"Willi und sein Kreuz"

Abgebildete Personen

Aufnahme: 2005

"Willi und sein Kreuz"



Gemeint ist nicht das Rückgrat von Willi Reuter, das ihm sicher im Laufe seines Lebens einige Beschwernisse gemacht hat, nein, gemeint ist das alte Wegekreuz, welches jahrzehntelang unbeachtet im Straßengraben oberhalb des neben dem Haus Reuter, Bitzer Weg 17, gelegenen Wiesen-Grundstücks dahinmoderte, und dann, wie im nachfolgenden Bericht dargestellt, von Willi gerettet und auf eigene Kosten liebevoll restauriert und wieder aufgestellt wurde.

So eine alte Deutsche Eiche, aus der dieses Kreuz gezimmert ist, lässt sich eben nicht unterkriegen, zumal, wenn ihm solche selbstlose Hilfe widerfährt. Aber der Reihe nach:

Wer weiß heute noch, dass es auf genanntem Grundstück Anfang des neunzehnten Jahrhunderts eine Hohlpfannen-Fabrikation gegeben hat? Inhaber und Betreiber war der aus Müschbach-Hachenburg stammende Johann Peter Müller. Von wann bis wann wurde produziert und warum wurde diese eingestellt? Alles bisher unbeantwortete Fragen.

Aber aus mündlicher Überlieferung weiß man, dass sich im Jahre 1828 oder kurz davor in dieser Fabrik eine Explosion ereignet hat. Einen gerade vorbeifahrenden Fuhrmann traf es dabei derart, dass sein Pferd scheute, der Wagen umfiel und er darunter begraben wurde. Er war sofort tot. Seine Identität ist nicht bekannt. Der Inhaber war es nicht, denn der starb erst 1845. Vielleicht war es ein Mitarbeiter oder ein Transporteur? Jedenfalls wurde dem armen Geschöpf im Jahre 1828 zur Erinnerung ein Holzkreuz errichtet, zu dem der jetzige Nachbar, Willi Reuter, ein besonderes Verhältnis hat.

Und jetzt greife ich auf Berichte zurück, die 1990 im General-Anzeiger sowie in der damals noch existierenden Siebengebirgs-Zeitung veröffentlicht wurden und die ich lediglich um einige Fakten und Aussagen ergänzt habe:

Schon im Alter von 13 Jahren sorgte sich Willi Reuter aus Berghausen um die Erhaltung dieses neben seinem Elternhaus Bitzer Weg 17 aufgestellten Wegekreuzes. Eines Tages, als er auf dem Weg zur Schule war, sah er, dass das langsam zerfallende Kreuz, um das sich jahrzehntelang niemand bemüht hatte, zusammengebrochen war und im wassergefüllten Straßengraben lag. Er richtete es wieder auf und befestigte es provisorisch. Als er dann später Soldat wurde, legte er vor sich und Gott ein Gelübde ab: Sollte er aus dem Krieg zurückkehren, wollte er sich zeitlebens um das Kreuz und seine Pflege kümmern. Willi wurde schwer verwundet und leidet heute noch unter den Kriegsverletzungen. So konnte er sein Versprechen nach seiner Heimkehr zunächst nicht einlösen. Zudem fehlte es in der Nachkriegszeit auch an den notwendigen Materialien. Doch schon bald gelang es ihm, Messingkartuschen und anderes Schrottmaterial zu sammeln, dies mit dem Fahrrad nach Niederpleis zur Verwertungssammelstelle zu bringen und mit dem Erlös Farben und Materialien zu kaufen. Zunächst besserte er die schadhaften Stellen des Kreuzes aus, tränkte das alternde Holz mit flüssigem Teer und richtete es einigermaßen wieder her. Als er dann später bei den Königswinterer Lemmerzwerken beschäftigt war, erhielt er dort kostenlos Zinkbleche, um damit eine Überdachung der Gebetsstätte zu schaffen.

Im Jahre 1989 renovierte Willi Reuter dann das Kreuz erneut von Grund auf. Er schuf ein breites Holz- und Schieferdach und einen rückseitigen Regenschutz gegen die Witterungsunbill. Die Darstellungen des Leidens Christi auf dem Holz mussten nachgearbeitet, nachgeschnitzt und ergänzt werden. Nach dem letzten Anstrich leuchtet das Kreuz heute nun in den Farben Schwarz, Silber, Gold, Rot, Weiß und Beige. Es zeigt die Dornenkrone, die Hände Christi, das Leinentuch, das durchstochene Herz, den Kelch des Leidens und die durchnagelten Füße. Unterhalb der Jahreszahl 1828 ist eine Einbuchtung zum Aufstellen einer Kerze. Die mit Bruchsteinen eingefasste kleine Fläche um das Kreuz schmücken heute bunte Blumen.

Im Jahre 2005 fand dann nochmals eine Auffrischung statt, an der die auf dem Bild ersichtlichen Personen mitgewirkt haben, so dass das Kreuz nunmehr für die nächsten paar hundert Jahre gerüstet ist.

Die Siebengebirgszeitung berichtet zum gleichen Thema

Quelle
u. a. Bericht von G. Steeg in der Siebengebirgs-Zeitung, Verlag Uelpenich Oberpleis, 1990
Zur Verfügung gestellt von
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