Aufnahme: 2012
Nicht nur im Mai ändern sich die Bräuche
"'Jett us och e Pingsei...'Pleiserhohner Frauen erobern die Männerdomäne des Pfingsteiersingens
Pleiserhohn (cg). 'jett us och e Pingsei Ri-Ra-Röschen...' erklingt es schon seit ewigen Zeiten am Nachmittag des Pfingstsamstags vor den Häusern, wenn die Männer des Dorfes mit ihrem Lied um Eier und Speck oder Hochprozentiges bitten. Beinahe wäre der Brauch in den 1970er Jahren eingeschlafen. Dann nahm sich der neu gegründete Verein 'Nachbarschaft Pleiserhohn-Thelenbitze' der Sache an und belebte den schönen B'auch neu. Doch der Ort geht mit der Zeit: in diesem Jahr gehen nun schon zum dritten Mal die Frauen durchs Dorf und singen.
'Wir haben lange darum gekämpft', bemerkt Angelika Felgenhauer, zweite Vorsitzende der Nachbarschaft Pleiserhohn-Thelenbitze. Im Jahr 2008 schließlich überlisteten die weiblichen Vorstandsmitglieder die Herren und beschlossen, dass in einem Schaltjahr die Frauen als Pfingstsängerinnen von Haus zu Haus ziehen. Das gab keinen geringen Aufstand unter den Männern. Denn Pfingsteiersingen war seit alters her Männersache.
Ursprünglich kommt der Brauch des Pfingsteiersingens aus dem Bergischen Land. Dort wurde erstmals 1574 ein solches Eiersingen erwähnt. Junggesellen, meist nicht sehr begütert, trafen sich und erbettelten ('heischten') mit Gesang milde Gaben, aus denen sich ein festliches Pfingstmahl zubereiten ließ. Die Bauern schenkten, was Keller oder Speisekammer gerade hergaben: ein paar Eier und etwas Speck. Denn zwischen Ostern und Pfingsten legen die Hühner besonders gut.
Die "Pfingstjungen" trafen sich am frühen Abend und zogen pfingstlich geschmückt mit Leiterwagen und 'Quetsch' - oft bis Mitternacht - das 'Eierlied' singend von Dorf zu Dorf. Anschließend buk und verzehrte man gemeinsam die Eier und spülte mit Bier oder Hochprozentigem nach. Diesen Brauch halten mittlerweile vor allem Dorfgemeinschaften, Gesangvereine und vereinzelt auch Junggesellenvereine am Leben. In Pleiserhohn zogen immer die Männer am Samstagnachmittag mit Musik und Handwagen los, um anschließend zu feiern. Deshalb fühlten sich manche Männer ziemlich 'auf den Schlips getreten', erinnert sich Angelika Felgenhauer, als die Frauen den Handwagen und das Singen übernahmen.
Die 'Konkurrenz' wurde mit Argusaugen beobachtet. Und siehe da: schon beim ersten Mal konnten die 'Fraulück' mehr Stimmen aufweisen als die 'Mannslück' je hatten. Zudem ersangen die Frauen mehr Eier als die Männer im Jahr zuvor... Mittlerweile haben sich die Männer etwas beruhigt, zumal sie dafür eine andere nicht zu verachtende Aufgabe bekommen haben. Seit das Dorf 2012 den alten Dorfpütz wiederbelebte, 'schrubben' die Frauen jedes Jahr, während die Männer singend unterwegs sind, den Pütz unter Zuhilfenahme einiger Flaschen 'Brandewein' wie es schon in der Dorfchronik verzeichnet ist. In diesem Jahr dürfen dort die Männer ran."
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