Aufnahme: 2016
Heinz Wolter auf einem der Äcker, auf dem er fündig geworden ist
"Der Landwirt und Hobby-Archäologe Heinz Wolter hat auch auf seinen Feldern in Rübhausen Fundstücke aus der Steinzeit entdeckt."
Vorgeschichtliche Funde aus Rübhausen
Von Heinz Wolter
In letzter Zeit wurde in heimatkundlichen Berichten mehrmals in Bezug auf die vorgeschichtliche Besiedlung des Pleiser Hügellandes auf archäologische Funde aus Rübhausen verwiesen. Da diese Funde alle erst in den letzten Jahren (etwa seit 1978) gemacht wurden und außer einer kurzen Fundmeldung in den Bonner Jahrbüchern eine wissenschaftliche Auswertung bisher nicht erfolgte, sehe ich mich als Finder veranlaßt, wenigstens eine grobe Übersicht über Art und Zeitstellung dieser Gegenstände abzugeben. Solche Funde, meistens Scherben oder Steinwerkzeuge, sind aufgrund ihres unauffälligen Äußeren leicht zu übersehen. Hinzu kommt, daß durch die hügelige Struktur unseres Gebietes viele Fundstellen durch Erosion und Bodenbearbeitung teilweise im oberen Bereich abgepflügt und im unteren Bereich mit Boden überdeckt worden sind. Auch sind auf den als Grünland genutzten Flächen kaum Bodenfunde zu erwarten. Das ist auch der Grund dafür, warum Karten der vorgeschichtlichen Fundstellen in unserem Kreisgebiet hauptsächlich die Ebenen der Niederterrasse des Rheines zeigen. Zu diesen Fundstellen zählen die unseren Gebiet am nächsten liegenden bisher bekannten Urnengräberfelder von Geistingen und Schmerbroich. Weitere Fundbereiche bilden die ackerbaulich wenig intensiv genutzten Flächen der Heideterrasse, zum Beispiel die Wahner Heide, mit ihren vielen vorgeschichtlichen Spuren. Zu diesen Fundbereichen sind auch die Gräber bei Schloß Birlinghoven und im Ennert zu zählen. Im Pleiser Hügelland gab es zwar einige Funde, meist Steinbeile, doch sie wurden bisher oft als verlorengegangene Einzelfunde durchziehender Menschen angesehen. Siedlungsfunde und Gräber, die dauerhafte Siedlungen anzeigen, waren bisher nicht aufgefallen. Zum Teil bedingt durch die zunehmend tiefere Bodenbearbeitung in den letzten Jahren wurden in und um Rübhausen viele Siedlungsspuren aus verschiedenen vorgeschichtlichen Zeitabschnitten hochgepflügt.
Neben den Steingeräten, die oft zeitlich schwerer einzuordnen sind, sind bestimmte Formen und Verzierungen bei Tongefäßen sicher zu datierende Überreste von Siedlungen. In der Jungsteinzeit, etwa 5000-1800 v. Chr., sind von Experten des Rheinischen Landesmuseums Bonn ein Steinbeil (westlich von Rübhausen), zwei abgebrochene Schneideteile von Steinbeilen (nördlich von Rübhausen und zwischen Sand und Sandseheid) sowie mehrere Steinklingen, Bruchstücke davon und andere bearbeitete Steinwerkzeuge datiert worden, ebenso mehrere sogenannte Kernsteine, von denen nach bestimmten Techniken Steinklingen abgeschlagen wurden. Diese Funde beweisen allerdings nur das Vorhandensein von jungsteinzeitlichen Menschen in diesem Gebiet, jedoch bisher nicht die Existenz einer Siedlung an dieser Stelle. Die vermutlich ältesten Gefäßscherben (nördlich von Rübhausen) sind laut Dr. Joachim (Rheinisches Landes-Museum Bonn) „metallzeitlich, möglicherweise bronzezeitlich". Es handelt sich unter anderem um ein Randstück eines großen Topfes mit zwei untereinanderliegenden aufgesetzten Leisten, die mit Dellen verziert sind. Die Bronzezeit, in der im übrigen auch noch die vielen Steinwerkzeuge benutzt wurden, dauerte etwa von 1800-700 v. Chr. Mit der nun beginnenden älteren Eisenzeit, der sogenannten Hallstattzeit (nach einem Fundort in Österreich benannt), setzte nach bisherigen Erkenntnissen ein starker Bevölkerungszuwachs ein. Kulturelle Einflüsse kommen vor allem aus dem Mittelrheingebiet.
Aus dieser Zeit liegen bei Rübhausen drei Fundstellen vor. Nördlich von Rübhausen fand sich das Randstück eines Gefäßes mit einer gezackten Zierleiste, im Ort, an einer Quelle, wo sich heute ein Brunnen befindet, dünnwandige, zum Teil gut geglättete Rand und Wandscherben. Vier zusammensetzbare Scherben gehören zu einer Schale (datiert Ha C/D).1986 wurden westlich von Rübhausen die Reste von insgesamt vier Urnengräbern gefunden. Das erste Grab bestand aus einem aufrecht im Boden stehenden Urnengefäß, von dem die Hälfte noch unzerstört war. In das Innere waren größere Teile des darüber befindlichen Gefäßkörpers gefallen. Auf einigen Scherben des oberen Bereiches befand sich eine umlaufende Zierleiste. Vom sogenannten Leichenbrand war bis auf kleine Holzkohlestückchen bereits alles vom Boden aufgenommen worden. Ebenfalls in der Urne befanden sich Teile eines Beigabengefäßes in der Größe einer Tasse. Die drei folgenden Bestattungen wurden im Herbst 1986 beim Pflügen entdeckt und von Dr. Joachim (Rheinisches Landesmuseum Bonn) gezeichnet und geborgen. Bei ihnen handelt es sich um sogenannte Glockenurnen. Das bedeutet, daß sie auf dem Kopf stehend die Asche des Verstorbenen abdeckten. Folglich war beim zweiten Grab der obere Teil des Urnengefäßes erhalten. Allerdings war dieser Teil durch den Bodendruck zusammengedrückt und lag im unteren Teil der Grabgrube, die sich um die Gefäßreste noch deutlich im Boden abzeichnete. Darunter befanden sich wiederum Holzkohlenreste. Die Machart und Verzierung waren wie beim ersten Grab. Beim dritten Grab waren nur noch ungeordnete Randteile im Boden vorhanden. Allerdings war deutlich zu erkennen, daß die Machart und Verzierung der des ersten und zweiten Grabes entsprachen. Beim vierten Grab war wieder der größte Teil des Gefäßes erhalten.
Unter dem nach außen gezogenen Rand war eine sehr schöne gezackte Zierleiste, die im Aussehen der nördlich von Rübhausen gefundenen Randscherbe entsprach. Bis zu 50 Meter auseinander liegenden Grabstellen, wie auch die Tatsache, daß z.B. Grab drei schon fast völlig zerstört war, und die zwischen den Grabstellen gefundenen Einzelscherben lassen darauf schließen, daß sich dort noch andere bereits völlig zerstörte Gräber befunden haben. Eine Datierung erfolgte auch hier auf Ha C/D (ca. 600-500 v. Chr. Die nun folgende jüngere Eisenzeit wird nach einem Schweizer Ort La Tene-Zeit, genannt. Sie umfaßt den Abschnitt von etwa 400 bis Christi Geburt. In die Übergangszeit zwischen Hallstatt- und La Tene-Zeit dürften die Reste eines unverzierten Gefäßes (Rand-, Wand und Bodenscherben) in Form einer Tonne fallen (nordwestlich von Rübhausen), ebenso von der gleichen Stelle das Randstück eines mit eingedrückten Schrägstrichen verzierten Töpfchens. Auch ein östlich von Rübhausen gefundenes Randstück mit Fingertupfenverzierung könnte aus dieser Zeit stammen. Aus der Spät-La Tene-Zeit (kurz vor Christi Geburt) stammen eine große Anzahl von Scherben mit keulenförmig verdickten Rändern. Sie liegen von insgesamt sechs Fundstellen vor. Zum Teil sind sie mit einer Art schwarzem „Lack" aus Birkenteer überzogen. Die meistens relativ dickwandige und stark mit Sand gemagerte Keramik kommt in der gleichen Art auch auf dem Petersberg und in Windeck-Dreisel vor. Auf einer Spät-La Tene-Fundstelle fand sich auch das Bruchstück eines Maisteines, der als römisch bis mittelalterlich datiert wurde. Der größte Teil der vorgenannten Funde befindet sich im Magazin des Rheinischen Landesmuseums Bonn.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die eindeutig feststehende vorgeschichtliche Besiedlung in Rübhausen aufgrund ihrer Vielfalt und Dauer keine Ausnahme im Pleiser Hügelland sein kann. Es muß vielmehr damit gerechnet werden, daß aufgrund der günstigen Siedlungsvoraussetzungen von einer Besiedlung an vielen anderen Stellen ausgegangen werden muß.
Zum Bericht des General-Anzeigers: s. Link unten.
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