Aufnahme: 2011
Die Krypta der Pfarrkirche St. Pankatius Oberpleis
"Seltsam! Es wachsen Säulen aus Trachyt, so rund und glatt, als wären sie gegossen, wie Stämme auch, die aus dem Dunkel sprossen. Bald stählern dunkel, bald wie Galalith. So makellos und weiß. Es ist, damit das Licht, das durch der kleinen Fenstersprossen oder von einer Kerze nur geflossen wie ein Lebendiges vor deine Seele tritt. Denn, wenn auch dieser schwere Säulenwald die gleichen einfach schönen Kapitelle und Bögen schon achthundert Jahre trägt. Er wechselt seinen eigensten Gehalt wie deine eigne immer gleiche Seele sich dennoch in dir wandelt und bewegt.
So schloß sich Stein und edles Bildwerk kaum jemals zu einer inneren Gestalt. Bald wähnst du dich in einem weiten Wald und bald in einem kleinen stillen Raum. Und wieder schwebst du wie in einem Traum über die Bögen, spürst du die Gewalt eines Doms aus Marmor und Basalt und mehr: des Lebens wunderbaren Baum, er sich im Unendlichen verzweige dennoch ruhe in der hohlen Hand Gott einst, sein Geschöpf umgreifend, bog und das Gesetz wie einen Diamant tausend Lichtern dachte und erwog, sich die Welt in Andacht vor ihm neige.
Die Propsteikirche St. Pankratius in Oberpleis ist eine der wenigen Kirchen in unserer näheren Heimat, die eine Krypta besitzt. Steigt man eine der beiden Treppen hinunter, die aus dem Inneren der Kirche zur Krypta hinabführen, so hat man den Eindruck, als würde man gleich den frühen Christen, in die Gänge der Katakomben eindringen. Es ist kühl und dunkel hier unten und es empfängt uns ein Raum der geschaffen scheint für das Gedächtnis der Toten.
Zur Krypta sagt Eugen Heinen, Domführer in Altenberg, in der Festschrift zur Tausendjahrfeier:
„Der größte Teil der Krypta zieht von Nord nach Süd und wiederholt unten den Grundriß des oberen Oberhauses mit 21 Gewölbefeldern, die drei Quergänge bilden. Stellen wir uns unten in die Mitte und betrachten den Raum in der östlichen Richtung, so haben wir hier einen Mittelgang und zu beiden Seiten Gänger die bis in den kleinen Vorraum der Concha (Altarnische) durchlaufen, spärliches Licht fällt durch das kleine Rundbogenfenster in die Mitte des Altarraumes auf den Opfertisch. Das Querhaus erhält sein Licht von beiden Seiten, an denen sich je drei Fenster befinden. Wie alle diese uralten Räume, so muß man die Krypta in ihrer eigentlichen Bestimmung erlebt haben, nämlich im Gottesdienst. Wie manch Requiem mag hier erklungen sein in all den Jahrhunderten, und wieviel Trost und Trauer mag in dieser engen dunklen Geborgenheit gefühlt und gegeben sein.
Gerade die Krypta ist für viele Oberpleiser in steter und bleibender Erinnerung. War sie doch in den furchtbaren Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges letzte Zufluchtstätte und Unterkunft für viele Obdachlose. Und das allmorgendliche hl. Meßopfer in der Krypta, welches Herr Pastor Wichert mitten unter der verängstigten Gemeinde abhielt, wird für alle die daran teil hatten, trotz der qualvollen Enge des Raumes, trotz der entsetzlich verbrauchten Luft und trotz aller Angst und Sorge in schaurig schöner Erinnerung verbleiben."
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