufnahme: 2020
Gerissenes Schaf - Wolfsberater sichert Spuren auf Weide bei Oberpleis
Oberpleis · Spaziergänger haben am Donnerstag eine gerissene Heidschnucke auf einer Wiese bei Boseroth gefunden. Der Verdacht: ein Wolfsriss. Am Nachmittag sicherte Förster und Wolfsberater Marc Redemann die Spuren und nahm DNA-Proben.
Es ist ein beschauliches Fleckchen Erde. Nur der Geräuschteppich der Autobahn 3 stört die Ruhe auf den rund 7.000 Quadratmetern Streuobstwiese bei Boseroth, auf denen Christian Sülzen – sozusagen als vierbeinige Landschaftspfleger regelmäßig seine Heidschnucken weiden lässt. Spaziergänger und Reiter kommen vorbei, bleiben stehen, diskutieren: Es hat sich längst im Ort herumgesprochen, was sich in der Nacht zu Donnerstag auf der ökologischen Ausgleichsfläche zugetragen hat.
Ein Spaziergänger hatte am Morgen ein regloses Schaf auf der Wiese liegen sehen und Natascha van der Most angesprochen, deren Pferd dort gleich in der Nähe steht. „Ich habe nur viel Fell gesehen und wusste: Das Tier ist auf jeden Fall tot“, sagt sie. Schnell macht die Befürchtung eines Wolfsrisses die Runde. Bestätigt ist der nicht: Mindestens vier Wochen wird es dauern, bis die DNA-Spuren ausgewertet sind und eventuell Klarheit besteht.
Unruhe in der Nachbarschaft
Das erläuterte Förster Marc Redemann, auch Wolfsberater für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, der als Experte zu dem Fall hinzugezogen wurde. Redemann kam am Nachmittag unter anderem die Aufgabe zu, DNA-Spuren am Kadaver des Tieres zu sichern – eine Arbeit, die er wohl schon 20 Mal übernommen hat, wie er schätzte. „Und meist waren es keine bestätigten Wolfsfälle“, so der Experte.
Trotzdem sorgte schon der bloße Verdacht, ein Wolf könnte nachts sein Unwesen getrieben haben, für Unruhe in der Nachbarschaft, nicht zuletzt bei Pferdehaltern. „Das ist schon verdammt ortsnah“, bemerkte ein Reiter, der mit seinem Isländer an der Wiese vorbei kam.
Auch andere Passanten äußerten sich besorgt, dass ein Wolf sich in dem Gebiet eventuell sogar heimisch fühlen könnte. Sichtungen seien allerdings aus dem Gebiet keine bekannt, so Redemann. „Eher war es ein durchwanderndes Tier, wenn es denn überhaupt ein Wolf war. Aber das ist bislang reine Spekulation“, so der Förster.
DNA-Proben von verschiedenen Bissstellen
Aufschluss bringen sollen vor allem die DNA-Proben, die Redemann an verschiedenen Bissstellen an dem toten Tier zu gewinnen suchte. Das Problem: Mutmaßlich hatten sich inzwischen auch andere Aasfresser an dem Kadaver schadlos gehalten, unter anderem die Losung eines Fuchses wies darauf hin. Die Proben, die Redemann professionell sicherte, gehen nun an das Senckenberg-Institut in Gelnhausen. Das Institut kann dann im besten Fall den eindeutigen Nachweis über den Urheber des Schafsrisses führen.
Damit das Institut tätig werden kann, waren am Donnerstag umfangreiche Untersuchungen und viele Handgriffe des Experten nötig, verfolgt unter anderem auch von Simon Darscheid, Bezirksvorsitzender Bergisches Land des Schafzüchterverbandes NRW. Redemann nahm sich viel Zeit, dokumentierte unter anderem zwei sogenannte „Trittsiegel“ mit einem Durchmesser von jeweils neun bis zehn Zentimetern – ein Indiz auf einen großen Räuber, so Redemann, aber für sich ebenfalls noch kein Beleg für einen Wolf.
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