Aufnahme: 2016

Eine Scheune kann viel erzählen

Karl-Heinz Bluhm liebt alte Sachen und stellt sie in der Sammelscheune aus

"Gratzfeld (cg). Wer Karl-Heinz Bluhm besucht, bekommt schon vor Betreten seines Wohnhauses eine erste Ahnung vom Hobby des Hausherrn, denn vor dem Eingang stehen eine Zentrifuge mit zwei Tonkrügen, die früher für Milch und Rahm verwendet wurden, und zwei Sauerkrauttöpfe. Bluhm sammelt 'alles, was alt ist'. 'Ich konnte noch nie etwas wegschmeißen und habe schon immer gesammelt', sagt er selbst. Zunächst bewahrte er die Sammelobjekte in seinem Hobbykeller auf; als der zu klein wurde, wich er in die Garage aus. Vor etwa 25 Jahren mietete er eine Scheune in der Nachbarschaft, um zunächst das Baumaterial vom Hausbau unterzustellen. Dann kam ihm die Idee, die Scheune für seine 'Schätzchen' zu nutzen. Denn der leidenschaftliche Motorradfan - er ist auch Mitglied der Veteranenfreunde Siebengebirge - hatte begonnen, alte Motorräder zu sammeln. Mit einer BMW R25/ 2 fing es an, inzwischen hat er ungefähr 20 Motorräder und Mopeds. Mit der Zeit kamen auch Traktoren und alte landwirtschaftliche Geräte, beispielsweise eine Auswahl unterschiedlicher Pflüge und unterschiedliche Pumpen für Gülle und Wasser hinzu.

Der Platz reichte nicht aus; nach und nach eroberte Bluhm Schuppen für Schuppen immer mehr Terrain rund um die Scheune, baute Vordächer an, errichtete Trennwände und füllte die Räume mit immer mehr Sammlerstücken, die er teils auf dem Trödelmarkt erstanden, teils von lieben Mitmenschen geschenkt bekommen oder im Sperrmüll gefunden hat. 'Manchen Dingen, wie zum Beispiel Tropfenfänger für die Kaffee- oder Teekanne, bin ich lange hinterhergelaufen', erzählt der Sammler. Am 26. April 2003 öffnete Bluhm erstmals seine 'Oberhauer Sammlerscheune' für Publikum. Inzwischen sind rund 550 Quadratmeter (Innen- und Außenfläche) mit mehreren tausend Exponaten belegt. Sorgfältig nach Lebensbereichen getrennt lässt Bluhm in seiner 'Sammlerscheune' die 'gute alte Zeit' wieder auferstehen. Eine komplette Schusterwerkstatt hat er ausgestattet, ein Postamt - auch ein Telefonhäuschen steht im Außenbereich - eine Schmiede, eine Sattlerei, eine Raucherabteilung mit allem möglichen Zubehör, einen Friseursalon, in dem sogar die Illustrierte mit Fotos zum Mord an J. F. Kennedy nicht fehlt, und eine Wohnküche mit verschiedensten Haushaltsgegenständen von der Kaffeekanne samt Tropfenfänger über einen Kühlschrank und einen Schnellkochtopf aus den 1930er Jahren - 'Schnellkochtöpfe gibt es schon seit 1679', weiß Karl-Heinz Bluhm - eine Mausefalle, mit der vier Mäuse gleichzeitig gefangen werden können, Spinn- und Flachsrad bis zur Nylonstrumpfreparaturmaschine von 1956.

Ein Raum ist voller unterschiedlicher Fotoapparate, ein anderer ist Radios, Fernsehern und Tonwiedergabegeräten wie Tonbändern, Tondraht und Tefifon gewidmet. Auch zwei Computer aus den frühen 1970er Jahren, die ursprünglich zu einem Ingenieurbüro für Baustatik gehörten und die ihm der Inhaber aufgrund eines Zeitungsartikels schenkte, befinden sich darunter. Unter den Vordächern findet man etwa eine Brotteigknetmaschine, mit der in der Westerhausener Bäckerei Schmitz der Teig für das beliebte Schwarzbrot geknetet wurde, daneben steht die 'Hausmolkerei Polaria'. Auf dem Dach ist eine Feuerwehrleiter befestigt. Zu allen Sammlerstücken kann Karl-Heinz Bluhm etwas erzählen. Das Wissen hat er sich nach und nach angeeignet. Langsam wird es eng in und um die Scheune. 'Ich würde gerne noch eine Schulbank aufstellen und ein Klassenzimmer einrichten, aber mir fehlt der Platz', seufzt Bluhm. 'Ein paar Vordächer kann ich noch anbringen, aber dann ist langsam Schluss.' Früher kamen bisweilen Schulklassen, die er dann herumführte und denen er von früher erzählte. Jetzt macht er noch hin und wieder eine Gruppenführung. Nachdem das 10jährige Jubiläum schon drei Jahre her ist, wurde es nun Zeit, noch einmal einen Tag der offenen Tür zu veranstalten. Am Sonntag, 29. Mai, öffnet Karl-Heinz Bluhm ab 11 Uhr die Pforten der 'Oberhauer Sammlerscheune', Schwirzpohler Straße 11, weit für alle Interessierten. Auf die Besucher warten nicht nur zahlreiche alte und neue Exponate, die besichtigt werden wollen, es gibt auch einige Überraschungen. So haben eine Garnspinnerin und ein Sensen-Dengler ihr Kommen zugesagt. Zudem stellen die Veteranenfreunde Siebengebirge ihre Fahrzeuge aus.

Ein Schmuckstück unter den großen Maschinen ist die Brotteigknetmaschine, mit der in der Bäckerei Schmitz jahrzehntelang der Schwarzbrotteig geknetet wurde."

Quelle
Extra-Blatt 20. Woche 18. Mai. 2016
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